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Axel Kaufmann gewinnt die Wahl deutlich. Rolf Oeser
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Axel Kaufmann gewinnt die Wahl deutlich.

Frankfurt

Kaufmann besiegt Zimmer bei CDU-Kandidatenwahl für Bundestag

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer verliert bei der CDU-Kandidatenwahl gegen Ortsvorsteher Axel Kaufmann. Der rechte Flügel der Partei ist so gestärkt.

Als Matthias Zimmer seine Rede hält, ist sie schon spürbar: die Stimmung in der Wolfgang-Steubing-Halle, die auf Veränderung hindeutet. Der Applaus der Delegierten, die an diesem Samstagvormittag den Bundestagskandidaten der CDU für den Wahlkreis 182 wählen sollen, ist dürftig. Dabei sollte Zimmer der Favorit sein. Der mit dem Amtsbonus, schließlich sitzt er seit zwölf Jahre für die CDU im Bundestag. Doch seine Rede ist kurz und stößt auf wenig Resonanz. „Sie kennen mich über Jahre“, sagt er zu den Delegierten – und doch wählen sie am Ende seinen Herausforderer Axel Kaufmann, der als zweiter Redner sehr viel mehr Begeisterung in der Halle ausgelöst hatte.

Seit 2009 ist Zimmer Frankfurter Abgeordneter in Berlin und das wäre er auch gerne nach der Bundestagswahl im September dieses Jahres geblieben. Die Enttäuschung über die Niederlage ist dem 59-Jährigen nach der Wahl bei einer kurzen Rede anzumerken. Er gibt dem Gewinner Kaufmann aber noch einen Rat mit: „Lass dich nicht auffressen vom Politikbetrieb in Berlin.“

Eigentlich war es ein Dreikampf um die Bundestagskandidatur im Wahlkreis 182 im Nordwesten der Stadt. Nicht nur Kaufmann hatte Zimmer herausgefordert, auch Martin Heipertz. Der 45-jährige Banker bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) monierte in seiner Rede, dass es ihm von vielen Stadtbezirksverbänden nicht ermöglicht worden sei, sich als Kandidat vorzustellen. Er habe daher eine digitale Kampagne führen müssen. Zwölf Stimmen erhielt Heipertz schließlich. Kaufmann unterlag Zimmer in diesem ersten Wahlgang noch mit 58 zu 61 Stimmen. Es kam zu einer Stichwahl.

Kaufmann hatte in seiner Rede immer wieder die Verbundenheit mit der Kommunalpolitik betont. Er ist seit 2009 Ortsvorsteher des Ortsbeirats 2 (Westend, Bockenheim, Kuhwald). „Ich stehe für aktive Wahlkreisarbeit vor Ort“, sagte der 48-Jährige. Er werde bei den Leuten vor Ort sein, die Sorgen und Wünsche aus den Frankfurter Stadtteilen im Bundestag einbringen. „Ich stehe an eurer Seite und mein Ziel ist nicht ein Facebook-Foto für die Öffentlichkeitsarbeit.“ Und wenn er der „erste Ortsvorsteher im Deutschen Bundestag werde, dann wäre dieser Titel eine Auszeichnung“.

Auch legte Kaufmann, Prokurist im Vorstand der KfW, „ein klares Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft“ ab, sie solle gestärkt werden. „Der Wohlstand ist damit gekommen und geblieben.“ Er sei ein „Fan des Mittelstands“ und kenne im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern die „Realität des Arbeitsalltags von 70 000 Frauen und Männern in der Finanzbranche in Frankfurt“. Kaufmann gewann die Stichwahl gegen Zimmer klar mit 70 zu 56 Stimmen.

Am Nachmittag wählten die Delegierten auch die Bundestagskandidatin für den Wahlkreis 183. Bettina Wiesmann trat erneut an und hatte keine Gegenkandidat:innen. Alle sollten „dafür kämpfen, dass die CDU die gestaltende Kraft“ im Land bleibe, sagte Wiesmann. Bei einer möglichen Koalition mit den Grünen sollte es „eine starke schwarze Führungsrolle“ geben. „Wir haben die besseren Ideen, um Ökonomie und Ökologie zu verbinden.“ Wiesmann erhielt 69 Ja- und 20-Neinstimmen.

Der rechte Parteiflügel, die Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) Frankfurt, hatte Wiesmann als Kandidatin vorgeschlagen. Zimmer gehört zum linken Flügel der Partei, ist Frankfurter, hessischer und stellvertretender Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Das Gleichgewicht zwischen den Flügeln der CDU ist nun mit der Wahl Kaufmanns gestört. Kaufmann ist ein Vertreter des rechten Flügels. „Dass der Arbeitnehmerflügel der CDU mit Merkel-Mann Zimmer nicht mehr eingebunden wird, zeigt, dass die CDU droht, die Mitte zu verlassen“, sagte der Frankfurter Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour. „Dass gestandene und verdiente Abgeordnete wie Zimmer ins Abseits gestellt werden, zeigt, wie sehr die Groko in Berlin abgewirtschaftet hat.“ Der Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen wird Zimmer im Bundestag fehlen, „er ist ein hervorragender Sozialpolitiker und seine Reden waren häufig ein Highlight“.

Deborah Düring, die für die Grünen bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 182 kandidiert, twitterte nach Kaufmanns Wahl: „Heute hat die CDU Frankfurt mit Axel Kaufmann einen Unterstützer von Friedrich Merz für das Direktmandat im WK 182 nominiert. Noch ein Zeichen für beide Stimmen Grün!“ Kaufmann hatte Friedrich Merz bei der Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden unterstützt, will aber nun hinter Laschet stehen. „Ich werde stets den gemeinsamen Erfolg in den Vordergrund stellen“, sagte er. „Ich werde ausschließlich Teamplayer sein.“ Auch gegen die Kritik des hessischen CDU-Generalsekretärs Manfred Pentz, der Merz-Anhänger als „Merz-Dschihadisten“ bezeichnet hatte, wehrt sich Kaufmann. „Ich bin kein Dschihadist.“

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