Westend

Anne Kaffeekanne und viel Witz

Liedermacher Fredrik Vahle tritt im Palmengarten auf ? und drei Generationen singen mit.

Wenn der Kinderliedermacher Fredrik Vahle ein Konzert gibt, bleibt selten ein Platz frei. Das hat damit zu tun, dass nicht nur Kinder sofort textsicher mitsingen können, wenn der 75-Jährige zu Gitarre oder Ukulele greift. „Pitsch Patsch Pinguin“, „Anne Kaffeekanne“ und „Der Hase Augustin“ sind mittlerweile in der dritten Generation Klassiker, haben sich von Langspielplatte über Kassette, CD und MP3 bis hin zur Spotify-Liste gehalten. 

Im Gesellschaftshaus des Palmengartens vibriert es am Mittwoch, noch bevor der erste Ton erklingt. Was wird er singen? Enddreißiger unterhalten sich über den Solidaritätssong „Die Rübe“, den sie bereits 1983 im Kinderladen auswendig konnten. „Uuuuund die Katze tanzt allein...“ trällert ein Knirps. Und dann kommt er, weißhaarig und mit beeindruckenden Koteletten: Fredrik Vahle, der Urvater der engagierten Kindermusik. Eingeladen hat ihn der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald, gekommen sind Kindergartengruppen, Großeltern-Enkel-Gespanne, Mütter und Väter mit Lastenrädern und Tupperdosen. 

Die Nostalgie sitzt mit im Saal

Fredrik Vahle singt für Kinder aller Generationen, die Nostalgie sitzt in jedem Konzertsaal mit dabei. Und die alte Bundesrepublik. Zum Beispiel beim Lied „Ayse und Jan“ aus den 1980er Jahren: „Es waren einmal zwei Kinder, die hießen Ayse und Jan, sie waren Nachbarn und kannten sich nicht – so fängt die Geschichte an.“ Vor allem in Vahles Frühwerk ging es um besetzte Häuser und Arbeiter, die zusammenhalten und für mehr Lohn streiten. Um Gastarbeiterkinder aus Italien und bedrohte Wälder.

Vahle hat diese Zeit konserviert. Er verlangt Kindern viel ab, und genau dafür wird er geliebt. Das engagierte, sozial kritische, emanzipatorische Kinderlied ist in den 70er und 80er Jahren zu Hause. Und scheint heute aktueller denn je. Diskriminierung von Flüchtlingen, abgeholzte Wälder, Niedriglohnsektor, besonders historisch wirkt die Geschichtsstunde nicht. 

Und dann endlich: „Da flog sie, oh pardon, auf dem Besenstiel davon...“ Bei Anne Kaffeekanne hält es niemanden mehr auf dem Stuhl, egal ob vier oder 40 Jahre alt. Etliche Vahle-Lieder sind nicht von Politik, sondern vor allem von anarchistischer Lebensfreude, Sprachwitz und lustigen Tieren geprägt: „Das Katzentanzlied“, „Der Spatz“, „Kawuras, der Krebs“ und das aktuelle „Lilo Lausch“. 

Ihr Interpret ist inzwischen sogar außerplanmäßiger Germanistik-Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Palmengarten an diesem Vormittag wird er besonders für seinen Humor geliebt, für offenbar spontane Eingebungen, die selbst den hundertmal gehörten „Katzentatzentanz“ aufmöbeln: „Kam der Zahnstocher zu der Katze, bitte reich mit deine Tatze, mit dem Zahnstocher tanz ich nicht, ist mir viel zu zahnstocherig...“ Und draußen hat sich sogar der Novembernebel verzogen. FR

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare