Der Komponist Frank Gerhardt, Professor an der Musikakademie Kassel, hat sich von der Geschichte der Sintflut zu einem Orgelwerk inspirieren lassen.  
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Der Komponist Frank Gerhardt, Professor an der Musikakademie Kassel, hat sich von der Geschichte der Sintflut zu einem Orgelwerk inspirieren lassen.  

Musik

St. Katharinen in Frankfurt: Orgelmusik nach der Sintflut

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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In St. Katharinen in Frankfurt bietet der Organist Martin Lücker eine Welturaufführung.

Irgendwann ist auch die schrecklichste Sintflut zu Ende, die Taube fliegt davon und kehrt mit einem Ölzweig zurück auf die Arche Noah, Zeichen für einen Neubeginn. Das monumentale Orgelwerk, das sich mit dem grade noch einmal abgewendeten Weltuntergang beschäftigt und das am Sonntag in der Frankfurter Katharinenkirche uraufgeführt werden soll, scheint perfekt in diese düstere Zeit zu passen.

Dabei war der Kasseler Komponist Frank Gerhardt, der an der dortigen Musikakademie eine Professur inne hat, bereits im Februar kurz vor der weltweiten Verbreitung des Coronavirus weitgehend fertig mit seiner Komposition „Lectiones No. VI, Arche“, wie der Katharinenkirchen-Organist Martin Lücker versichert. Lücker und Gerhardt kennen und schätzen sich schon lange, der international bekannte Orgelvirtuose konnte bereits 1994 Gerhardts erstes Werk uraufführen.

Eine Weltpremiere

Für das Konzert am Sonntag, 7. Juni, 18 Uhr, gibt es Eintrittskarten zu 10 Euro im Vorverkauf online über www.frankfurtticket.de oder an der Abendkasse. Der Platz in der Katharinenkirche an der Hauptwache ist allerdings wegen der Corona-bedingten Vorschriften beschränkt auf maximal 100 Zuhörer. In der Kirche muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Die aus zwei Teilen bestehende „Arche“ sei ein überaus schwierig zu spielendes Stück, sagt Lücker, der lange daran geprobt hat. „Das war so viel Arbeit wie eine große Orgelmesse von Bruckner“, meint er. „Da gibt es sehr anspruchsvolle Stellen. Gerhardt weiß ganz genau, was er will, das ist kein Wischiwaschi, das sind alles klare Aussagen. Gleichzeitig lässt er dem Musiker auch Raum für eine eigene Interpretation.“

Der erste Teil des Orgelstücks hat das Eingeschlossensein in der Arche zum Thema, der zweite die Freiheit, den Wegflug der Taube. „Zur Katastrophe gehört auch die Rettung“, sagt Lücker. Und betont, Gerhardt male keine musikalischen Bilder einer archaischen Geschichte, auch wenn das beim Thema Sintflut verführerisch sei. Und doch könnte der Zuhörer vielleicht das Wasser brausen, die Taube flattern hören, wenn Lücker auf der monumentalen Rieger-Orgel spielt.

Im musikalischen Orgelprogramm der Katharinenkirche, dem wohl umfangreichsten im Rhein-Main-Gebiet, bietet Lücker mindestens eine Uraufführung im Jahr. Seine Konzerte sind normalerweise gut besucht, seit es wieder öffentliche Konzerte geben darf, läuft es aber erst langsam wieder an. Immerhin kommt auch der Komponist zur Premiere am kommenden Sonntag. Nur 100 statt der sonst möglichen 600 Besucher dürfen gleichzeitig in dem Kirchenraum sein. Falls der Andrang zu groß würde, könne er sich aber vorstellen, das Konzert noch mal zu spielen, sagt Lücker.

Zu hören sind neben Gerhardts neuem Werk auch traditionsreiche Stücke von den Orgelgroßmeistern Johann Sebastian Bach und Olivier Messiaen, die sich passend zu Trinitatis, das ist der erste Sonntag nach dem Pfingstfest, mit dem Mysterium der Dreifaltigkeit auseinandersetzen. „Rational verstehen kann man die Trinität nicht, aber die Künste machen es erfahrbar“, sagt Lücker.

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