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Wenn das Wetter mitspielt, sitzen wenigstens ein paar Gäste draußen.
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Wenn das Wetter mitspielt, sitzen wenigstens ein paar Gäste draußen.

Gastronomie

Katerstimmung in Alt-Sachsenhausen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Wirte beklagen Umsatzeinbußen und vermissen die Geselligkeit. Viele Bars und Clubs weiterhin geschlossen.

In Alt-Sachsenhausen kommt im Moment keine Stimmung auf. Wo sonst gefeiert, getrunken und gegessen wird, ist dieser Tage wenig los. Keine vollen Apfelweinkneipen, Bars, Biergärten oder Junggesellenabschiede trotz der Lockerungen. Was die Anwohner wohl freut, macht den Gastronomen und Clubbetreibern zu schaffen. „Die Leute rennen uns nicht gerade die Bude ein“, sagt Jürgen Vieth, dem in Alt-Sachsenhausen mehrere Lokale gehören. Das Ausgehverhalten der Leute sei eher zurückhaltend, beobachtet er. Seine Kneipe Erdnüsschen zu öffnen, sei nicht praktikabel, auch das Oberbayern, das als Tanzlokal gelte, bleibt geschlossen, vor den Eisernen Hahn habe er ein paar Biertischgarnituren gestellt und hoffe, dass es was bringe. Das Apfelweinlokal Frau Rauscher öffnet Vieth mit einem Notprogramm. Schlimm sei die Ungewissheit, weil man nicht wisse, wie es sich entwickele.

Rund 30 Prozent der Betriebe in Alt-Sachsenhausen seien geschlossen, schätzt Vieth. Das trage nicht zu einem besseren Bild bei. Denn im Viertel gebe es vor allem viele kleine gemütliche Eckkneipen, die hätten durch die Abstandsregel keine Chance. Gemeinsam an der Theke zu sitzen, sei ebenfalls nicht möglich. „Die Bestimmungen laden auch nicht unbedingt ein, gemütlich etwas zu trinken, das Flair und Feeling fehlt.“

Wirt Frank Winkler ist zwar erleichtert, dass die Fünf-Quadratmeter-Regel wegfällt, aber trotzdem mache man nur 30 bis 40 Prozent des Umsatzes – mit 100 Prozent der Kosten. Das sei sehr schwierig. Sein Lokal Daheim in der Affentorschänke konnte er nun wieder öffnen. In der Apfelweinwirtschaft Daheim im Lorsbacher Thal hat er draußen Platz für bis zu 90 Gäste statt 250. Und auch drinnen darf er nur gut ein Drittel bewirten.

Viele sind verängstigt

Aber richtig voll werde es nie, sagt Winkler. Viele seien verängstigt. Dabei achteten die meisten Gastronomen sehr diszipliniert auf Hygiene und Sicherheit. Immerhin seien die Gäste relaxt, sagt Winkler.

„Die Lockerungen machen das Arbeiten ein wenig entspannter, wir können jetzt jeden Tisch nutzen“, beschreibt Lorna O’Sullivan von der Apfelweinwirtschaft Dauth Schneider. Aber wo es sonst an einem Samstagabend zusammenrücken geheißen habe an den langen Tischen und Bänken, müsse man jetzt genau schauen, ob man an ein Ende noch jemanden dazu setze.

Natürlich fehlen im Moment auch die Touristen. Firmenfeste, Hochzeiten oder große Geburtstage fallen aus. Gerade in Apfelweinkneipen komme man ja oft als Gruppe, sagt O’Sullivan. Viele hier seien abhängig von Gästen außerhalb Frankfurts, etwa Messebesuchern, erklärt Vieth. „Die Bücher waren voll mit Reservierungen, stattdessen nun Stornierungen.“

Eine Herausforderung sei auch zu kontrollieren, wer aus einem Haushalt komme, sagt O‘ Sullivan. „Man will die Gäste nicht verschrecken und fünfmal nachfragen.“ Viele scheuten sich zudem, sich reinzusetzen, darum hoffe sie sehr auf gutes Wetter.

Noch härter trifft es die Clubs, die dürfen überhaupt nicht öffnen. Seit März ist der Elfer in der Klappergass geschlossen. „Im Gegensatz zu Restaurants fehlt uns jegliche Perspektive“, sagt Mitgeschäftsführerin Nana Barkmann. Man hänge in der Luft, könne nicht kalkulieren und versuche, die Rechnungen zu bezahlen. Sie hofft, dass sie vielleicht im Herbst doch öffnen können.

„Wir haben hier so viel Energie und Geld reingesteckt, das gibt man nicht so einfach auf.“ Der Club hat eine Spendenkampagne zur Unterstützung ins Leben gerufen, rund 2200 vom Ziel 10 000 Euro sind zusammengekommen. Aber viele Stammkunden seien Studenten und hätten selbst nicht viel, sagt Barkmann. Auch der Club Ponyhof auf der anderen Straßenseite hofft mit Crowdfunding und dem Verkauf von T-Shirts auf Hilfe.

Für die Polizei war weniger zu tun. Die Zahl der Strafanzeigen und Einsätze sei wie überall auch in Alt-Sachsenhausen zurückgegangen, teilt Pressesprecher Thomas Hollerbach auf FR-Anfrage mit. „Gerade in der Zeit, als die Vergnügungsstätten noch komplett geschlossen waren, kam die „Eventkriminalität“ komplett zum Erliegen und unsere Kollegen mussten so gut wie gar nicht nach Alt-Sachsenhausen ausrücken.“ Aktuell sei man wieder zum bewährten Konzept übergegangen. Das bedeute, dass am Wochenende die ganze Nacht lang Beamten und Beamtinnen im Amüsierviertel präsent seien und Streife liefen.

Von Judith Köneke

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