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Chef Stephan Ullrich, der "Stiefenkel" von Mutter Ernst. Im Hintergrund Stammgast Georg Freudenberg.

Mutter Ernst

Kartoffelsalat mit Kultstatus

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Die Gaststätte „Mutter Ernst“ feiert in dieser Woche ihr 80-jähriges Bestehen. Günstige Preise gibt es aus diesem Anlass von Donnerstag bis Samstag.

Nebenan werden teure Schuhe verkauft, schräg gegenüber teure Handtaschen. Bei „Mutter Ernst“ hingegen gibt es seit nunmehr 80 Jahren bodenständige Hausmannskost. Empfohlen werden aktuell Leberkäse, Spiegelei und Kartoffelsalat, wie ein Aushang in der Alten Rothofstraße 12a, nur ein paar Schritte von der Goethestraße entfernt, verrät.

Genau in diesem Haus öffnete Metzgermeister Richard Ernst am 1. Oktober 1938 zum ersten Mal die Türen der „Gaststätte Ernst“. Als er 1965 starb, führten seine Frau Else und Tochter Anna Maria, nur Marita genannt, das Lokal weiter. Da der Vater Ernst nicht mehr war, gingen alle Stammgäste immer zur „Mutter“, was Marita 1975, als sie den Laden übernahm, auf die Idee brachte, das kleine Speiselokal in der Innenstadt gleich „Mutter Ernst“ zu nennen.

Zu dieser Zeit war Georg Freudenberg schon vier Jahre Stammgast des Lokals. Er sitzt auch an diesem Vormittag an seinem Tisch und lässt sich schon gegen 10.30 Uhr den Kartoffelsalat schmecken. Der hat bei den Gästen Kultstatus, genau wie die Frikadellen. Chef Stephan Ullrich verrät das Geheimnis des Kartoffelsalats: „die Kartoffel“. Die stamme nämlich seit Jahrzehnten vom selben Kartoffelbauern aus der Nähe von Weiterstadt. Das Rezept selbst ist dann kein Geheimnis: Essig, Öl, weißer Pfeffer, Salz.

Die Frikadellen, die es immer nur freitags gibt, sind selbstgemacht. 150 werden in der Küche im ersten Stock gefertigt und dann mit dem kleinen Lastenaufzug nach unten geschickt. Die meisten Frikadellen werden vorbestellt, wer zu spät kommt, muss auf Kotelett, Wurst oder Leberkäse ausweichen.

Zweifel kommen immer im Sommer

Ullrich hat den Laden im Jahr 2000 von seiner Stiefmutter Marita übernommen. Bis dahin war er im Vertrieb eines Paketzustellers tätig. Er wollte das traditionsreiche Lokal erhalten. Das Lokal, in dem schon Drafi Deutscher war, in dem in den 90ern die Polizisten aus dem Fernsehvierteiler „Der Schattenmann“ ihre Stammkneipe hatten und sich Heinz Hönig mit seinem Text abmühte.

„Zu 85 Prozent habe ich es nicht bereut“, sagt Ullrich. Zweifel kommen ihm immer nur im Sommer, wenn die Kneipe mit der Täfelung aus dunklem Holz aus den 60er Jahren nicht gerade überrannt wird. Doch jetzt beginnen wieder die geschäftigen Monate. Große Tradition hat bei vielen Gästen der Schoppen an Heiligabend oder Silvester. Auch von Donnerstag bis Samstag dürfte in der Alten Rothofstraße viel los sein, denn dann wird das 80-jährige Bestehen gefeiert. Stammgäste und Laufkundschaft dürfen sich auf vergünstigte Preise freuen. Laufkundschaft, gibt es so etwas in der Mutter Ernst? „Hier kommen immer mal wieder Franzosen und Spanier rein, weil wir in dortigen Reiseführern empfohlen werden“, sagt Ullrich.

Wie viele runde Jubiläen in dem Lokal noch gefeiert werden können, ist offen. Die Binding-Brauerei, der das Haus gehörte, hat es an einen Investor verkauft. Der Pachtvertrag ist jederzeit kündbar. Der 55-jährige Ullrich aber ist guten Mutes, noch ein paar Jahre dranhängen zu können: „Ich würde gern bis zur Rente weitermachen.“

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