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Das Warenhaus wird das Bild der Zeil bis mindestens Anfang 2025 weiterhin prägen.

Kommunalpolitik

Funkstille bei Facebook

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Obwohl die Rettung der Karstadt-Filiale in Frankfurt feststeht, halten sich Parteien jenseits der SPD mit Jubel betont zurück – liegt das am Wahlkampf?

Am Wochenende ist Bernd Reisig mal wieder deutlich geworden. Der Frankfurter Medienmanager mit Faible für die Sozialdemokratie im Allgemeinen und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Besonderen hat in den sozialen Medien nach Reaktionen auf die Karstadt-Rettung gesucht. Gefunden hat er wenig – zumindest von CDU und Grünen. Und das hat Reisig dann doch verärgert.

In einem viel diskutierten Post schrieb Reisig, dass sich „ganz Frankfurt“ über den Verbleib von Karstadt freue. Von den Spitzenpolitikern von CDU und Grünen, die sonst fleißig Texte auf Facebook und Twitter veröffentlichten, sei hingegen nichts zu lesen gewesen. „Liegt es einfach daran, dass der Sozialdemokrat Mike Josef maßgeblich für den Verbleib von Karstadt auf der Zeil verantwortlich ist?“, fragte Reisig süffisant.

In der Tat feiern in den sozialen Medien fast nur Sozialdemokraten die Rettung. So schrieb Peter Feldmann bereits am Freitagabend von „guten Nachrichten, nicht nur für die Beschäftigten, nicht nur für die Zeil und die Innenstadt — sondern für die ganze Stadt“. Seinen Beitrag beendete er mit den Worten: „Danke, Mike Josef.“

Derweil blendete Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) das Thema auf seinen Social-Media-Kanälen aus. Er veröffentlichte dafür Bilder von einer Zeppelinfahrt über Frankfurt und berichtete von einer Laufveranstaltung an der Messe. Für gewöhnlich kommentiert Frank derartige Entwicklungen zumindest mit den Worten: „Ein guter Tag für Frankfurt.“

Zur Wahrheit gehört aber auch: Dafür, dass ein Geschäft mit mehreren Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der wichtigsten Einkaufsstraße Frankfurts gerettet wurde, fielen die Reaktionen ohnehin sehr bescheiden aus. Bis zum Montagnachmittag erreichte die Redaktionen keine einzige Pressemitteilung zum Verbleib des Hauses. Nicht von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und auch nicht von Parteien – übrigens auch nicht von der SPD.

Grüne wehren sich

Dafür sorgte Reisigs Post vom Wochenende für Aufregung. Die Geschäftsführerin der Frankfurter Grünen, Daniela Cappelluti, beklagte sich über Reisigs Niveau. „Definieren wir jetzt politisches Engagement über die Anzahl von Facebook-Posts?“, schrieb sie. Der Manager antwortete, CDU und Grünen hätten vor einigen Wochen den Umzug von Teilen der Fashion Week nach Frankfurt „sozialmedial abgefeiert“ und sich „geradezu in Glückseligkeit überschlagen“. Obwohl nun Arbeitsplätze gerettet worden seien, „ist die Freude bei Euch kaum zu spüren“.

Der Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen, Bastian Bergerhoff, wollte das so nicht stehen lassen. Er freue sich über den Verbleib von Karstadt. An Reisig gerichtet schrieb er: „Ich frage mich, warum bei den Posts des Oberbürgermeisters oder von Dir hier immer die Parteipolitik im Vordergrund steht.“

Die Stimmung bei den Mitarbeitenden in der geretteten Karstadt-Filiale auf der Zeil in Frankfurt ist angespannt. Die Kundinnen und Kunden freuen sich über die Neuigkeiten.

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