Shoppingwahnsinn auf der Zeil, Uwe Brück verkauft Weihnachtsmützen. Sein Bauchladen ist schwer und lässt ihn ganz schön schwitzen.
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Shoppingwahnsinn auf der Zeil, Uwe Brück verkauft Weihnachtsmützen. Sein Bauchladen ist schwer und lässt ihn ganz schön schwitzen.

Zeil

Weihnachts-Shopping ist nichts für Feiglinge

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Wer zum Geschenke kaufen in die Frankfurter Innenstadt geht, braucht starke Nerven. Manchmal hilft ein "Resting Bitch Face".

Man wünscht sich, man wäre Super Mario, um über die Menschen hüpfen zu können und dabei Punkte einzukassieren. Denn Lektion 1 lautet: Keiner weicht einem beim Shoppen am vorletzten Samstag vor Weihnachten auf der Zeil aus.

„Man braucht ein Resting Bitch Face“, rät eine 17-jährige Shopperin. Das bedeutet, man muss so fies gelaunt schauen, wie es gern eine Victoria Beckham tut. Lektion 2: Man muss es mögen, Schlange zu stehen. Denn an den Bankautomaten wie an dem der Frankfurter Sparkasse an der Konstablerwache braucht man Geduld, um sein Geld ziehen zu können. Lektion 3: Und das ist die gute Nachricht. „Es ist nicht so viel schlimmer als an anderen Samstagen“, sagt eine Anfang 30-Jährige im Karstadt. Und „trotzdem ist das Shoppen auf der Zeil eine Woche vor Weihnachten nichts für Feiglinge“, wie ein Herr mit drei Tüten in der Hand sagt. Denn „Oh Scheiße, hier ist ja auch noch Weihnachtsmarkt“, fasst es eine Frau unweit der Hauptwache zusammen.

Das Gute ist, man muss niemanden dabei haben, der einem die Tüten trägt. Denn für zwei Euro kann man in einem extra für die Adventssamstage abgestellten VGF-Bus an der Hauptwache bis 21 Uhr seine Tüten abgeben. Die Bus-Abstellkammer ist ziemlich voll. „Viele geben hier auch ihren Kinderwagen oder Koffer ab und sind erleichtert, dass sie damit nicht über die Zeil müssen“, erzählt VGF-Mitarbeiterin Maria Lanzarone. Sie sagt weiter: „Eine Frau und ihre Tochter haben heute schon ihre vierte Tüte abgegeben – und sie wollen noch mal mit mehr Tüten wiederkommen.“

Die kompletten Einnahmen spendet die VGF an den Frankfurter Verein zur Unterstützung von psychisch kranken Kindern. Nicht stehen bleiben sollte man im Erdgeschoss des Kaufhofs. Denn hier gibt es nur eine Mission: laufen und kaufen. Richtig fleißig war dabei ein Ehepaar aus dem bayrischen Erlenbach. In einer Riesentüte, die der Mann der Familie bewacht, während sie nach Lidschatten schaut, sind zehn kleine Tüten. „Wir sind seit 10 Uhr morgens unterwegs und waren bereits in sechs Geschäften. Aber uns fehlt noch die Hälfte an Geschenken. Wir haben eine sehr große Familie“, sagt der Mann. Es ist 15 Uhr. Ansonsten hält sich die Tütenanzahl an den Armen, die man auf der Zeil sieht, meist in Grenzen. Außer bei Primark, da stehen viele Frauen, wie aber auch an anderen Samstagen mit fünf, sechs Papiertüten voller Kleider.

Weihnachtsmann-Mützen-Bauchladen

Schwitzend steht Uwe Brück mit seinem sehr sperrigen Weihnachtsmann-Mützen-Bauchladen auf der Zeil. „Mein Bauchladen wiegt einige Kilo, aber abstellen darf ich ihn nicht, sonst muss ich ans Ordnungsamt eine Strafe zahlen. Da sind sie extrem streng.“ In den letzten Stunden hat er 50 Mützen verkauft. „Es läuft ganz gut.“ Auf den Rolltreppen im Einkaufszentrum My Zeil braucht man Geduld, die Leute stehen nebeneinander. Schnelles Hochkommen geht nur, wenn man die Treppen nimmt.

Erstaunlich viele Leute für das Musik- und Film-Download-Zeitalter sammeln sich in der CD- und DVD-Abteilung von Saturn ganz oben. „Besonders beliebt ist die Helene-Fischer-Weihnachts-CD, obwohl die schon älter ist. Aber auch die Weihnachts-CD von Michael Bublé geht immer noch gut“, erzählt ein Mitarbeiter. Und klar verkauften sie viele Spiele für die X-Box oder Playstation. Das verwundert auch nicht. Aber Folgendes schon: Denn besonders beliebt seien die DVDs von „Kevin allein zu Haus“ (1990) und ja, „Der kleine Lord“ (1980).

Die Filme, die doch sowieso an Weihnachten im Fernsehen laufen. „Den kleinen Lord gibt es erst seit letztem Jahr auf DVD“, erzählt der Saturn-Mitarbeiter. Sein Kollege Mustafa Karacaer sagt, dass der Samstag vom Stresslevel her okay sei: „Am Black Friday war mehr los als heute. Amerikanische Verhältnisse.“ Apropos amerikanische Verhältnisse: Im My Zeil oder im Samsung-Galaxy-Laden können sich Kinder mit dem Weihnachtsmann fotografieren lassen.

Dass das Geschenke shoppen nicht immer so stimmungsaufhellend ist, merkt man auf der Zeil. „Du hast mich doch zuerst angezickt“, sagt eine Frau zu ihrer Freundin. Eine Frau ruft ihren Freund im Militärton zu: „Du bleibst bei Hugendubel und da hole ich dich dann auch gleich wieder ab.“

Aber nicht alle kaufen für andere: „Ich habe mir schon mal ein Pailletten-Outfit für Silvester gekauft“, sagt eine Kundin an der langen Schlange bei Zara. Bei H&M neben dem Gibson Club ist weder eine lange Schlange an der Kasse noch an der Umkleide. Richtiges Gewusel gibt es hingegen bei Douglas. Parfüm und Lippenstift gehen wohl immer.

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