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Für Karstadt auf der Zeil dürften die Chancen nicht schlecht stehen.

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Platz für zwei Kaufhäuser auf der Zeil

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Auch nach der geplanten Fusion von Kaufhof und Karstadt gibt es nach Ansicht von Experten Platz für Kaufhof und Karstadt auf der Frankfurter Zeil. Für andere Standorte in der Region äußern sie sich skeptischer.

Die Fusion der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt muss nach Einschätzung des Handelsverbands und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht zur Schließung von Standorten im Rhein-Main-Gebiet führen. Makler sehen die Situation dagegen skeptischer.

Allgemein noch am sichersten scheint die Zukunft der beiden Warenhäuser an der Frankfurter Zeil zu sein, der nach Zahlen des Maklerhauses JLL frequenzstärksten Einkaufsmeile Deutschlands. „Die Zeil hat das Potenzial, zwei Warenhäuser dieser Art zu tragen, sofern diese ausreichend differenzierte Angebote für die Kunden entwickeln“, sagt Joachim Stoll, der Vorsitzende der Frankfurter Einzelhändler. Kaufhof und Karstadt auf der Zeil sprächen schon bisher ein anderes Publikum an, Karstadt habe ein mittelpreisiges Angebot, Kaufhof richte sich an eine internationalere Kundschaft.

Flächen im Geschäftshaus an der Zeil auf Kaufhof zugeschnitten

Ohnehin stehe hinter der Fusion nach seiner Einschätzung nicht die Absicht, viele Warenhäuser zu schließen, sondern Kosten für Verwaltung und Marketing zu sparen und günstiger einkaufen zu können, sagt Stoll im Gespräch mit der FR. Dass „tiefrote“, also defizitäre Standorte geschlossen werden, sei aber natürlich nicht auszuschließen.

Gerüchte, nach denen der Frankfurter Kaufhof seine geplante Erweiterungsfläche im Nachbargebäude Upper Zeil nun doch nicht nutzen will, hält Stoll für falsch. Tatsächlich spricht auch die Fusion dafür, dass es bei der Erweiterung bleibt. Das Geschäftshaus an der Zeil, das bald fertig werden dürfte, gehört schließlich der österreichischen Signa-Gruppe, der nach mehreren Anläufen der Zusammenschluss ihrer Karstadt-Häuser mit denen des Konkurrenzen Kaufhof gelungen ist. Die Flächen im neuen Geschäftshaus an der Zeil sind zudem eigens auf Kaufhof zugeschnitten. Das noch zu ändern, wäre teuer.

Stoll rechnet auch nicht mit einer Schließung des vom Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company betriebenen Designer-Outlets Saks Off 5th an der Frankfurter Hauptwache. „Das Konzept werden sie nicht so schnell aufgeben“, vermutet der Einzelhandelsvorsitzende.

Verunsicherung bei Kaufhof und Karstadt seit Jahren groß

Aniko Korsos vom Maklerhaus JLL kann sich dagegen durchaus vorstellen, dass es auch im Rhein-Main-Gebiet zu Standortschließungen kommen könnte. In Wiesbaden und Darmstadt etwa brauche man eigentlich nicht zwei Warenhäuser, sagt die Einzelhandelsexpertin. Auf der Frankfurter Zeil gebe es dagegen das Potenzial für Kaufhof und Karstadt. Beide liefen recht gut, sagt Korsos.

Unter den Beschäftigten der Warenhäuser ist die Stimmung angespannt, wie Bernhard Schiederig von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi berichtet. „Keiner weiß, wie es weitergeht.“ Die Verunsicherung sei bei Karstadt und bei Kaufhof allerdings bereits seit Jahren groß, sagt der Fachbereichsleiter Handel im Gespräch mit der FR.

Der Gewerkschafter fordert nun kreative Ideen zur Entwicklung eines Geschäftsmodells für die Warenhäuser mit dem Ziel, dass alle Filialen und deren Beschäftigte eine sichere Zukunft haben. Die Warenhäuser müssten sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, den Kunden eine gute Beratung und Service bieten, sagt er. Zu lange hätten diese ausgerechnet daran gespart. Zudem gelte es, den stationären Handel und den Online-Handel stärker zu verzahnen.

Standorte zu schließen und Personal abzubauen, hieße nach Ansicht Schiederigs dagegen, den Ast abzusägen, auf dem man sitze. Zumal zumindest die Warenhäuser in den größeren Städten kein größeres wirtschaftliches Problem hätten. Kaufhof und Karstadt auf der Zeil etwa agierten erfolgreich. „Wieso sollte sich das wegen der Fusion ändern?“, fragt der Gewerkschafter.

Die hessische Linke unterstützt die Forderung von Verdi nach einer Standort- und Beschäftigungsgarantie für Kaufhof und Karstadt. Die Fusion der beiden Warenhausketten dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, sagt Landesvorsitzende Heidemarie Scheuch-Paschkewitz.

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