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Beim Bratwurstbraten kann einem auch warm werden.

Wetter in Frankfurt

„Is‘ halt Winter“

Frankfurt bleibt trotz der Kälte nicht stehen. Bei den Minustemperaturen haben viele ihre ganz eigenen Überlebensstrategien. In den Kaufhäusern gehen Mützen und Handschuhe gut.

Von Johanna Heß und Alexander Friedrich

Die Kälte hat Frankfurt fest im Griff. Wer vor die Tür geht, rüstet sich wahrscheinlich wie für den nächsten Skiurlaub, auch wenn das Thermometer gegen Mittag schon wieder knapp über null Grad zeigt. Die gefühlte Temperatur ist noch viel unangenehmer.

Auf dem Markt an der Konstablerwache sind am Donnerstagmorgen deutlich weniger Besucher als sonst. Die Kälte ist hier nicht zu verleugnen, und schon nach wenigen Minuten Schlendern ist man komplett durchgefroren. Die Leute, die da sind, beeilen sich, ihre Einkäufe zu erledigen. Sie wollen schnell wieder aus der Kälte und zurück ins Warme kommen.

Nur wenige Frischluftfanatiker verweilen. Sie stehen an den Glühwein- und Bratwurstständen und sind dick eingepackt: Bis zum Kinn haben sie ihre Schals gewickelt, und die Mützen tief ins Gesicht gezogen. Einige Passanten wärmen ihre kalten Hände an einem heißen Apfelwein „to go“ ...

An Tante Muhs Milchbar, die auch Eis anbietet, wendet sich eine Frau mit der Aussage „Gott, ist das kalt hier!“ an die anderen Wartenden. Die nicken zustimmend. Ein Stand, der sich auf Eis spezialisiert, auf einem Markt im kalten Januar, das scheint erst einmal kein erfolgversprechendes Konzept zu sein. Marcel Heinrich (23) allerdings, der für die Milchbar hinter der Theke steht, sieht zumindest die Frage um die Produktpalette gelassen. „Wir verkaufen dann heiße Himbeeren zum Eis. Wir haben gemerkt: das kommt auch im Winter an.“ Nur selbst kann er das Wetter nicht ganz so gut leiden. Auf die Frage, wie man denn die Arbeit bei diesen Temperaturen aushalte, antwortet er ehrlich: „Bei diesem Wetter macht das keinen Spaß!“

Etwas weiter steht Manfred Birx (62) und verkauft Bratwürste. Er sieht das Wetter ganz gelassen: „Man ist das gewöhnt – im Sommer schwitzt man, im Winter friert man.“ Er ist gut vorbereitet, nicht nur der Grill wärmt ihn, sondern auch ein Gasbrenner. „Solange es nicht nass ist, ist es okay“, sagt er. Doch selbst für nasse Tage ist er ausgestattet – mit einer Gummimatte gegen die Feuchte von unten.

Aber auch er erzählt, dass wegen der Kälte weniger Besucher kommen. „Deswegen sind auch gar nicht so viele Händler hier. Die verdienen im Sommer ihr Geld und machen im Winter Urlaub.“ Schnell ins Gemüsezelt, da ist es wärmer. Es darf hier nicht zu kalt sein, erklärt Bauer Bernd Rück (54) aus Oberdorfelden, das Gemüse soll nicht erfrieren. Ganz ohne Blessuren geht es aber nie. Deswegen sorgt er dafür, dass er immer genug Gas und Öfen dabei hat. „Das Equipment muss stimmen!“ Im Zelt scheinen die Leute für eine Weile aufzuatmen, zumindest bis sie ihr Gemüse ausgesucht und gekauft haben. Dann geht es schweren Herzens wieder raus in die Kälte.

Ganz am Ende des Markts steht Honigverkäufer Stefan (27). Er ist nicht so gut vorbereitet wie Bernd Rück, sein Gasofen ist vor wenigen Minuten ausgegangen. Allerdings hat sein Chef an ihn gedacht – der Honigverkäufer trägt Sohlenwärmer, die ihm bis zu acht Stunden Wärme spenden. „Warme Füße sind schon viel wert“, sagt er. Außerdem hat er sich Tee mitgebracht.

Die bisher tiefsten Temperaturen des jetzigen Kälteeinbruchs wurden laut Deutschem Wetterdienst in der Nacht zu Donnerstag gemessen. In Frankfurt waren das ein Tiefstwert von minus 5,8 Grad, in Offenbach waren es sogar minus 8,2 Grad. Dabei ist es in der Stadt noch wärmer als in den Dörfern, wo die Temperaturen ortsweise auf beinahe minus 10 Grad fielen. Diese Temperaturen halten wohl auch noch bis Dienstag oder Mittwoch an. Selbst danach ist eine Umstellung des Wetters noch nicht sicher. Es hänge davon ab, ob und wann sich Nebel bildet, so der Wetterdienst.

Bei Karstadt kann man sich ein bisschen aufwärmen. Eine Verkäuferin sagt, die von Kunden derzeit am häufigsten gestellte Frage sei: „Wo sind denn die Mützen und Handschuhe?“

Fünf Pullis, eine Jacke

Auf der Zeil stehen junge Leute, die für den WWF werben. Sie werden dort heute zehn Stunden lang stehen, erzählt Patrick (19). Um die Kälte auszuhalten trägt er Zwiebellook: „Fünf Pullis, eine Jacke, eine Jogginghose unter der Jeans und zwei Paar Socken“.

Aber er wirkt von seiner Arbeit begeistert. Voller Elan erzählt er von den Tigern, die vom Aussterben bedroht sind – auch wenn das Wetter eher Assoziationen mit Eisbären weckt.

Weiter geht es, ab ans Wasser. Die Sonnenstrahlen reflektieren auf der trüben Mainoberfläche, der Himmel ist bis auf einzelne Kondensstreifen wolkenlos und ein leichter Wind weht am Rande des Flusses. Ungeachtet der eisigen Temperaturen begegnet man am Ufer vielen Joggern, Touristen und vereinzelt ein paar mutigen Fahrradfahrern, die keine Glätte scheuen.

Unter ihnen ist auch eine 81-jährige Radlerin, die unterwegs ist, Bekannte zu besuchen. Ausgestattet mit Helm, dicken Handschuhen und einer Winterjacke, freut sie sich über das sonnige Wetter. Dennoch gibt sie zu, dass es ihr „etwas zu kalt“ sei. „Ich bin eher ein Sommermensch“, sagt sie und lacht.

Über dem Main fliegen vereinzelt Möwen, Enten und Tauben. Zudem treiben, was in Frankfurt doch seltener vorkommt, kleine Eisschollen auf dem Wasser.

Auf dem Weg zurück, an der S-Bahn-Halte, stehen Menschen in ihren dicken Jacken und starren blinzelnd in die Sonne. Die wärmt, wenn überhaupt, nur ein bisschen, auch wenn sich manch ein Wartender anderes erhofft. Da können sich die Minuten bis zur nächsten Bahn ganz schön in die Länge ziehen.

„Durch den Busfahrerstreik ist es noch unangenehmer“, sagt Bonanno Concetto (22). Er muss jetzt nach seiner Fahrt mit der S-Bahn noch ein ganzes Stück nach Hause laufen.

Andere Wartende sehen das kalte Wetter gelassen. „Is’ halt Winter“, sagt Jürgen Weber (47) mit einem Schulterzucken. Da hat er auch wieder recht.

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