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Voll, voller, Zeil.

Weihnachten in Frankfurt

Eilig Abend auf der Zeil

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Weihnachten in Frankfurt: Eindrücke vom Last-Minute-Einkaufsrummel.

Der größte Fehler, den man an diesem Samstagabend im Bücherkaufhaus Hugendubel auf der Zeil machen kann, ist beiseitezutreten. Wer einen Menschen vorbeilassen möchte, erkennt bald, dass seine Gutmütigkeit schamlos ausgenutzt wird. Eine lange Schlange von Einkäufern, manche schwer beladen, andere stoisch Ausschau haltend, schiebt sich an einem vorbei. Wiedereinfädeln unmöglich. Man muss seine Lücke suchen – und dann durch. Doch das kann dauern.

Samstagabend vor Heiligabend. Die letzte Möglichkeit, dem alljährlich wiederkehrenden vormittäglichen Ansturm auf die Geschäfte am 24. Dezember zu entgehen. Nicht ganz last minute, aber fast. Zumindest die letzte Gelegenheit für langes Shoppen bis in den Abend hinein. Wieder einmal zieht es Zehntausende auf die Zeil. Alle Welt redet vom Online-Handel. Doch der hessische Handelsverband konstatiert einen anhaltenden Trend „wieder mehr stationär“ einzukaufen. Wer sich am eiligen Samstagabend vor dem Fest auf der Zeil umsieht, ist schnell geneigt, dem Handelsverband zu glauben.

„Für uns ist das immer so“, sagt eine Frankfurter DiplomBankkauffrau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. In einer Ellenbeuge hält sie zwei kleinere Gesellschaftsspiele und eine CD, während sie die Auslage an der Wand des halbrunden Treppenabgangs betrachtet. „Immer auf die letzte Minute.“ In diesem Jahr aber hat sie es geschafft, rechtzeitig alle Geschenke für die Familie zu kaufen. Nur die kleineren Geschenke für die Nachbarn, die fehlen noch. Gestresst sei sie trotz des Andrangs nicht. „Irgendwie gehört das dazu.“

Wer ein wenig aus dem Trubel heraustritt, bemerkt schnell, dass es bei Hugendubel voll ist. Chaos aber herrscht nicht. Alle Kassen sind besetzt. Die Leute warten diszipliniert, wie Briten beim Buseinstieg. „Alles was an Personal da ist, haben wir im Einsatz“, sagt Filialleiterin Barbara Hammes, „und noch einige Weihnachtsengel.“ Wie umsatzstark genau dieser Samstagabend ist, verrät sie nicht. Solche Auskünfte gibt nur die Konzernzentrale. „Aber das Weihnachtsgeschäft ist für uns in etwa so wichtig wie für einen Gastronomen die Sommerterrasse.“

Einkäufer noch lange nach Anbruch der Dunkelheit unterwegs

Im Hugendubel löst sich das vermeintlich chaotische Gedränge auf, sobald man es von außen betrachtet. Für den Trubel auf der Zeil gilt das Gegenteil. Von außen wirken die Menschenmassen an diesem Samstagabend wie eine kompakte Wand, die sich, eingezwängt zwischen Kaufhäusern und den Buden des Weihnachtsmarktes, auf die Hauptwache zuschiebt. Geht man auf sie zu, löst sich der Block auf. Man muss nur ein wenig aufpassen, dass man niemandem auf die Füße tritt – aber wann muss man das auf der Zeil schon mal nicht? Man muss es an diesem Samstag nur eben etwas länger als sonst. Denn die Einkäufer sind noch lange nach Anbruch der Dunkelheit unterwegs.

„Wenn man nicht weiß, was man für wen haben will, wird es stressig“, sagt Lena, die mit ihrem Freund Dominik gerade aus dem Lego Store im Einkaufszentrum My Zeil tritt, während drinnen ein paar Mitarbeiter die Regale nachfüllen. Zwei Bausätze hat sie in der Hand. „Für zwei Kinder aus der Familie“, erklärt sie. Nein, auch sie ist nicht gestresst. Niemand, den man an diesem Abend fragt, ist gestresst. Das Wunder von Eilig Abend. Alle hetzen durch die Innenstadt, aber niemand muss sich aufregen.

Am Aufgang zur Rolltreppe im Karstadt scheint man sich etwas in der Jahreszeit vertan zu haben. Zwei Tage vor Weihnachten gibt es dort Kreppel in diversen Variationen im Angebot. Doch wer Kulinarisches sucht, ist eh im Untergeschoss besser bedient, wo ein Supermarkt untergebracht ist.

„Der Tag war gut“, sagt ein Angestellter im Supermarkt, „besser als erwartet bei diesem T-Shirt-Wetter.“ Doch der große Ansturm, der komme noch. Montagvormittag, das wäre bei ihnen die Hauptkampfzeit. Bis dahin sei er ganz und gar entspannt. „Ist doch ganz klar, wenn die Zeil voll ist, dann ist es auch bei uns voll. So ist es immer“, sagt er.

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