Gibt es doch noch eine Zukunft für die Karstadt-Filiale auf der Zeil?  
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Gibt es doch noch eine Zukunft für die Karstadt-Filiale auf der Zeil?  

Einzelhandel

Karstadt-Mitarbeiter in Frankfurt hoffen noch

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Eine endgültige Entscheidung über die Schließung der Filiale auf der Frankfurter Zeil ist noch nicht gefallen.

Für die vielen Mitarbeiter der Karstadt-Filiale auf der Zeil ist die Ungewissheit unerträglich. Obwohl schon vor rund vier Wochen das Aus für das große Kaufhaus verkündet wurde, haben die Beschäftigten die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Auch die Gewerkschaft Verdi lässt nichts unversucht, um die 240 Arbeitsplätze zu erhalten. Etwa 60 Mitarbeiter protestierten am Montag spontan auf der Zeil für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. „Wir haben gute Hoffnungen und gute Argumente, denn vor Corona wurden auf der Zeil schwarze Zahlen geschrieben“, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Horst Gobrecht.

Mitte Juni hieß es, 62 Filialen der Kaufhaus-Kette Galeria Karstadt-Kaufhof sollten schließen, darunter auch die Kaufhof-Häuser im Hessen-Center in Bergen-Enkheim, im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach und eben die Karstadt-Filiale auf der Zeil. Nach langwierigen Nachverhandlung wurden bundesweit sechs Filialen für gerettet erklärt, die Zahl der Schließungen sank damit auf 56. „Noch am Freitag ist der Gesamtbetriebsrat davon ausgegangen, dass diese Zahl endgültig ist“, sagt Gobrecht.

Dann zitierte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ am Wochenende den Sachwalter Frank Kebekus, wonach dieser hoffe, es müssten weniger als 50 Filialen geschlossen werden. Der „Spiegel“ spekulierte, möglicherweise werde auch die Filiale auf der Zeil verschont. Bei den Mitarbeitern keimt wieder Hoffnung auf, doch sie haben jetzt noch ein ganz anderes Problem: Sie sollen bis Freitag ihre Zustimmung für eine Übernahme in die Transfergesellschaft unterschreiben, obwohl die Gesellschaft wohl erst zum 1. November startet. Eine rechtsverbindliche Klausel, wonach die Vereinbarung ungültig ist, falls die Filiale doch noch gerettet wird, fehlt Gobrecht zufolge aber in der Vereinbarung.

Gewerkschaft  geht in die Offensive

Die Gewerkschaft ging daraufhin am Sonntag in die Offensive: „Soll künstlicher Zeitdruck die Beschäftigten kirre machen?“, fragte sie in einer Mitteilung, in der Proteste für Montag angekündigt wurden. Die Gewerkschaft fordert, die Wechselfrist für die Transfergesellschaft zu verlängern.

Immer wieder war die Rede davon, dass für einen Fortbestand der Kaufhäuser die Mieten sinken müssten. Die Sahle-Wohnen GmbH als Vermieter von Karstadt-Zeil hatte mitgeteilt, Zugeständnisse von mehr als einer Million Euro jährlich gemacht zu haben. Doch den Verhandlungen half das wohl nicht entscheidend auf die Sprünge.

Sahle-Wohnen besserte sein Angebot Anfang des Monats noch mal geringfügig nach. „Seitdem haben wir von Karstadt nichts mehr gehört“, berichtete eine Unternehmenssprecherin am Montag auf FR-Anfrage. Da Karstadt schon seit April keine Miete mehr gezahlt habe, müsste der Konzern das Gebäude rein rechtlich schon zum 1. Juli geräumt haben, betonte die Sprecherin.

Verhandlungen darüber, ob möglicherweise weitere Filialen von der Schließung verschont werden, liefen am Montag in Essen. Bis zum frühen Abend gab es von dort aber keine Signale über eine mögliche Einigung. Die Beschäftigten von Karstadt auf der Zeil müssen also noch weiter bangen.

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