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Das einstige Premiumhaus an der Zeil soll voraussichtlich Ende Oktober geschlossen werden.
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Das einstige Premiumhaus an der Zeil soll voraussichtlich Ende Oktober geschlossen werden.

Einzelhandel

Karstadt Frankfurt zwischen Hoffen und Bangen

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Der Vermieter auf der Frankfurter Zeil bietet Betriebsrat Gespräche an. Dem Gebäude droht der Abriss.

Norbert Sachs hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Der Betriebsratsvorsitzende von Karstadt auf der Frankfurter Zeil hat derzeit zunächst einmal alle Hände voll zu tun, die vielen Anfragen der besorgten Kollegen nach der angekündigten Schließung des Hauses zu beantworten. „Wir haben nicht damit gerechnet“, gesteht Sachs, der seit 43 Jahren im Betrieb ist.

Er hat alle Höhen und vor allem die Tiefen der vergangenen Jahre mitgemacht, aber am vergangenen Freitag war er wirklich geschockt. Denn in den Verhandlungen mit der Konzernspitze in Köln bekam er keine Informationen, ob Karstadt auf der Zeil den Schließungen zum Opfer fallen würde. Das habe er erst am Freitag in einer Telefonkonferenz erfahren. „Das ist schon unmenschlich“, empört sich Sachs.

Auch über die Gründe, warum es das einstige Premiumhaus erwischt hat, herrscht Unklarheit. In den vielen Gesprächen, die Sachs mit Kollegen anderer Standorte geführt hat, gab es zwei verschiedene Begründungen.

Einmal heißt es, Karstadt sei in der Konkurrenz zu Kaufhof an der Hauptwache dem besseren Standort und der besseren Ausstattung zum Opfer gefallen. Fest steht, dass Karstadt auf der Zeil nach derzeitigem Verhandlungsstand zum 31. Oktober 2020 schließen soll. Nur bei Solitärfilialen, also solchen, die trotz fehlender Konkurrenz eines eigenen Hauses auf der Streichliste stehen, will die Konzernleitung das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen.

Das spricht dafür, dass die Sanierer vor allem Doppelstandorte ins Visier genommen haben.

Andere Stimmen behaupten, die Grundstückseigentümer auf der Zeil hätten sich in den Verhandlungen um Mietkürzungen besonders hartleibig gezeigt. Kompliziert wird es auch, weil das verwinkelte Kaufhaus im Laufe der Jahrzehnte die Fläche von drei verschiedenen Eigentümern angemietet hat.

Es gibt einen Schlauch hinten in Richtung ehemaliger Post und das Parkhaus. Der überwiegende Teil der Fläche, die Adresse Zeil 90, gehört den Gebrüdern Albert und Uwe Sahle, die im Münsterland das Unternehmen Sahle-Wohnen führen. Auf Anfrage der FR heißt es dort, das Unternehmen sei von dem Rückzug ebenfalls überrascht worden. Bei der letzten Karstadt-Krise sei das Haus noch als unverzichtbar eingestuft worden.

Sahle habe bei den jetzigen Mietverhandlungen Zugeständnisse gemacht, die in der Summe Einsparungen von mehr als einer Million Euro brutto jährlich ausgemacht hätten, sagte Unternehmenssprecherin Sybille Jeschonek. Gleichzeitig bot das Unternehmen dem Betriebsrat ein Gespräch mit der Geschäftsführung von Sahle an, um keine „Sagen“ entstehen zu lassen. Miete indes habe Karstadt für das Objekt auf der Zeil schon seit April 2020 nicht mehr gezahlt.

Joachim Stoll, der Vorsitzende des Frankfurter Einzelhandelsverbands, sieht indes schwere Zeiten auf seine Branche zukommen. Jedes Kaufhaus habe einen festen Kundenstamm von ein paar Tausend Menschen. „Ein Grund, in die Innenstadt zu kommen, fällt jetzt für ein paar Tausend Menschen weg.“

Stoll hat auch wenig Hoffnung, dass es an dem Karstadt-Standort wieder ein Kaufhaus geben wird. „Es gibt keine alternativen Kaufhäuser mehr, eine ähnliche Verwendung über mehrere Etagen halte ich für nicht machbar.“ Es sei auch Aufgabe der Eigentümer, neue Ideen zu entwickeln.

Sahle-Wohnen gibt zu bedenken, dass der Bebauungsplan dort derzeit nur eine gewerbliche Nutzung zulasse. „Wir gehen daher von einer weiteren Einzelhandelsnutzung zumindest in den unteren Etagen aus“, so Jeschonek. Kombiniert werden könnte das mit anderen Gewerbenutzungen darüber.

Voraussichtlich werde eine veränderte Nutzung aber den Abriss und einen Neubau erfordern, da das Gebäude den Anforderungen potenzieller Nachnutzer nicht gerecht werden dürfte.

„Unsere Architekturabteilung befasst sich derzeit unter Hochdruck mit der baurechtlichen Klärung und wir schauen uns zugleich nach möglichen Ankermietern um, mit denen wir das Projekt gemeinsam entwickeln können.“ Das Unternehmen hofft, „dass die Stadt Frankfurt konstruktiv mitwirkt, damit sich Planung und baurechtliches Genehmigungsverfahren nicht unnötig in die Länge ziehen“.

Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank sicherte zu, die Stadt werde sich dafür engagieren, „dass die Fläche wieder für den Einzelhandel genutzt werden kann“.

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