Interview

Aus für Karstadt: „Die Flächen lassen sich gut beleben“

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Maklerin Aniko Korsos spricht im FR-Interview über Chancen für die Zeil, die überschätzte Bedeutung der Warenhäuser und Wege, langen Leerstand zu vermeiden.

Frau Korsos, Galeria Karstadt Kaufhof will die Kaufhof-Filialen im Hessencenter und die Karstadt-Häuser im Main-Taunus-Zentrum und auf der Zeil schließen. Hat Sie das überrascht?

Das Aus für Karstadt im Main-Taunus-Zentrum hat mich schon ein bisschen überrascht. Denn das ist ein sehr starkes Center. Das Hessencenter kenne ich nicht genug, um das beurteilen zu können.

Und die Schließung des Karstadt-Hauses auf der Zeil? Lange hieß es, die Frankfurter Einkaufsmeile sei so frequenz- und umsatzstark, dass dort auch zwei Warenhäuser überleben könnten.

Davon bin auch ich lange ausgegangen. Aber klar war auch immer: Wenn eines der Warenhäuser schließt, dann Karstadt. Der Kaufhof ist deutlich stärker. Er hat die bessere Lage und das bessere Sortiment. Bei Karstadt ist in den vergangenen Jahren wenig passiert.

Aniko Korsos (38) ist Expertin für die Vermietung von Einzelhandelsflächen beim Maklerhaus JLL in Frankfurt.

Was heißt das Aus von Karstadt für die Zeil?

Es kommt erst einmal überproportional viel Verkaufsfläche auf den Markt. Die Flächen lassen sich aber gut beleben, da der Karstadt trotz allem noch in der Haupteinkaufslage liegt. Am Ende kann es sein, dass ein neuer Mieter sogar mehr Kunden anzieht als Karstadt.

Die Warenhäuser gelten doch als wichtige Frequenzbringer für die Innenstadt.

Das wird vielleicht überschätzt. Ich glaube, nur wenige sind extra nach Frankfurt gefahren, um bei Karstadt einkaufen zu gehen.

Wer kommt als Mieter für die riesigen Flächen, die Karstadt zum Beispiel auf der Zeil hatte, infrage?

Es wird wahrscheinlich niemanden geben, der die Flächen in Gänze wieder mietet. Aus meiner Sicht ist es essenziell, jede Etage hinsichtlich ihrer Nutzungsart zu prüfen und das Gebäude neu zu entwickeln.

Was heißt das? Abriss und Neubau?

Aus Kostengründen wäre ein Umbau des Bestandsgebäudes die sinnvollste Lösung.

Durch die Schließung der Warenhäuser und von Karstadt Sports, etwa an der Hauptwache in Frankfurt, werden sehr große Flächen auf den Markt kommen. Droht dann ein jahrelanger Leerstand?

Der droht, wenn sich die Eigentümer nicht bewegen, sondern einfach warten wollen, bis ein neues Sportkaufhaus kommt oder ein neues Warenhaus. Wenn sie aber offen sind für neue Konzepte, sollten sich die Flächen gerade in der Frankfurter Innenstadt gut neu vermieten lassen. Beim Main-Taunus-Center ist es etwas anders, weil anders als an der Zeil eine Alternativnutzung der Obergeschosse schwieriger ist. Vielleicht wird man dort sogar daran denken, das Obergeschoss des bisherigen Warenhauses abzutragen.

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