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Rassismus im Karneval

Karneval in Frankfurt: Von Eskimos und Indianern

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Welche Sprache sprechen Kostüme und Lieder beim Kinderumzug auf dem Frankfurter Karneval?

Auf der Hauptwache versammeln sich am Samstagmittag Kinder zum Karnevalsumzug, der über die Zeil zum Römerberg führt. Prinzessinnen, Spidermen, Schmetterlinge, Tiger, Indianer, ein Nasa-Pilot und ein Star-Wars-Kopfgeldjäger halten die Hände ihrer Eltern.

Aus einem Lautsprecher schallt der „Eskimo-Tanz“ von Axel Fischer. „Wenn Eskimos tanzen, / ist ihnen nicht kalt. / Sie wärmen ihr Herz, / Sie verlieren die Zeit, / Und weil dieses Lied ein jeder singt, / Eskimos tanzen, bis der Sommer beginnt.“

Eskimos, Prinzessinnen, Indianer? Was ist korrekt, was ist politisch unkorrekt bei dem Kinderumzug beim Frankfurter Karneval? Eskimo ist ein Begriff, der von Außenstehenden für die indigenen Völker der Polarregionen verwandt wurde. Diese lehnen ihn teilweise ab, etwa weil sie ihn als herabsetzend empfinden. Sie wollen lieber mit dem Wort für ihre jeweilige Volksgruppe bezeichnet werden, sei es Inuit, Inupiat oder Yupik. Von Eskimos zu singen heißt, das Selbstbild dieser Menschen zu missachten. Wie würden Deutsche sich fühlen, wenn sie im Ausland durchgehend als „Krauts“ bezeichnet würden?

Mädchen als Prinzessinnen zu verkleiden, kann stereotype Rollenbilder reproduzieren. Und zwar dann, wenn Mädchen gleichzeitig dazu erzogen werden, devot und zurückhaltend zu sein, während sie „schön“ für andere zu sein haben. Prinzessin zu sein, kann aber auch ein Ausdruck sein von Empowerment, von Durchsetzungsfähigkeit und Kraft.

Und Indianer? Eine Kita in Erfurt hat in diesem Jahr entschieden, keine Indianerkostüme beim Kinderkarneval zuzulassen, aus Rücksicht auf die indigenen Völker der beiden Amerikas, die sich mit diesem undifferenzierten kolonialistischen Sammelbegriff nicht bezeichnen lassen wollen. Eltern sollten ihren Kindern den Kontext zu erklären, dann spielen diese auch gerne Apache oder Sioux – auf Deutsch ausgesprochen Siuks, auf Französisch Sjuu.

Gleichzeitig gilt, was die Lehrerin Birgit Schmidt in der „taz“ schrieb. „Kinder entscheiden sich bei Kostümen oft nur nach einem Kriterium: Bewunderung.“ Wenn ein Kind Indianer sein will, dann weil es sich mit dem Indianersein identifiziert, den Indianer als Helden begreift, den es nachahmen will. Es schließt einen Menschen aus einer anderen Kultur in sein Herz. Das ist etwas, was unsere Gesellschaft gerade dringend braucht.

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