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Oliver Lang, hier hinter seinem Wohnhaus in Bornheim. kämpft für den Erhalt der Kleingärten in Wohnungsnähe.

Kleingärten

"Irgendwo muss das Grün bleiben"

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Oliver Lang über Oasen in der Stadt, den Kampf um Flächen und die Zukunft der Kleingärten.

Herr Lang, wie beobachten Sie als Kleingärtner die Diskussion über mögliche neue Flächen für Wohnungen in Frankfurt?
Mit gemischten Gefühlen. Es besteht die Gefahr, dass Kleingartenfläche verloren geht und Ersatz an anderer, nicht gut geeigneter Stelle entsteht.

Wie konkret sind Ihre Befürchtungen?
Aktuell bedroht sind Kleingärten etwa im sogenannten Innovationsquartier, am Rebstockgelände und beispielsweise auch in Dreieich. Dort könnten Kleingärten verschwinden, wenn es so kommt, wie es sich die Architekten vorstellen. Fast in Vergessenheit geraten ist der Kleingartenverein Kleeacker in Fechenheim. Dort soll eine Verbindungsstraße gebaut werden. Aber es kann nicht sein, dass dafür Kleingartengelände geopfert wird.

Gewerbeflächen werden umgewandelt, Äcker bebaut. Ist es angesichts des großen Wohnungsmangels nicht verständlich, dass auch die Bebauung von Kleingärten kein Tabu ist?
Die Begehrlichkeiten sind teilweise nachvollziehbar. Man muss aber auch die Bedürfnisse der Bevölkerung ernst nehmen.

Was hat die Allgemeinheit davon, wenn Sie Gemüse ziehen oder sich in die Sonne legen?
Das mit dem In-der-Sonne-Liegen ist jetzt etwas provokativ gefragt. Der Kleingarten ist für mich ein Ort der Begegnung,  von Lebensfreude und Schönheit, der aber auch etwa der preiswerten Versorgung mit Obst und Gemüse dient. Er ist ein Lernort für Gesundheit, Ernährung und Umweltbewusstsein. Wir als Kleingärtner tragen auch zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Diese finden Sie inzwischen eher in der Stadt, weil es draußen, auf dem platten Land, nur noch Monokultur gibt. Wenn man jetzt die grünen Inseln, die Oasen in den Städten zubetoniert, verschwindet auch das.

Was ist so schlimm, wenn für einen geschützten Kleingarten an anderer Stelle Ersatzflächen entstehen?
Erstmal ist gut, dass für Kleingärten nach dem Bundeskleingartengesetz Ausgleich geschaffen werden muss. Wenn aber an einem Ort Kleingärten wegfallen und woanders ein Ausgleichsareal entsteht, bleibt die Fläche vielleicht gleich groß. Doch was haben die bisherigen Nutzer davon, wenn sie eine Stunde quer durch Frankfurt fahren müssen, um in den Garten zu kommen?

Der Architekt Karl Richter geht davon aus, dass die Stadt seine Pläne für eine Parkstadt am Rebstock wegen des erwarteten Widerstands der Kleingärtner ablehnt. Sie gelten offenbar als mächtige Lobbyisten.
So wird es gerne dargestellt. Wir vertreten unsere Interessen, treten ein für die Kleingärtnerei, letztlich auch für Landschaftsschutz, Landschaftspflege und Naturschutz. Es gibt sicherlich größere Lobbygruppen als die der Kleingärtner. Aber man sollte uns nicht unterschätzen. Wir werden um jedes Gelände kämpfen. Die Stadt Frankfurt nennt sich Green City. Irgendwo muss das Grün bleiben.

An der Wolfsheide in Preungesheim wehrten sich Kleingärtner so erfolgreich, dass die damalige Koalition ihre Planungen für ein neues Wohngebiet einstellte.
Das war ein Erfolg. Leicht ist es aber nicht: Man muss gut argumentieren können und gut vernetzt sein.

Bereiten Sie sich mit anderen Kleingärtnern darauf vor, stärker für Ihre Rechte kämpfen zu müssen, weil die Begehrlichkeiten noch wachsen?
Ja. Fläche lässt sich ja nicht vervielfachen. Wenn weiterer Wohnungsbau gewünscht ist, woher die Fläche nehmen? Da bleiben fast nur landwirtschaftliche Fläche und Grüngürtel. Man sollte sich einmal fragen, ob die Bevölkerungsprognosen überhaupt Bestand haben. Die geburtenstarken Jahrgänge kommen jetzt ins Rentenalter hinein. Vielleicht sollte man lieber Altenwohnanlagen bauen als neue Wohnungen im hochpreisigen Segment.

Noch geht die Politik davon aus, dass Frankfurt weiter wächst und man deshalb bauen muss. Wo sollen denn neue Wohnungen entstehen, wenn man das Grün schützen will?
Die Stadt könnte durchaus einen Teil der Freizeitgärten, die ihr oder stadtnahen Stiftung gehören, bebauen lassen und dafür an anderer Stelle Kompensation betreiben. Die Stadt muss beim Bau neuer Wohnungen zudem gemeinsam mit dem Umland vorgehen.

Nicht nur der Wohnungsbau bedroht die Kleingärtner. Auch der Ausbau der Verkehrsnetze könnte Flächen kosten.
Mit Sicherheit. Aber für uns macht es keinen Unterschied, ob die Flächen für Wohnungsbau oder den Verkehr benötigt werden. Kleingärten müssen in der Nähe der Bevölkerung bleiben.

Werden die Kleingärtner auch etwas anders machen müssen, sich vielleicht stärker öffnen?
Teilweise ja. Zum Beispiel bietet mein Kleingärtnerverein Buchhang Veranstaltungen, bei denen die Öffentlichkeit und die Nachbarn einbezogen sind. Der Verein läuft auf dem Bornheimer Kerbezug mit und verteilen Gartenerzeugnisse und Samentütchen, damit er im Stadtteil präsent ist.

Was erhoffen Sie sich von dem Kleingarten-Entwicklungskonzept, an dem das Umweltdezernat arbeitet?
Frischen Wind für das Kleingartenwesen, ein Aufbrechen alter Strukturen. Die öffentliche Zugänglichkeit wird ein Thema sein, aber auch etwa die Gestaltung der Gärten. Da ist einiges zu überdenken. Ändern sollte sich auch etwas beim Umgang mit Grünschnitt. Bisher müssen Kleingärtner für dessen Anlieferung bezahlen.

Wird es nicht auch um die Flächenfrage gehen?
Doch. Wir wollen manifestiert haben, dass Kleingärten nicht nur in Randlagen existieren, sondern dort, wo die Wohnungen entstehen, damit es kurze Wege gibt. Es reicht uns nicht, den Bestand zu schützen. Wir wollen, dass beispielsweise am Riedberg ein neues Kleingartengelände entwickelt wird. Der Arbeitstitel ist Klimagärten. Vielleicht kann man dort neue Ideen miteinbeziehen, eventuell einen Lehrpfad anlegen.

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