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Die alte Suhrkamp-Zentrale in der Lindenstraße wird 2011 abgerissen - es entstand ein mächtiger Wohnblock.

Umwandlung Westend

Aus Büros werden Residenzen

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Jahrelang standen Büroetagen im Frankfurter Westend leer. Keiner wollte sie mehr mieten. Jetzt sind daraus Wohnungen geworden. Zur Miete lässt sich allerdings darin nicht wohnen: Alles sind Eigentumswohnungen mit Luxusausstattung.

Die Tristesse des straßenzugweisen Leerstands ist aus dem Westend verschwunden. Die Büroetagen der 60er und 70er Jahre, die damals das bürgerliche Wohnen verdrängten, wollte keiner mehr mieten. Nach Jahren vergeblichen Werbens um Nachmieter werden jetzt überall neue Wohnungen bezugsfertig.

Es sind ausschließlich Eigentumswohnungen mit Luxusausstattung im Angebot – bei den Bodenpreisen. Fünf Millionen Euro hat angeblich das frühere Suhrkamp-Grundstück an der Lindenstraße den Käufer gekostet. Jetzt steht dort der mächtige, kantige Wohnblock „Unter den Linden“, und sämtliche 20 Wohnungen sind verkauft – zu Preisen zwischen 6200 und 10.500 Euro je Quadratmeter Wohnraum. Darum fällt trotz seines hohen Einsatzes für den Bauherrn angeblich immer noch ein Gewinn von drei Millionen Euro an. Der Run auf die Wohnungen in der Lindenstraße muss so riesig (gewesen) sein, dass der Mitarbeiter im Projektbüro die Anfrage der FR händeringend abwehrt: „Wir brauchen keine Werbung mehr!“

Auch das Versprechen auf ein „Dolce Vita Wohnfeeling“, das vor Jahresfrist noch plakativ an der Feuerbachstraße 6 angeschlagen war, hat voll gezogen. „Alle Wohneinheiten verkauft!“ haben die Anbieter ihre Projektseite im Internet überschrieben. In dem Neubau nahe dem Westendplatz, gegen den Nachbarn aus Angst vor Verschattung an höchster Stelle Front gemacht hatten, waren acht Wohnungen zu kaufen. Der Preis für drei Zimmer (95 Quadratmeter): 635.000 Euro.

Jetzt geht es nebenan mit „F8“ weiter – diese rätselhafte Abkürzung findet sich derzeit an allen möglichen Ecken des Westends plakatiert. Dahinter steht „Umbau und Sanierung“ eines siebenstöckigen, grauen Büroklotzes an der Feuerbachstraße 8. Die Investoren behaupten, was man angesichts des heutigen Erscheinungsbilds kaum glauben kann: „Hier bekommt der Begriff Lebensraum eine neue Qualität.“ Eine silberne Luxuskarosse auf der Simulation des Neubaus simuliert Sicherheit.

„Mietwohnungsbau im Westend? Das können Sie abhaken“, sagt der Architekt Karl Richter, der im Stadtteil Neubauten entworfen hat. An Adressen fehlt es dabei nicht; auch die Wissenschaft hat ja infolge des Uni-Umzugs Grundstücke freigemacht. Etwa der frühere Sitz des Paul-Ehrlich-Instituts an der Westendstraße 58–62 verspricht viel Platz: In die laut Denkmalbuch „neobarocke Reihenwohnhausgruppe“ werden gegenwärtig sieben „repräsentative Eigentumswohnungen in zeitloser Eleganz“ eingepasst – zwischen 200 und 400 Quadratmeter groß.

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