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Bischof Anders Arborelius aus Schweden (Mitte) erinnerte im Dom an Kaiser Karl, der Frankfurt so viel bedeutet.
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Bischof Anders Arborelius aus Schweden (Mitte) erinnerte im Dom an Kaiser Karl, der Frankfurt so viel bedeutet.

Karl der Große

Karl in Krisenzeiten

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Im Frankfurter Dom feiert die Stadt das „Karlsamt“ zur Ehren des Todestages von Karl dem Großen.

Proppevoll war der Kaiserdom am Samstag beim Festakt zu Ehren von Karl dem Großen. Der war am 28. Januar, vor 1202 Jahren, gestorben. Die Stadt gedachte ihm mit dem „Karlsamt“, einer 90-minütigen Messe im Dom und einem Empfang im Römer.

Frankfurt verbindet viel mit Karl. Zunächst mal den Namen. Laut Mythos floh Karl vor den Sachsen mit seinen Franken über eine Furt im Main. Aus der Furt wurde „Franconofourd“. Erstmals erwähnt eine Urkunde Karls aus dem Jahre 794 die Stadt, in der er auch die Bischofssynode im selben Jahr einberief, die zum Beispiel Getreidepreise und das Gewicht von Münzen festlegte.

Sieben Monate weilte Karl in der Frankfurter Königspfalz: Dies gilt als Gründungszeit der Stadt und Ausgangspunkt für die Bedeutung, die Frankfurt im Mittelalter als Krönungsstätte von Königen und Kaisern gewann.

Statue aus dem 19. Jahrhundert

An Karl erinnert eine Statue aus dem 19. Jahrhundert, die das Historische Museum nach der Wiedereröffnung in seiner Dauerausstellung zeigen wird. Eine originalgetreue Kopie der Skulptur soll im Frühjahr auf die Alte Brücke kommen.

Geradezu „kultisch“ werde Karl in Frankfurt verehrt“, urteilt der emeritierte Frankfurter Mittelalter-Historiker Johannes Fried in seiner Biografie („Karl der Große. Gewalt und Glaube“, 2013). In Deutschland nach 1945 werde Karl als „Symbolfigur der favorisierten Europaidee“ instrumentalisiert. Die Wissenschaft betrachte Karl nüchterner. Nicht als Vater Europas. Nicht als Europäer, Franzosen oder Deutschen. Sondern als Franken, der gleichwohl auf die „westliche Kultur“ ausgestrahlt habe. Durch die Kulturerneuerung im Rückgriff auf antike Grammatiker, auf christliche und heidnische Literaten, auf die Etablierung einer Schrift, die zur karolingischen Minuskel führte, durch die Klöster als Basis des Schulwesens, den Reichskalender. Er habe natürlich auch ein großes Reich zusammengebracht, dabei den christlichen Glauben mit dem Schwert verteidigt.

Im Kaisersaal des Römers, wo ein Karls-Porträt hängt, sprach Stadtrat Bernd Heidenreich (CDU) am Samstag von Karl als „Vater Europas“ und von „zeitlosen Werten“, für die er gestanden habe.

Voll besetzter Kaiserdom

Europa sei derzeit in einer „schweren Krise“, so Heidenreich: Konfrontiert mit dem „Terror religiöser Fanatiker“, der „Herkulesaufgabe“ der Flüchtlingsaufnahme, den Herausforderungen des Islams. Europa müsse „seine Werte verteidigen“, forderte Heidenreich, auch in den „Wüsten Syriens“. Zwar kenne „Barmherzigkeit keine Obergrenze“. Doch Deutschland müsse mit „Besonnenheit und Maß“ auf die Flüchtlingszahl reagieren, sagte der CDU-Politiker.

Vor voll besetztem Kaiserdom und stehenden Gästen predigte der diesjährige Gastredner, Bischof Anders Arborelius aus Stockholm, am Samstagabend eine frohere Botschaft. „Unsere Gesellschaft muss ein offenes Haus mit offenem Herzen bleiben für diejenigen, die nirgendwo anders willkommen sind“, sagte der schwedische Würdenträger in hervorragendem Deutsch. Selbst Jesus sei „heimatlos und heimatvertrieben“ gewesen. Schweden habe lange „seine Pforten geöffnet, genau wie Deutschland, aber nun leider wieder geschlossen“. Europa müsse sich weiterhin der „christlichen und menschlichen Barmherzigkeit“ verpflichtet fühlen. „Solidarität , Gleichheit und Gerechtigkeit“ seien als „menschliche Werte“ eine „Berufung Europas“.

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