+
Bio-Eier sind in diesen Tagen gefragter denn je.

Kundenreaktionen nach Dioxinskandal

Vertrauen ins Bio-Ei

Die Frankfurter kaufen nach dem Futtermittelskandal in Schleswig-Holstein verstärkt in Bio-Läden ihre Frühstückseier ein. Und zwar so sehr, dass mancherorts die Eier schon knapp werden. Ein Rundruf in kleinen wie großen Geschäften

Von Lia Venn

Die Frankfurter kaufen nach dem Futtermittelskandal in Schleswig-Holstein verstärkt in Bio-Läden ihre Frühstückseier ein. Und zwar so sehr, dass mancherorts die Eier schon knapp werden. Ein Rundruf in kleinen wie großen Geschäften

Da kann ein Ex-Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke in der Anne-Will-Talkshow zum Dioxin-Skandal noch so vergnügt ins herkunftsunklare Rührei beißen – Frankfurter Verbraucher beeindruckt das offenbar gar nicht. Sie machen, wenn man so will, das Gegenteil und kaufen verstärkt in Bio-Läden ein. Und zwar so verstärkt, dass mancherorts die Eier schon knapp werden. „Naturgemäß legen Hennen im Winter ohnehin weniger, weil ihnen Licht und Wärme fehlen“, sagt Susanne Beckey vom Naturkostladen in Alt-Niederursel. „Deshalb werden die Eier jetzt knapp, weil die Nachfrage so gestiegen ist.“ Beckeys Laden sei eben „klein, nicht sowas großes wie Basic oder Alnatura“.

Kurzer Abstecher nach Bickenbach in die Zentrale der Bio-Supermarktkette Alnatura: „Tatsächlich ist die Nachfrage enorm gestiegen, in der letzten Woche im Durchschnitt um 30 Prozent bei den Bio-Eiern“, sagt dort Firmensprecherin Stefanie Neumann. „Beim Fleisch haben wir noch keine Angaben.“ Zurück nach Niederursel in den Laden von Susanne Beckey. Wie sieht es denn beim Geflügel aus? „Vor den Feiertagen gingen Gänse und sowas sehr gut, da war das Thema noch nicht so präsent.“ Sie vermutet, dass jetzt erst „in den Köpfen ankommt, dass Dioxin nicht nur in Eiern, sondern auch im Tier ist“. Die Stammkunden indes seien bester Laune. „Viele kommen rein und sagen: ‚Sehen Sie mal an!‘ Sie fühlen sich bestätigt, Bio mag zwar teurer sein, aber eben auch verlässlicher.“ Beckey kennt den Markt seit Jahren, bereits 1988 hatte sie ihren Naturkostladen gegründet. Ihrer Erfahrung nach sei das Vertrauen in die Waren der Bio-Verbände sehr hoch. Sie dürfen bei Futtermitteln nur in Ausnahmefällen zumischen, und dann auch nur pflanzliche, nicht technische Fette.

Derzeit kommen auch Neu-Kunden in die Bio-Läden

„Wir kaufen schon ewig nur Bio-Produkte“, sagt eine junge Frau im Naturkostladen „Grünkern“ in Sachsenhausen, „aber man ist immer wieder schockiert, wie fahrlässig manche konventionellen Betriebe sind.“ Ein anderer Kunde erzählt von einem Telefonat mit einem Kollegen am Morgen. „Wir seien von dem Thema ja gar nicht betroffen, sagte der, weil wir ohnehin nur Bio kaufen.“ Im „Grüneburg Naturkost“-Laden im Westend fallen Mit-Inhaber Matthias Paust auch neue Kunden auf. „Man sieht, dass sie noch nie in einem Bio-Laden waren, wie sie sich umschauen und so.“ Er bemerke eine „deutlich höhere Nachfrage, gerade im Bio-Premiumbereich wie Demeter und Bioland, das ist enorm“. Sowohl bei Eiern wie bei Geflügelfleisch sei die Nachfrage „sprunghaft“ angestiegen.

Ebenso der Informationsbedarf, wie Adelheid Medenbach vom Elisabethenhof in Unterliederbach feststellt. „Wir haben sehr viele Anfragen über die Herkunft des Futters.“ Allerdings von Kunden, die nicht regelmäßig bei ihnen kauften. „Die Stammkunden wissen, dass wir gute Ware haben und die Lieferanten für Zukäufe seit Jahren kennen.“ Der Elisabethenhof ist zwar kein Bio-Hof, setze aber auf „ökologische Produktion“. Der einzige Bioland-Hof in Frankfurt, die Gärtnerei Bärengarten der Werkstatt Frankfurt, hatte zwischen den Jahren zu und öffnet ihren Verkauf erst am heutigen Dienstag.

Viele Verbraucher scheinen wegen des jüngsten Lebensmittelskandals also auf Bio-Produkte zu setzen. „Ich bin aber sehr gespannt, ob die Auswirkungen auch langfristig sind“, sagt Susanne Beckey vom Naturkostladen in Niederursel. Nicht nur im Bioladen, auch direkt beim Erzeuger vertrauen manche Verbraucher der Qualität der Waren mehr, als in großen Supermärkten. Auch in Frankfurt gibt es Ab-Hof-Verkäufe, immerhin werden 15 Prozent des Stadtgebiets von etwa 80 Betrieben landwirtschaftlich genutzt. Das sind rund 3700 Hektar. In der Broschüre „Frisch von Feld und Hof in Frankfurt am Main“ haben Umweltamt und Wirtschaftsförderung im vergangenen Jahr 26 Betriebe vorgestellt, bei denen Kunden im Hofladen, ab Hof oder gar als Selbsternter einkaufen können – und das wegen der kurzen Wege auch klimaschonend.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare