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Karl der Große: „Wie sollten wir über den Main kommen?“

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Von: Thomas Stillbauer

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„Esel, Hirschkuh ... wisst Ihr, wie lang das her ist?“ Karl der Große.
„Esel, Hirschkuh ... wisst Ihr, wie lang das her ist?“ Karl der Große. © Boris Roessler/dpa

Der Ur-Frankfurter, König und Kaiser lüftet im Interview ein tierisches Geheimnis (oder auch nicht) – und die Frau Rauscher babbelt auch mit.

Herr, äh, der Große? Wie spreche ich Sie eigentlich am besten an? Herr Magnus?

Karl der Große: Sagt einfach Eure Majestät.

Danke, Eure Majestät, auch für das Interview, das Ihr spontan zugesagt habt. Unsere Serie „Frankfurt – meine Stadt“ behandelt in dieser Woche die Alteingesessenen, und da seid Ihr ...

Karl: … der am ältesten Eingesessene, das kann man so sagen, ja.

Ohne Euch gäbe es Frankfurt überhaupt nicht.

Karl: Das trifft zu.

Wie war das damals?

Karl: Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Ist ja auch noch nicht mal 1300 Jahre her. Also, meine Franken hatten mal wieder Zores mit den Sachsen …

1.FC Nürnberg gegen Lok Leipzig, so ungefähr.

Karl: Wie belieben?

Nur krasser – Ihr sollt damals ausgesprochen rabiat vorgegangen sein.

Karl: Wie man’s nimmt. Die glaubten halt nicht an Gott.

Aber mit Verlaub, muss man deswegen gleich Krieg führen?

Karl: Das hat man seinerzeit eben so gemacht.

„Des hammer schon immer so gemacht“, Karl, mei Drobbe!

Karl: Heute würde ich das vielleicht auch anders regeln. Jedenfalls hatten wir ein gewisses Leistungstief in einer der Schlachten, und …

Ihr musstet mit Euren Franken abhauen, sagt Thietmar von Merseburg.

Karl: Kenn ich nicht.

Der lebte nach Eurer Zeit.

Karl: Na, dann wird er’s ja ganz genau wissen!

Jedenfalls kamt Ihr auf der Flucht dann an den Main.

Karl: Schöne Bescherung. Wie sollten wir bloß da rüberkommen? Wasser, wohin man schaute, und …

Frau Rauscher: Gude. Habt ihr meinen Mann gesehen?

Frau Rauscher, was machen Sie denn hier?

Rauscher: Sag ich doch, ich suche meinen Mann.

Karl: Müssten wir uns kennen?

Nein, das war auch nach Eurer Zeit.

Rauscher: Angenehm, Rauscher. Ich hab e Beul am Ei.

Karl: Karl der Große. Das tut mir leid. Vielleicht hilft ein Aderlass?

Rauscher: Karl der Große?! Das ist ja ein Ding! Ei gude, wie?

Ähm, wir führen gerade ein Interview, Frau Rauscher, wenn Sie jetzt bitte wieder …

Rauscher: Um was geht’s denn?

Karl: Um alteingesessene Bürger der Stadt.

Rauscher: Bin ich. Urbürgerin. Ich liebe mein Frankfurt.

ZUR DEN PERSONEN

Karl der Große, geboren 747 n.Chr., war zunächst König des Fränkischen Reichs, später Kaiser von halb Westeuropa. Er gilt als Gründer Frankfurts – nicht nur, weil eine Hirschkuh seinen Truppen einst die Furt über den Main gezeigt haben soll; er erwähnte die Stadt auch erstmals urkundlich.

Frau Rauscher (aus de Klappergass), Vorname unbekannt, lebte vor etwa 200 Jahren in Sachsenhausen, wenn sie denn tatsächlich lebte, und erlitt eines Sonntags eine leichte Kopfverletzung (Beule), deren Ursache bis heute ungeklärt ist. Möglicherweise war Ebbelwei im Spiel. Angeblich stand der Vorfall in der Lokalpresse. Der Frankfurter Journalismus nahm seine Aufgabe eben schon immer sehr ernst.

Ja, schon, aber …

Karl: Sind Sie Fränkin?

Rauscher: Naa, ich komm von Dribbdebach.

Karl: Sächsin?

Rauscher: Sachsenhäuserin. Ich hatte wohl zu viel Apfelwein, und dann war da diese Beule, aber inzwischen bin ich ja mit meinem Mann versöhnt.

Dann war es also doch Ihr Mann, der Sie …

Rauscher: Klärt die Polizei. Aber irgend so ein Zeitungskerl musste ja schon alles rausposaunen.

Hüstel.

Rauscher: Waren sie das etwa?

Das war vor meiner Zeit.

Rauscher: Unverschämt. Der lügt doch wie gedruckt. (Geht empört ab)

Karl: Sympathische Dame.

Zurück zu uns, Eure Majestät. Ihr kamt also an den Main, damals, 8. Jahrhundert, die Sachsen im Nacken.

Karl: Ja, und kein Durchkommen – wenn da nicht dieser Esel mit seinem Fohlen gekommen wäre, der …

Moment, Moment, Moment – Esel? Alle Welt geht davon aus, dass es eine Hirschkuh mit Kalb war, die Euch …

Karl: Ja, oder Hirschkuh, wisst Ihr, wie lang das her ist?

Eben sagtet Ihr noch, es sei, als wäre es gestern gewesen.

Karl: Dieses Tier zeigt uns jedenfalls, wo es langgeht, und wir: schnurstracks rüber auf die andere Seite.

Nach Hibbdebach.

Karl: Wie bitte?

Seid Ihr dann gleich heimisch geworden in Frankfurt?

Karl: Wo denkt Ihr hin. Ich hatte doch zu tun, allüberall. Das Reich war groß.

Wie – Ihr habt Euch gar nicht in Frankfurt niedergelassen?

Karl: Immerhin habe ich die Stadt 794 in einer Urkunde erwähnt und eine Synode dort abgehalten. Aber dann starb meine Frau in Frankfurt. Danach mochte ich erst mal nicht mehr hin.

Euer Sohn hat später die Königspfalz hier bauen lassen.

Karl: Eben. Wenn das nichts ist.

Wie groß seid Ihr eigentlich, Karl der Große?

Karl: Einsvierundachtzig, hab ich irgendwo gelesen.

Und haltet Ihr Frankfurt für einen lebenswerten Ort?

Karl: Hätte ich’s sonst gegründet? Aber diese Flussbegradigung ...

Eure Majestät, wir danken für das Gespräch.

Karl: Gerne, gerne. Ich habe gehört, Ihr sucht hier in Frankfurt gerade einen neuen König?

Interview: Thomas Stillbauer

„Ich liebe mein Frakfurt.“ Frau Rauscher, sprudelnd.
„Ich liebe mein Frakfurt.“ Frau Rauscher, sprudelnd. © Andreas Arnold

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