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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht das Amtsgericht.

Angela Merkel

Die Kanzlerin im Amtsgericht

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Beim Besuch von Angela Merkel herrscht Ausnahmezustand in Frankfurts Justiz.

Der Fahrradkurier vor dem Gebäude E schaut sich verwundert um. „Was ist denn hier los?“, fragt er angesichts des immensen Polizeiaufgebots rund um die Frankfurter Gerichte. „Merkel kommt“, wirft ihm jemand hin. Der Kurier schaut ungläubig. Die zwei Wörtchen sind an diesem Montagvormittag aber noch häufiger zu hören. „Merkel kommt“, tauscht sich ein Kamerateam aus, das aus anderem Anlass zum Gericht gekommen ist und sich über die vielen Kollegen wundert. 

Bei den Journalisten, die über den Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Frankfurter Amtsgericht berichten wollen, ist viel Geduld gefragt. Erwartet wird Merkel um 10.15 Uhr. Bereits im Vorfeld mussten die Medienleute eine langwierige Akkreditierung auf sich nehmen, an diesem Morgen müssen sie spätestens um 9.30 Uhr im Gerichtsgebäude sein. Damit es seine Ordnung hat in Sachen Sicherheit. 

Kurz vor 10 Uhr dürfen die Journalisten wieder auf die Straße, um der Kanzlerin bei ihrer Ankunft einen gebührenden Empfang zu bereiten. Dazu tragen auch die vielen neugierigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei, die sich an den Fenstern der Gerichtsgebäude drängeln, um Merkels Ankunft zu beäugen. Um die Wartezeit zu überbrücken, betreibt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) noch etwas Smalltalk mit den Journalisten. Mitten im Satz bricht er ab, als der Konvoi der Kanzlerin in die Gerichtsstraße einbiegt. Merkel steigt aus.

Sie hat sich an diesem Morgen für die Farben des FSV Frankfurt entschieden. Schwarze Hose, blaues Sakko. Eine gute Wahl, schließlich haben die Bornheimer der zweiten Mannschaft von Mainz 05 am Wochenende ein Unentschieden abgetrotzt, und die Eintracht-Fans schweben derzeit auch ohne Merkels farbliche Unterstützung auf Wolke sieben. Merkel winkt ganz staatsmännisch einmal die Gerichtsstraße runter, auch wenn da aus Sicherheitsgründen gar niemand ist, aber die Fotografenschar, die sich hinter dem roten Absperrband drängelt, ist dankbar für die freundliche Geste. 

Dann entschwindet die Kanzlerin ins Gebäude B. Die Journalisten dürfen in gebührendem Abstand folgen. Jetzt ist wieder Warten angesagt. Merkel besucht den Unterricht einer Rechtsstaatsklasse im ersten Stock des Amtsgerichts. Die Journalisten dürfen derweil im zweiten Stock auf das Statement der Kanzlerin warten. Sie drücken auf ihren Smartphones und Laptops herum und sehen recht entspannt aus. Es scheint ihnen nichts auszumachen, den Vormittag zu vertrödeln, um auf einen O-Ton von Frau Merkel zu warten. 

Um 10.45 Uhr dürfen die Journalisten in den ersten Stock. Die Kamerateams bauen ihre Gerätschaften vor einem Pappaufsteller auf. Er zeigt den Löwen Justus, das Maskottchen des hessischen Vorreiterprogramms „Fit für den Rechtsstaat“. 

Fotografen und TV-Leute suchen noch nach dem besten Standort für ihre Bilder. „Sie wird vielleicht hier kurz eindrehen“, sagt ein Kameramann des Hessischen Rundfunks. Merkel hat etwa zehn Schritte vom Saal 102, in dem sie gerade noch mit Flüchtlingen parliert, bis zum Papplöwen Justus. 

Um 11.10 Uhr ist es endlich so weit. Die Türen öffnen sich. Zu sehen ist allerdings erst mal nur ein grau melierter Herr. „Herr Bußer, aus dem Weg“, ruft ein dpa-Fotograf dem hessischen Regierungssprecher zu. Dann steht Merkel vor Justus, eingerahmt von ihren Parteikollegen Eva Kühne-Hörmann und Bouffier. Geduldig wartet die Kanzlerin das Statement des hessischen Ministerpräsidenten ab. Danach sagt sie selbst ein paar Sätze zum Projekt. Dann ist sie weg. Es geht weiter nach Darmstadt, an die Technische Universität. Gleich heißt es in Südhessen: „Merkel kommt.“

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