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Sabine Fischmann ist Schauspielerin, Sängerin, Musikerin und Dozentin. Hier hat sie in ihrem Frankfurter Atelier Kostüme einiger ihrer Aufführungen ausgepackt.

Frankfurt

Sie kann alles – außer langweilen

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Sabine Fischmann ist Pianistin, Schauspielerin, Sängerin, Komponistin, Dozentin – und dann am allerbesten, wenn sie alles gleichzeitig macht. Ein Porträt.

Vor vielen Jahren, Sabine Fischmanns Karriere war noch ziemlich an ihrem Anfang, schrieb die FR-Kritikerin begeistert über das Konzertexamen an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt: „Diese Frau kann einfach alles. Nur langweilen kann sie nicht!“ Das war 2002, und wie man sein Publikum langweilt, das hat die gebürtige Münchnerin, die in Franken aufgewachsen ist und mit 18 nach Frankfurt zog, glücklicherweise bis heute nicht gelernt. Standing Ovations gab es seinerzeit bei der Abschlussprüfung,

Für das Porträtbild von FR-Fotograf Michael Schick würde Sabine Fischmann am liebsten aufs Trampolin ihrer Kinder steigen, das draußen im verträumten grünen Hof ihres Hauses in Frankfurt-Schwanheim steht – leider geht gerade ein Regenguss nieder. Da funktioniert das nicht mit dem Hüpfen.

Ach, egal, im Atelier im Hinterhaus stehen nicht nur ein Klavier und das Schlagzeug der jüngeren Tochter. Nebenan hat Ehemann Ali Neander, ebenfalls bekannter Musiker und Gründungsmitglied der „Rodgau Monotones“, sein Studio. In ihrem Atelier lagern auch Kostüme aus zahlreichen Theater- und Musikproduktionen der vergangenen Jahre. Und Fischmann packt aus, sehr zur Begeisterung des Fotografen. Zu entdecken gibt es eine ganze Menge, strenge Biedermeierkleider oder verrückte Flamingohüte. Schließlich ist die Künstlerin außerordentlich vielseitig.

Fischmann ist Pianistin, Schauspielerin, Sängerin – und dann am allerbesten, wenn sie alles gleichzeitig machen kann. Am kommenden Montag, 29. Juli, beispielsweise steht sie auf der Bühne der Burgfestspiele in Dreieichenhain, es ist die Vorpremiere des neuen Stücks „Hoffmanns Erzählungen à Trois“, entstanden in bewährter Kooperation mit dem ebenso universell talentierten Michael Quast und dem Pianisten Rhodri Britton. Langeweile dürfte selbstverständlich auch bei diesem Auftritt Hausverbot haben.

In der neuen Fassung – die eigentliche Premiere ist am 25. Oktober in der „Fliegenden Volksbühne“ in Frankfurt – wird die berühmte Oper im 200. Geburtsjahr von Jacques Offenbach zu einem charmanten Dreipersonenstück eingedampft. „Hoffmanns Erzählungen ist ein großartiges Stück, toll geschrieben, toll vertont. Da muss man den ganzen Abend hundertprozentig präsent sein“, sagt Fischmann. „Das ist wie Fliegen, ein absoluter Traumberuf. Man bekommt auch viel Energie vom Publikum.“

Auch in Mozarts Don Giovanni oder in der Operette „Im Weißen Rössl“ sang und spielte Fischmann in den Vorjahren in rasanter Dreierbesetzung, und das Publikum vermisste weder große Chöre noch bombastische Orchesterklänge. Für das „Weiße Rössl“, das ja bekanntlich am Wolfgangsee steht, hat sie sogar Hackbrett spielen und Jodeln gelernt, auch mit der Harmonika kann sie ziemlich virtuos umgehen, mit dem Klavier sowieso.

Die Rolle der berühmten Pianistin und Komponistin Clara Schumann in „Paartherapie“, ebenfalls ein Dreipersonenstück, ist ihr geradezu auf den Leib geschnitten. 2019 ist auch ein Clara-Schumann-Jahr, das Frankfurter Stalburg-Theater nimmt die wunderbare Dreiergeschichte zwischen dem Ehepaar Schumann und Johannes Brahms deshalb ab dem 14. Oktober wieder ins Programm.

Es gibt eigentlich ständig Neues: Im Januar 2020 läuft „Der Struwwelpeter“, ebenfalls in der Volksbühne, an. Erstmals arbeitet Fischmann dann mit dem Ensemble Modern zusammen. „Man sieht, es wird mir nicht langweilig“, sagt sie.

Die heute 44-Jährige hat schon das Pferdemusical „Happy Horses“ komponiert, mit dem sie einen Gnadenhof bei Ingelheim unterstützt, sie hat Schuberts „Winterreise“ mit Flüchtlingen und Heimatvertriebenen inszeniert, stand bei der Frankfurter Theaterlegende Willy Praml auf der Bühne und arbeitet seit diesem Frühjahr auch mit einer halben Stelle als Dozentin an ihrer früheren Hochschule. Dort unterrichtet sie junge Musiklehrer,

Vor dem Beruf hat sie große Hochachtung: „Lehrer haben ja jeden Tag eine Sechsstundenshow.“ Sie ist auch selbst oft mit Projekten zu Gast an Schulen. „Wichtig ist mir, Schülern und Lehrern zu zeigen, dass es Spaß machen kann, an etwas zu arbeiten“, sagt sie. Das komme gut an. Einer Höchster Schule gefiel ihr Lied „Du bis okay, so wie du bist“ aus „Happy Horses“ so, dass es zur Schulhymne wurde, wie Fischmann stolz erzählt.

Regelmäßig tritt die Musikerin gemeinsam mit ihrem Mann auf, etwa am 13. September in der Rebell(i)schen Studiobühne von Volker Rebell in Offenbach. Sie war schon Marilyn Monroe und Miss Marple, die fromme Helene, die Chansonnière Lola Blau, Sally Bowles in „Cabaret“ oder Florence Foster Jenkins. „Das sind sicher sehr unterschiedliche Frauenfiguren“, sagt sie und lacht.

Letztere Rolle dürfte dabei besonders vertrackt gewesen sein – immerhin schlüpft die Profi-Musikerin, die bei „Jugend musiziert“ ihre ersten großen Preise gewann, darin in die Rolle einer schlechten Sängerin. Schief singen, auch das hat sie natürlich hinbekommen, und der Rolle der selbstverliebten Möchtegern-Operndiva einen ganz eigenen, sympathischen Charakter gegeben.

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