Literatur

Kanada bekommt 2021 neue Chance

  • Claus-Jürgen Göpfert
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Die Frankfurter Buchmesse will die Auftritte ihrer Gastländer um je ein Jahr verschieben, damit sie sich angemessen präsentieren können.

Angesichts der Corona-Pandemie will die Frankfurter Buchmesse die Auftritte der Gastländer verschieben. Das heißt: Der in diesem Jahr eigentlich geplante Ehrengast Kanada soll im nächsten Jahr noch einmal eine Chance bekommen. Tatsächlich konnten die kanadischen Verlage, die eigens die Organisation Canada FBM2020 gegründet hatten, um sich in Deutschland zu präsentieren, in diesem Jahr kaum einen ihrer vorgesehenen Termine verwirklichen. Die Leipziger Buchmesse wurde ebenso abgesagt wie die LitCologne in Köln.

Auf dem Frankfurter Messegelände werden die physischen Auftritte während der geplanten Buchmesse vom 14. bis 20. Oktober 2020 wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt sein. An den üblichen Ehrengast-Pavillon im ersten Stock des Buchmessen-Forums, in dem gemeinhin großes Gedränge herrscht, ist nicht zu denken. Auch die große übliche Eröffnungszeremonie mit 2000 Gästen und prominenten Vertretern des Gastlandes wird es nicht geben können. Deshalb hat Buchmessen-Direktor Juergen Boos in den zurückliegenden Wochen mit den Vertretern der bereits feststehenden Gastländer Gespräche über eine Verschiebung der Auftritte um ein Jahr geführt. Kanada würde sich demnach 2021 präsentieren, Slowenien 2022 und Spanien erst 2023.

Das Buchmessen-Team hofft trotz Corona darauf, dass etwa ein Drittel der üblichen 7100 Aussteller den Weg nach Frankfurt antreten wird. Jeweils eine Ebene der Messehallen 3, 4 und 5 soll für sie reserviert werden. Mit großem Abstand und acht Meter breiten Gängen könnten dort Stände aufgebaut werden. Als eigentliches Zentrum der physischen Buchmesse 2020 ist die denkmalgeschützte Festhalle vorgesehen. Sie ist groß genug, um im Innenraum mit Abständen Bühnen aufbauen zu können. Sie sind der Ort für Lesungen und Podiumsdiskussionen.

Holtzbrinck-Gruppe nicht dabei

Die wichtigsten deutschen Verlagsgruppen hatten allerdings schon Ende Mai verkündet, dass sie im Oktober keine Stände aufbauen würden. Dazu zählen die Holtzbrinck-Gruppe mit S. Fischer und Rowohlt, aber auch Random House und die Bonnier-Gruppe. Viele unabhängige Unternehmen aus Deutschland wollen angesichts von Corona ebenfalls nicht kommen. Auch die Verlage aus den USA haben klargemacht, dass sie nicht anreisen werden. Nach FR-Informationen sollen allerdings bereits etliche Anmeldungen von Verlagen aus europäischen Ländern vorliegen.

Die Buchmesse will auch unter den schwierigen diesjährigen Bedingungen ihre Bedeutung als Ort der politischen Debatte und des Kampfs für Menschenrechte und Meinungsfreiheit betonen. So ist geplant, den „Raif Badawi Award for courageous journalists“ auch 2020 zu verleihen. Mit ihm werden Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet, die in islamisch geprägten Gesellschaften gegen Menschenrechtsverletzungen kämpfen. Der Preis ist nach dem saudischen Blogger Raif Badawi benannt, der in Haft sitzt.

Derweil ging der Kampf um die Zukunft der Buchmesse weiter. Nachdem feststeht, dass sie 2021 erstmals gemeinsam mit der Musikmesse ausgerichtet werden soll, äußerten die Grünen im Römer ihre „große Sorge um die Zukunft der Buchmesse“. Die Pläne für eine Annäherung an die Musik- und Gamesbranche, die zunächst geplante und dann abgesagte Pressekonferenz von Buchmessen-Direktor Juergen Boos und OB Peter Feldmann „stärken nicht das Vertrauen in die Kompetenz der Handelnden“.

Die Marke Frankfurter Buchmesse dürfe nicht durch einen „kreativen Gemischtwarenladen“ verwässert werden, sagte Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp. Die Reputation der Kulturstadt Frankfurt stehe auf dem Spiel. Popp forderte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) auf, „für die Zukunft der Buchmesse zu kämpfen und den technokratischen Überlegungen des Oberbürgermeisters eine Absage zu erteilen“.

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