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Kampfversammlung in Frankfurt

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Von: George Grodensky

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2008 besetzen Studierende kurzzeitig das House of Finance auf dem Campus Westend in Frankfurt.
2008 besetzen Studierende kurzzeitig das House of Finance auf dem Campus Westend in Frankfurt. © Alex Kraus

Studierendenschaften aus ganz Deutschland wollen ihren Protest vereinen. Treffen im historischen 68er-Saal.

Es brodelt an den Hochschulen. Die massiven Preissteigerungen und die hohe Armutsquote unter Studierenden lassen bei den verfassten Studierendenschaften die Alarmglocken schrillen. So treffen sich am heutigen Dienstag der Asta Frankfurt und das Bündnis „Lernfabriken meutern!“ zusammen mit den großen Studierendenvertretungen in Deutschland und dem freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) zum Krisengipfel im Frankfurter Studierendenhaus. Das Motto: „Wir warten nicht, bis uns der Strom abgedreht wird!“

Aus allen Himmelsrichtungen reisen sie an, aus Mainz, Tübingen, Marburg, aus München, Hamburg, Bremen, Berlin. Was genau bei dem Treffen herauskommt, ist offen. Am Ende soll mindestens eine Resolution stehen, die konkrete Forderungen an die Politik parat hält. Darüber hinaus könnte wohl auch der Aufruf zu Aktionen erfolgen, zu Demos, Protest, Streiks, Besetzungen von Hochschulgebäuden. Denn eins ist klar: „Sehr viele wütende Studierendenvertretungen kommen nach Frankfurt“, sagt Pia Troßbach vom Frankfurter Asta.

Was seit Jahren als Unzufriedenheit gärt, droht in nackte Panik umzuschlagen. Inzwischen belegen sogar schon Studien, dass rund 30 Prozent der Studierenden in Armut leben, sagt Troßbach. Das jüngst beschlossene dritte Entlastungspaket der Bundesregierung werde da nicht helfen. 200 Euro winken darin den Studierenden, als Einmalzahlung, ab Januar.

„Wir gehen nicht davon aus, dass alle Studierende ihre Existenz sichern können“, sagt Sandro Philippi mehr als diplomatisch. Dabei würde der Hamburger vom Bündnis „Lernfabriken meutern!“ am liebsten schreien. Ein Studium ist ein 40-Stunden-Job, sagt Philippi. Viele müssen nebenbei arbeiten, haben ohne Lehre oder Ausbildung aber nur Zugriff auf schlecht bezahlte Jobs. Das Bafög reiche hinten und vorne nicht aus, zumal es viel zu wenige Studierende überhaupt erhielten. „Es steht zu erwarten, dass viele ihr Studium unterbrechen“, sagt Philippi. Oder ganz an den Nagel hängen.

Die psychische Belastung sei enorm, führt Philippi aus. „Wie soll ich mich auf Klausuren vorbereiten, wenn ich die nächste Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann?“

Zum Krisengipfel hat das Bündnis nun die Studierendenvertretungen eingeladen, die ohnehin gerade Protest vorbereiten. „Das wollen wir bündeln“, sagt Philippi. Aus drei Gründen trifft man sich in Frankfurt. Erstens liegt das zentral, ist von überall her gut zu erreichen. Die Berliner Delegation kann locker am gleichen Tag an- und abreisen.

Außerdem hat Frankfurt ein großes Studierendenhaus mit großen Versammlungsräumen und kleinen Gruppenzimmern. „Das ist nahezu einmalig in Deutschland“, sagt Troßbach. Und dann wäre drittens noch die Tradition: der historische Frankfurter 68er-Saal. Wie kämpferisch es diesmal wird? Nach dem dritten Entlastungspaket sind die Einladungen zum Treffen rausgegangen, so Philippi. Die Quote der Zusagen: 100 Prozent.

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