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Die angemessene Abschiedsfeier für Heiner Halberstadt soll nach Corona folgen. peter jülich
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Die angemessene Abschiedsfeier für Heiner Halberstadt soll nach Corona folgen. peter jülich

Frankfurt

Kampfeslustig und genussfähig

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Trauerfeier für den Sozialisten Heiner Halberstadt gerät gar nicht so traurig.

Auch die Trauer nimmt in Zeiten der Corona-Pandemie andere Formen an. Dem Abschied vom Linken Heiner Halberstadt hat das gutgetan. Denn so ringelt sich ein fröhlicher, schwatzender Lindwurm unter freiem Himmel über die Wege des Frankfurter Hauptfriedhofs, eingestimmt von den Klängen der „Frankfurt Swing Allstars“. Mehr als 50 engste Freunde und Weggefährten geben das letzte Geleit im Frühlingssonnenschein. Ganz bewusst wollte der Mitbegründer des „Club Voltaire“ auf einem offenen Feld anonym bestattet werden, ohne Grabstein und Aufsehen für die eigene Person. Das entspricht dem Charakter des Politikers, der am 29. März im Alter von 92 Jahren verstorben war.

Und der Abschied hätte ihm gefallen. Denn der frühere PDS-Stadtverordnete war kein knochentrockener Theoretiker, sondern ein Mann mit verschmitztem Humor, der es liebte zu feiern. Einer seiner ältesten Freunde, der Politikwissenschaftler Frank Deppe, sagt im Halbkreis vor der Urne, Halberstadt habe „die Einheit von Kampfeslust und Genussfähigkeit“ vorgelebt. Im Beisein von dessen langjähriger Lebensgefährtin Else Gromball erinnert sich der 79-jährige an die ersten gemeinsamen Aktivitäten 1966 beim Ostermarsch für Abrüstung und Frieden.

Deppe hat noch ein altes Flugblatt gefunden, das zu einer Veranstaltung am 16. November 1967 in Marburg mit Halberstadt aufrief, das Thema: „Was will die sozialistische Opposition?“ 1967/68 versuchten die beiden, ein Sozialistisches Zentrum im Rhein-Main-Gebiet aufzubauen. Ein „kluger Kopf“ und „beeindruckender Redner“ sei Halberstadt gewesen, ein Kenner und Freund von Literatur, Theater und Musik.

Die „Frankfurt All Stars“ stimmen den wehmütigen Gospelsong „Just a closer walk with thee“ an, in dem es heißt „I am weak but thou are strong, Jesus keep me from all wrong“, und den Menschen steigen die Tränen in die Augen. Der Sozialismus, urteilt Deppe, sei „keine Kopfgeburt“, er müsse die Herzen der Menschen gewinnen. Der frühere DGB-Landesvorsitzende Dieter Hooge hört das ebenso wie der ehemalige Fraktionschef der Linken im Römer, Lothar Reininger. Der Sozialdemokrat Halberstadt, der von 1989 bis 1991 sogar OB-Referent gewesen war, trat in den 90er Jahren im Unfrieden aus der SPD aus, nachdem sie das Asylrecht geschmälert hatte. Doch auch der SPD-Unterbezirksvorsitzende Mike Josef ist auf den Hauptfriedhof gekommen, um den ehemaligen Genossen zu würdigen.

Persönliche Brüche

Richard Ullmer vom „Club Voltaire“ blendet zurück in die 80er Jahre, als Halberstadt „von einer neoliberalen SPD-Führung“ aus der Partei gedrängt worden sei. Der Sozialist habe seine Prinzipien dennoch „unverdrossen weitergetragen“. Die „persönlichen Brüche“ mit den „eigenen Genossen“ hätten ihm gleichwohl zu schaffen gemacht.

Eine Traueranzeige für Halberstadt, die am Samstag in der FR erscheinen wird, haben mehr als 300 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wissenschaft unterzeichnet, darunter die Bundesvorsitzende der Linken, Janine Wissler, ihr Vorgänger Bernd Riexinger, die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und die frühere hessische SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti.

Sobald die Corona-Pandemie es zulässt, will der „Club Voltaire“ zu einer „angemessenen Abschiedsfeier“ für Heiner Halberstadt einladen.

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