1. Startseite
  2. Frankfurt

Feldmann kündigt Einstieg der Stadt bei Binding an: Koalition sauer über den Vorstoß

Erstellt:

Von: Steven Micksch

Kommentare

Der Frankfurter OB Peter Feldmann (SPD) hat bei einer Demo eine mögliche Beteiligung der Stadt bei Binding thematisiert. Die Koalition im Römer weiß aber von nichts.

Frankfurt – Steigt die Stadt Frankfurt bei Binding ein und hält die Brauerei dadurch in der Mainmetropole? Diese Frage stellte sich, als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Samstagvormittag bei der Binding-Demo am Werkstor aufhorchen ließ mit der Aussage, dass man diskutiere, ob die Stadt mit einsteige beim großen Konzern.

Mittlerweile hat Feldmann ein offizielles Statement herausgegeben, das deutlich vorsichtiger klingt: „Ich schlage vor, dass wir als Stadt gemeinsam mit Binding prüfen, ob ein Einstieg die Schließung verhindern könnte, zum Beispiel über einen Investitionszuschuss zur Modernisierung einer Anlage oder einen Anteilserwerb. Die Prüfung, was möglich ist, erfolgt allerdings vertraulich und wird erst im nächsten Jahr abgeschlossen sein.“

Frankfurt will laut Feldmann bei Binding einsteigen: Koalition ist sauer

Die Koalitionspartner im Römer sind nach dem Versprechen vom Wochenende maximal verärgert. Julia Eberz, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Römerfraktion der Grünen, erklärt, ihre Partei habe „mit großer Verwunderung [...] die Aussage von Oberbürgermeister Peter Feldmann zur Kenntnis genommen, dass man über einen Einstieg der Stadt bei Binding diskutiere“. Weder der Fraktion der Grünen im Römer noch den grünen Magistratsmitgliedern seien solche Diskussionen bekannt. Sie stellt klar: „Der Einstieg einer Kommune in ein privates Unternehmen wäre in vielerlei Hinsicht problematisch und fragwürdig – sowohl aus rechtlicher als auch aus finanzieller Sicht.“ Sie warf dem OB rein wahltaktische Gründe und das Bauen von Luftschlössern vor.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher von Volt, Johannes Hauenschild, teilte mit, dass der Oberbürgermeister die Nöte der Binding-Angestellten instrumentalisiere. Er wecke unkoordiniert die Hoffnung, „es gäbe Gespräche über einen Einstieg der Stadt in ein privatwirtschaftliches Unternehmen“.

Die Radeberger Gruppe stellt die Bier-Produktion in Frankfurt zum Jahresende 2023 ein.
Die Radeberger Gruppe stellt die Bier-Produktion in Frankfurt zum Jahresende 2023 ein. © Renate Hoyer

Gewerkschaftler zur angeblichen Übernahme der Binding-Brauerei durch Frankfurt: „Ein guter Plan.“

Jürgen Hinzer, ehemaliger NGG-Gewerkschaftssekretär und nun auf Bitten des Betriebsrats und der Beschäftigten der Binding-Brauerei Unterstützer des Arbeitskampfes, würde einen Einstieg der Stadt natürlich begrüßen. „Das wäre ein mehr als guter Plan.“ Vorbild könnten die staatlichen Brauereien in Bayern oder Baden-Württemberg sein. Hessen pflege ja auch ein Staatsweingut. Warum nicht auch eine Brauerei führen?

Doch auch Hinzer weiß, dass der Oetker-Konzern, zu dem Binding mittlerweile gehört, nicht wirklich an einem Verkauf interessiert ist. Er sieht den lukrativen Grundstückspreis als treibende Kraft – und dieser steige weiterhin an. Dass die Stadt nun sage, dass nur eine gewerbliche Nutzung für das Grundstück der Brauerei infrage komme, beruhige ihn nicht. Bei Henninger habe die Stadt gleiche Reden geschwungen. Nachdem das Grundstück dann jahrelang brach lag, knickte die Stadt ein. Das Ergebnis ist bekannt: Die Luxuswohnungen im Henninger Wohnturm kosten Summen im Millionenbereich. (Steven Micksch)

Auch interessant

Kommentare