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Kämpfen für den Erhalt der Bäume auf der Ginnheimer Landstraße: Wolf-Ulrich Herres, Claudia Topp, Thomas Heidingsfelder (von links nach rechts).

Bockenheim

Kampf um Kirschpflaumen

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Anwohner der Ginnheimer Landstraße befürchten, dass weitere Bäume gefällt werden. Laut Grünflächenamt sind Nachpflanzungen wegen Leitungen im Erdreich nicht möglich.

Das sind unsere Bäume!“ ist in Großbuchstaben auf die grüne Holztafel geschrieben. Ruhig dreht sie sich im Wind, sodass auch die andere Seite erkennbar ist: „Wir wollen sie!“ Nein, nicht etwa an den Hainbuchen im Hambacher Forst, sondern an den Ästen der rotbraunen Kirschpflaumen in der Ginnheimer Landstraße baumeln dieser Tage viele solcher Schilder. Aufgehängt hat sie Thomas Heidingsfelder, ein Bewohner der Straße, weil das Grünflächenamt Mitte August vier der Bäume gefällt hat.

In der Nachbarschaft herrscht darüber Unverständnis. „Das sind 40 Jahre alte Bäume gewesen, das tut mir richtig weh“, sagt Claudia Topp, „in der Straße klaffen richtige Lücken.“ Die Anwohnerin kämpft für den Erhalt der übriggebliebenen Kirschpflaumen. Sie hat einen Mailverteiler angelegt, mit Nachbarinnen das Gespräch gesucht. „Selbst im Supermarkt habe ich Leute darüber reden hören“, sagt die 52-Jährige.

Nach Angaben des Grünflächenamt seien die Bäume von Pilzen und Fäule befallen gewesen. Nachpflanzungen seien nicht möglich, da eine unter dem Grünstreifen verlaufende Wasserleitung entdeckt wurde. Die könnte mit den Wurzeln der Bäume „in Konflikt geraten“, wie Johannes Guth, Mitarbeiter im Grünflächenamt, auf Anfrage der FR bestätigte. „Die Leitungen werden etwa 60 bis 80 Zentimeter unter der Erde vermutet. Allein der Ballen eines Baumes, den wir neu pflanzen könnten, liegt 40 bis 50 Zentimeter tief.“. Laut Richtlinie dürfe ein Abstand von 1,5 Metern zwischen Wurzeln und Leitungen bei Neupflanzungen nicht unterschritten werden. Die übrigen Kirschbäume könnten erstmal stehenbleiben.

Doch die Nachbarn sind mit der Reaktion des Amtes unzufrieden. Auch Wolf-Ulrich Herres habe sich „mehr Transparenz“ seitens der Stadt gewünscht, sagt der Ingenieur. Er wäre gern vorab informiert worden. Herres und Topp wendeten sich deshalb an den Ortsbeirat. Der forderte nun den Magistrat auf, in Absprache mit den Anwohnern neue Standorte zu prüfen. Dass die Bäume fort seien, wäre „schmerzlich“, sagt Edeltraut Damerow (Grüne), darum begrüße sie das Engagement der Nachbarschaft.

Demnächst werden die Wurzelstümpfe aus dem Boden gefräst. Anschließend könne die Tiefe der Trassen erneut geprüft werden. Auch, ob weitere Leitungen unter dem Grünstreifen verlaufen, so Guth: „Wenn es möglich ist, pflanzen wir nach. Geht das nicht, prüfen wir neue Standorte“. Dabei sei das Amt für „Vorschläge offen“.

Wenn es nach Herres ginge, könnten ein paar Parkplätze durch Bäume ersetzt werden. „Das würde gleichzeitig zur Verkehrsberuhigung beitragen“, vermutet Topp. Es geht den Nachbarn jedoch nicht allein um den Erhalt der halben Allee. „Wir wollen Mitsprache“, sagt Herres.

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