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Kampf für sichere Abtreibung

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Von: Yağmur Ekim Çay

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Frankfurt. 28.09.2022. Safe Abortion Day, Kundgebung und Demo, Willy-Brandt-Platz. „Unser Koerper, unsere Wahl!“
 Rund 100 Leute zogen am Mittwochabend bis zur Galluswarte unter dem Motto „Unser Körper, unsere Wahl. Gegen Patriarchat und Kapital“ © Renate Hoyer

Mehrere Kundgebungen und Veranstaltungen zum „Safe Abortion Day“

Der Staat hat in unseren Gebärmüttern nichts zu suchen“, sagt eine Rednerin am Mittwoch bei einer Kundgebung. Zum internationalen Tag der sicheren Abtreibung, „Safe Abortion Day 2022“, haben in Frankfurt und Offenbach verschiedene Veranstaltungen und Kundgebungen stattgefunden.

Unter dem Motto „Unser Körper, unsere Wahl. Gegen Patriarchat und Kapital“ organisierten verschiedene linke Gruppen eine Kundgebung am Willy-Brandt-Platz. Rund 100 Leute zogen am Mittwochabend bis zur Galluswarte. Dabei wurde auf die Situation von Frauen in verschiedenen Ländern aufmerksam gemacht, darunter in Polen, den USA und im Iran. „Wenn der Staat uns die Abtreibung verbietet, führt das nicht zu weniger Abtreibungen“, sagte eine Rednerin, „es führt dazu, dass Frauen Abtreibungsmethoden ausprobieren, die sie das Leben kosten können.“ Sie kritisierte die „feministische Außenpolitik“ der Grünen, die ihrer Meinung nach zu Frauenrechtsverletzungen in anderen Ländern schweigt.

Pro Familia: Mahnwachen vor der Beratungstelle

Eine weitere Kundgebung fand vor der Beratungsstelle von Pro Familia in Bockenheim statt. Die linken Gruppen Antifaschistische Basisgruppe, Feministisches Streikkollektiv, Ffem und Kritik und Praxis forderten die Abschaffung des Paragraphen 218, die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen sowie die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln und Abbrüchen. „Alle Schwangeren müssen das Recht auf und den Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch haben“, sagte eine Rednerin. „Selbstbestimmung ist ein grundlegendes Menschenrecht und muss daher genauso umfassend für Menschen, die schwanger werden können, gelten, wie für alle anderen auch.“

Aufmerksam gemacht wurde auch auf die „Mahnwachen“ fundamentalistischer Christ:innen, die sich wieder unter dem Motto „40 Tage für das Leben“ vor Pro Familia treffen. Auf kommunaler und Landesebene wurde bereits 2021 eine Lösung gegen sogenannte Gehweg-Belästigungen gesucht, um vor den Beratungsstellen Schutzzonen einzurichten, doch hieß es, dass es eine Regelung auf Bundesebene geben soll.

„Safe Abortion und körperliche Selbstbestimmung –Für alle, jederzeit und überall“ fordern die Demonstrant:innen vor Pro Familia.
„Safe Abortion und körperliche Selbstbestimmung –Für alle, jederzeit und überall“ fordern die Demonstrant:innen vor Pro Familia. © Renate Hoyer

Bundesfamilienministerium: Eine neue Regelung schon in diesem Jahr

„Die Menschen, die zur Beratung hier gehen müssen, haben keinerlei Schutz an der Stelle. Sie müssen sich diesen Leuten aussetzen“, sagte die Stadtverordnete Daniela Mehler-Würzbach (Linke) und fügte hinzu, dass die Regelung vom Familienministerium von der Bundesebene zurück auf die Landesebene verwiesen worden sei. „Es kann nicht sein, dass sich niemand dafür zuständig hält, dass die Ratsuchenden, ungewollt Schwangeren Unterstützung, flächendeckend Beratung und Gesundheitsversorgung bekommen.“

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) kündigte bereits am Mittwoch bei der Regierungsbefragung im Bundestag an, dass noch in diesem Jahr mit einer neuen Gesetzesregelung gerechnet werden könne, die die Belästigung durch Abtreibungsgegner:innen in Zukunft zu einer Ordnungswidrigkeit macht. Es sei jedoch wichtig, das bundesweit einheitlich zu regeln.

In Frankfurt und Offenbach fanden am Abend die Filmvorführungen „Risse im Patriarchat“ sowie „Wie wir wollen“ zum „Safe Abortion Day“ statt.

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