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Kammeroper Frankfurt: Dreigroschenoper zur Premiere

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Braucht keine Räume mehr suchen: Rainer Pudenz, Leiter der Kammeroper.
Braucht keine Räume mehr suchen: Rainer Pudenz, Leiter der Kammeroper. © Boeckheler

Die Kammeroper zieht in die „Fabrik“ und will mit offenen Proben junge Leute ansprechen.

Mit der Vertragsunterzeichnung Ende Januar stand es fest: Die Kammeroper Frankfurt wird in das Kulturwerk „Fabrik“ in Sachsenhausen ziehen. Die denkmalgeschützte ehemalige Ölfabrik wird dafür unter anderem einen Konzert- und Theatersaal inklusive Proberaum bekommen. Mit dem Vertrag sei ein „wesentlicher Meilenstein erreicht“, sagt Karsten Heidebrecht, Vorstand der Wagner-Heinz-Stiftung, der Eigentümerin des Gebäudekomplexes.

„Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass wir ein Zuhause haben“, bestätigt Rainer Pudenz, Leiter der Kammeroper Frankfurt. Durch einen festen Standort könne man flexibler arbeiten und die komplizierte Raumsuche vermeiden, erklärt Pudenz. „Ich habe sogar schon bei mir zu Hause geprobt“. Da sei ein Proberaum ein echter Luxus.

Bis 2045 soll die Kammeroper 100 Tage im Jahr die „Fabrik“ bespielen. Für Pudenz könne die Zusammenarbeit sogar „ewig bestehen“. Das Ensemble muss keine Miete zahlen, da die verstorbene Eigentümerin die Förderung der Oper als Stiftungszweck festgelegt hat, erklärt Heidebrecht. Auch das Atelier Goldstein, das 17 Künstler:innen mit Behinderung einen Arbeitsraum bietet, und die Kulturveranstaltungen im Gewölbekeller sind Teil des Stiftungszwecks und damit mietfrei.

Mit der Kammeroper hat Pudenz rund 120 Produktionen in Frankfurt und anderen Städten inszeniert, im März soll das 40-jährige Bestehen gefeiert werden. Doch Pudenz plant bereits weit im Voraus. In der „Fabrik“ werde es wahrscheinlich drei Produktionen pro Jahr geben, berichtet er. Auch das Eröffnungsstück steht für den Leiter bereits fest. Es wird die Dreigroschenoper zur Premiere geben. „Die Architektur des Gebäudes riecht doch förmlich danach.“

Neben Ideen für Inszenierungen sind öffentliche Proben eine weitere Herzensangelegenheit für Pudenz. „Ich möchte Menschen, vor allem junge Leute, näher an die Oper bringen und Intimität erzeugen“, erklärt er. Die offenen Proben sollen zudem Angst vor der Oper nehmen, die schon lange nicht mehr nur etwas für die gesellschaftliche Oberschicht sei.

Den Umbau des Gebäudes, das im Stil der typischen Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts errichtet wurde, plante der Architekt Karl Dudlerschon vor über 15 Jahren. Noch sehen der ölige Boden, die zugigen Lichtschächte und die bröckelnde Fassade zwar mehr nach der alten namensgebenden Fabrik als nach einem Konzertsaal aus, Heidebrecht ist aber optimistisch. Wenn der Bauantrag im April bewilligt werde, könne im Herbst dieses Jahres mit dem Umbau und der Sanierung begonnen werden, so Heidebrecht weiter.

Die klassische rote Fassade soll dabei neu erstrahlen, und auch originale Stahlträger und Lichtschächte von 1881 blieben erhalten. Ein moderner Kulturort mit industriellem Flair im Herzen Sachsenhausens, so lautet die Idee. Neben dem Proberaum und Konzertsaal, in dem bis zu 200 Besucher:innen Platz finden, werde außerdem eine kleine Gastronomie gebaut, die ganzjährig geöffnet sei, sagt Heidebrecht. Auch was Barrierefreiheit angehe, gebe es Neuerungen. „Ein Fahrstuhl wird künftig alle Etagen der „Fabrik verbinden“, betont Heidebrecht. Aktuell sei die Teilnahme an Veranstaltungen für Menschen mit Gehbehinderungen aufgrund vieler Treppen „leider keine Option“. Dies sei ein großes Manko des aktuellen Gebäudes.

Die Kosten für den Umbau schätzt Heidebrecht auf aktuell 4,5 Millionen Euro, von denen der Großteil durch die Stiftung selbst getragen werde.

Wer sich die „Fabrik“ vor der umfassenden Modernisierung ansehen möchte, kann jeden Mittwoch an einer öffentlichen Führung teilnehmen, bevor in nicht allzu ferner Zukunft Bertolt Brechts Dreigroschenoper durch das Gebäude hallen wird. (Greta Hüllmann)

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