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Im Hintergrund Katja Heubach und Manfred Undt ...

Palmengarten in Frankfurt

Kamelienausstellung im Palmengarten beginnt

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Die Kamelienausstellung im Frankfurter Palmengarten kündet schon ein wenig vom Frühling.

Früher wurden Ausstellungen im Palmengarten mit einer Rede (oder zwei oder drei) eröffnet. Jetzt ist alles anders. Und das kann ziemlich lustig sein.

Donnerstag, 11 Uhr. Die jährliche Kamelienausstellung beginnt. Es sind auch alle maßgeblichen Personen da, von der Palmengartendirektorin über den Verwaltungschef bis hin zum Team der Gärtner und Gestalter. Wichtigster Mensch heute ist aber zur Abwechslung mal Manfred Undt, seines Zeichens „Kulturführer der Kamelien, Zimmerazaleen und der Botanischen Pelargonie“ im Palmengarten. Pela- was? „Sie können auch Geranie sagen.“

Manfred Undt wird die ersten Gäste heute mit einer kleinen Führung durch die Pflanzengalerie geleiten. Er kennt praktisch alles, was in seinem Zuständigkeitsbereich wächst, mit Vornamen. Wen er noch nicht kennt, ist Irmgard Edelmann. Aber er wird sie in der nächsten halben Stunde kennenlernen.

160 Kamelien aus etwa 80 Sorten sind zu sehen, von der millimeterkleinen Blüte bis zum Exemplar mit 20 Zentimetern Durchmesser. Weiß, rosa und rot schauen sie den Besuchern entgegen. Nur gelb nicht. „Gibt’s keine gelben?“, fragt eine Dame dazwischen, kaum dass Manfred Undt seine Runde begonnen hat. Doch, doch, sagt der Fachmann, bisher nur als Naturpflanze, die erst vor zehn Jahren in Vietnam entdeckt worden sei, aber bald auch im Palmengarten. Trockene Antwort der Besucherin: „Aha – die gelben Kamelien verstehen uns noch nicht.“ Das Publikum kichert.

Wie sich herausstellt, handelt es sich bei der besonders interessierten Besucherin um Irmgard Edelmann, Jahrgang 1931. Sie habe, erklärt sie, noch nie eine Ausstellungseröffnung im Palmengarten verpasst. Eine reife Leistung – muss sie doch jedes Mal aus Pfungstadt anreisen: „Erst mit dem Bus, dann mit dem Zug, dann mit einem anderen Zug, dann mit der U-Bahn und das letzte Stück zu Fuß.“ Im Schlepptau eine ganze Gruppe von Menschen, denen sie die Pflanzenwelt näherbringen will. Und wenn sie schon mal hier ist, spricht sie Manfred Undt auf den Dickmaulrüssler an. Das sei ein gefährlicher Schädling, antwortet Undt. Dagegen gebe es Täfelchcn mit einem bestimmten Gel. „Wenn der Kamerad sich da entlangmacht und mit dem Gel in Kontakt kommt, wird sein Panzer aufgelöst.“ Irmgard Edelmann: „Und dann ist es vorbei mit ihm.“

Transport  ist für Kamelie Stress

Eine sensible Sache: der Transport der Kamelie. Undt: „Das ist Stress für die. Die ist ein Pienzche!“ So empfindlich. Deshalb achtet er im Sommer gut darauf, sie in den Schatten zu stellen. „Denn wenn’s hier am Blattrand braun wird...“ – „...hatse was an de Worzel!“, assistiert Irmgard Edelmann. „Nee, dann hatse’n Sonnebrand!“, sagt Manfred Undt. „Wie bei Ihnen, wenn Sie zu lang...“ – „Ich hab aber kei’ braune Blattränder!“ Das Publikum biegt sich vor Vergnügen.

„Ich mach’ das zum ersten Mal“, gesteht der Kulturführer den Leuten, die ihn sogleich für die interessante Führung loben – zu Recht. Man erfährt so viel über die Kamelie als Tee- und Ölpflanze und auch als Nicht-Marmeladenpflanze. „Das war sehr spannend“, lobt Direktorin Katja Heubach und ermuntert die Gäste: „Gibt’s noch Fragen?“ Ja. Irmgard Edelmann: „Was gibt’s zu essen?“

Wer mehr über Kamelien wissen will: Die schöne Ausstellung läuft bis zum 10. Februar. Und wer mehr darüber wissen will, wie man mit 87 solch ein fröhlicher und spontaner Mensch sein kann: Die nächste Ausstellungseröffnung im Palmengarten kommt bestimmt – Irmgard Edelmann kommt ganz sicher.

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