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„Von der neuen Sportanlage profitieren mehrere Vereine“

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Von: Fabian Böker

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Ulrike Neißner vor der IGS Kalbach-Riedberg, die im September eröffnet wurde.
Ulrike Neißner vor der IGS Kalbach-Riedberg, die im September eröffnet wurde. © Rolf Oeser

Ortsvorsteherin Ulrike Neißner spricht über das neue Sportareal an der Altenhöferallee, mögliche Schulstandorte und geplante Quartiersbegehungen, um die Spaltung zwischen Kalbach und Riedberg zu überwinden.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2022 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es in diesem Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 12 (Kalbach-Riedberg).

Frau Neißner, Sie hatten zu Beginn des vergangenes Jahres zusammen mit ihrer Stellvertreterin Susanne Kassold (SPD) eine monatliche Sprechstunde eingeführt, weil durch Corona nicht so viele Menschen an den Sitzungen teilnehmen konnten. Sie haben das Angebot wieder eingestellt. Warum?

Wir haben das Angebot zum Ende des ersten Halbjahres eingestellt, weil die Resonanz leider nur mäßig war. Die Bürger:innen haben aber erkannt, dass wir ein offenes Ohr haben und haben sich vermehrt per E-Mail an mich gewendet. Ab diesem Frühjahr planen wir Quartiersbegehungen.

Die Sitzungen mussten lange außerhalb des Ortsbezirks stattfinden, weil es in Kalbach-Riedberg keine geeigneten Räumlichkeiten gibt. Mittlerweile geht das wieder. Wie wichtig war das für die Bindung zu den Menschen vor Ort?

Die Bindung hat nach meinem Empfinden nachgelassen. Es kommen zwar jetzt wieder mehr Besucher und Besucherinnen, aber immer noch weniger als vor der Pandemie. Außerdem stellen wir fest, dass Riedberger eher nicht zu den Sitzungen in Kalbach kommen und umgekehrt. Auch deshalb wollen wir die Quartiersbegehungen einführen.

Was glauben Sie, woher kommt diese Trennung zwischen Kalbach und Riedberg?

Zum einen haben sich viele Kalbacher gegen die Bebauung des Riedbergs gewehrt. Zum anderen gibt es in Kalbach einen starken Zusammenhalt, der den sukzessiven Bevölkerungszuwachs gut integrieren kann, während der Riedberg vor wenigen Jahrzehnten erstmals bebaut wurde und dadurch erst seine eigene Identität finden muss, was oftmals mit einer Abgrenzung nach außen vor sich geht. In Gesprächen ist dann immer wieder festzustellen, dass die Bewohner und Bewohnerinnen den Stadtteil nicht als eine Einheit empfinden. Hier die „Alt“-Kalbacher, dort die Riedberger Neubürger.

Was genau sollen dann die von Ihnen erwähnten Quartiersbegehungen bewirken?

Davon erhoffen wir uns, dass wir die Lebensumstände der Menschen sowie ihre Nöte und Anregungen besser verstehen können.

Der Magistrat hat mehrfach zugesagt, sechs Haltestellen an der Buslinie 29 zu überdachen. Seit 2016 weist der Ortsbeirat darauf hin, geschehen ist nichts. Wie soll es weitergehen?

In der Sitzung vom 9. Dezember haben wir zum dritten Mal an die bereits für 2022 zugesagten Überdachungen erinnert. Erfreulicherweise konnten wir aber feststellen, dass in diesen Tagen die Haltestelle Henning-von-Tresckow-Straße umgebaut und mit Wartehäuschen versehen wurde.

Im September wurden Giftköder auf der Hundewiese im Bonifatiuspark ausgelegt, zwölf Hunde starben. Die Auslauffläche soll nun verlegt werden an das nordöstliche Ende des Areals. Gibt es mittlerweile Hinweise auf den oder die Täter oder Täterinnen?

Meines Wissens gibt es noch keine Hinweise auf den Täter oder die Täterin. Im Ortsbeirat wurde im Oktober dazu aber eine Resolution verabschiedet, in der die feigen Giftmorde entschieden verurteilt werden. Es wird betont, dass es sich „auf jeden Fall um eine Straftat handelt, die nicht zu rechtfertigen ist“. Mit der Resolution will der Ortsbeirat auch den Hundehalterinnen und Hundehaltern sein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken.

Die Außenstelle des Bürgeramtes war seit Beginn der Corona-Pandemie geschlossen. Mittlerweile gibt es dort eine neue Situation, oder?

Ja, die Außenstelle wurde am 1. Dezember endlich und vor allem mit einem breiteren Angebot wiedereröffnet.

Zur Person

Ulrike Neißner ist Diplom-Soziologin. Sie vertritt seit 2008 die Grünen im Ortsbeirat 12 und steht dem Gremium seit der Wahl 2021 vor. Neißner ist auch Schiedsperson für den Ortsbezirk.

In Kalbach-Riedberg wohnen 22 851 Menschen (Stand 30. Juni 2022). Die CDU stellt mit sechs Mandaten die größte Fraktion. Auf fünf Sitze kommen die Grünen, mit drei Personen ist die SPD vertreten, mit zwei die FDP. Über je einen Sitz verfügen Volt, Linke und BFF.

Die erste Sitzung des Ortsbeirats 12 in diesem Jahr findet am Freitag, 27. Januar, um 19.30 Uhr im Saal der Katholischen Kirche St. Edith Stein, Zur Kalbacher Höhe 56, statt. bö

Die Johanna-Tesch-Schule soll nach Kalbach-Riedberg ziehen, derzeit läuft die Suche nach einem Standort. Eine Option ist das Areal an der Talstraße. Wäre das aus Ihrer Sicht eine gute Wahl?

Ich weiß nicht, ob man bei dem Mangel an Flächen für Schulen sich den Luxus erlauben kann, einen Standort als gut oder schlecht zu bezeichnen. Aus verkehrstechnischer Sicht – Stichwort U-Bahn-Anbindung – ist der sich in der Prüfung befindende Standort eine Superlage. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass der danebenliegende Gewerbestandort gefährdet ist. Genaueres wird ein Gutachten ergeben.

Eine andere Schule wurde im September eröffnet, die IGS Kalbach-Riedberg. Mit Zwei-Felder-Sporthalle für den Stadtteil sowie einem Beratungs- und Förderzentrum für Jugendliche. Wie wichtig ist diese Schule?

Sehr wichtig. Der Ortsbezirk brauchte eine zusätzliche weiterführende Schule. Dass diese als IGS gegründet wurde, ist eine Bereicherung.

Passend zum einjährigen Bestehen des Rufbus-Systems „Knut“ wurde das Angebot ab Herbst erweitert, die Busse steuern nun auch Ihren Stadtteil an. Können Sie schon ein erstes Fazit ziehen?

„Knut“ ist eine wichtige Ergänzung des ÖPNV, aber noch nicht ausreichend bekannt. Mit seinem dichteren Netz an Bussen könnte es gerade auch für ältere Mitmenschen eine gute Möglichkeit sein, mobil zu bleiben. Wir würden uns freuen, wenn weitere Nachbarstadtteile mit aufgenommen werden können.

Diskussionen gibt es schon länger um die Kalbacher Hauptstraße, die an einigen Stellen so eng ist, dass Autos, Busse und Lastwagen auf den Gehweg ausweichen müssen, was Fußgänger und Fußgängerinnen in Gefahr bringt. Der Ortsbeirat hat mehrere Vorschläge gemacht, um die Situation zu entschärfen, doch der Magistrat hat sie alle abgelehnt. Was wäre Ihrer Meinung nach die beste Lösung?

Die Anregung, einen Ideenwettbewerb für die Gestaltung der Straße zu veranstalten, wurde vom Magistrat noch nicht beantwortet. Vielleicht würden sich da Lösungen ergeben, an die wir noch gar nicht gedacht haben. Ansonsten wäre schon viel gewonnen, wenn der innerörtliche Individualverkehr reduziert werden würde.

Am Riedbergplatz sollen im Rahmen einer groß angelegten Umgestaltung unter anderem 24 Bäume gepflanzt werden. Ist das mittlerweile passiert?

Nein, bisher nicht. Zum einen ist die Gesamtfinanzierung noch nicht beschlossen, zum anderen ist das eine hochkomplexe Angelegenheit, da unterhalb des bisher versiegelten Platzes Versorgungsleitungen liegen. Weiterhin müssen laut Aussage der Leiterin des Grünflächenamtes noch Bodenanalysen durchgeführt werden.

Davon unabhängig sollen auch die Vorplätze am Jugendhaus und am Gymnasium begrünt werden. Geht es vordergründig um die Optik, oder spielen auch Klimaaspekte eine Rolle?

Die Anregungen des Ortsbeirates stehen eindeutig im Zusammenhang mit der Klimadiskussion. Mehr Grün und Bäume sollen die im Sommer überhitzten Plätze etwas kühlen.

Durch die Neubausiedlung „Berghöfe“ drohen laut Ortsbeirat Engpässe bei der Kinderbetreuung. Eine Lösung sollte der Neubau der Kita Sonnenwind sein. Wie ist da Stand der Dinge? Die in einer Stellungnahme angekündigte Vorstellung der Planungen im Ortsbeirat ist noch nicht erfolgt. Der Neubau der Kita Sonnenwind wird aber keine zusätzlichen Kita-Plätze schaffen, sondern nur den Hort und die Grundschule 1 entlasten. Der Magistrat hat zwar den Bau einer neuen Kita bestätigt, ohne allerdings einen Zeitplan bekanntzugeben. Daher drohen zumindest kurzfristig Engpässe in der Kinderbetreuung. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück läuft noch und wird von uns, den Ämtern und der Kinderbeauftragten des Riedberg aktiv unterstützt.

Für rund 15 Millionen Euro soll an der Altenhöferallee eine zweite Sportanlage entstehen. Die Arbeiten sollten im Idealfall dieses Jahr beginnen, doch der Magistrat hielt das für schwierig. Wie hat sich das Thema entwickelt?

Trotz der monatelangen Vakanz im Bereich Leitung Neubau des Sportamtes sind die Planungen nach Aussagen des neuen Leiters im Zeitplan. Der nächste Schritt wird die Baufeldfreimachung im Bereich der ehemaligen Kita sein, der Bereich muss auf Kampfmittel geprüft werden. Wenn dann alles planmäßig verläuft und die Mittel freigegeben sind, kann der Spatenstich im Laufe dieses Jahres erfolgen. Die Anlage wird vom Sportamt selbst verwaltet werden, wodurch mehrere Vereine davon profitieren sollen. Ganz besonders freut sich der Riedberger SV darauf, der aktuell beim FC Kalbach Trainingszeiten für Fußball nutzen darf.

Interview: Fabian Böker

Kalbach-Riedberg ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Aber noch nicht zusammengewachsen.
Kalbach-Riedberg ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Aber noch nicht zusammengewachsen. © dpa

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