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Traum von der eigenen Arztpraxis

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Von: Brigitte Degelmann

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Phöbe Sfenodis und Arzthelferin Maria del Carmen Aguirre gehen die Patietenlisten durch.
Phöbe Sfenodis und Arzthelferin Maria del Carmen Aguirre gehen die Patietenlisten durch. © hamerski

Phöbe Sfendonis hat die Hausarztpraxis in der Talstraße in Kalbach übernommen. Die 48-jährige Frankfurterin bringt viel Erfahrung als Kinderchirurgin mit. Mit ihrem Team will sie künftig fernöstliche Heilmethoden anbieten, Yoga und Autogenes Training anbieten.

Wenn ältere Kalbacher zu Phöbe Sfendonis (48) kommen, bleiben sie oft vor den Fotos stehen, die den Flur der Hausarztpraxis zieren. Dort hängt beispielsweise eine alte Schwarzweiß-Aufnahme von einstigen Kalbacher Kerbeburschen. Und ein Bild, auf dem eine Handvoll Menschen fröhlich in die Kamera blickt. „Das ist mein Vorvorgänger Volker von der Heyden mit seinem Team“, sagt die Medizinerin. „Er hat die Praxis aufgebaut. Heute wohnt er nebenan und ist jetzt mein Vermieter, wir haben ein super Verhältnis. Die Leute freuen sich, wenn sie die Fotos sehen, die gucken sich das gerne an.“

Ansonsten hat sich in den Räumen in der Talstraße viel verändert, seit Phöbe Sfendonis Anfang Januar die Praxis übernommen hat, in der sie nun mit ihren beiden Kolleginnen Silva Zitzmann und Jennifer Festerling sowie vier Arzthelferinnen zusammenarbeitet. Denn die ersten fünf Wochen des Jahres nutzten sie für eine gründliche Renovierung: die Wände in einem freundlichen Grün-Ton streichen, neue Möbel zusammenbauen und aufstellen – und nebenbei eine Notfallsprechstunde samt Corona-Impfungen managen. Ein Kraftakt, der sie aber auch zusammengeschweißt habe, sagt sie: „Ich habe ein tolles Team.“

Dass sie eines Tages eine Hausarztpraxis leiten würde, hätte sie sich vor einigen Jahren vermutlich schwer vorstellen können. Denn ursprünglich ist die gebürtige Frankfurterin, die in Reichelsheim aufwuchs, Kinderchirurgin. Nach dem Studium in Frankfurt arbeitete sie in der Abteilung für Unfall-, Allgemein- und Kinderchirurgie im Bürgerhospital und in der Kinderklinik in Offenbach, bevor sie nach ihrer Facharztanerkennung 2015 die Sprechstunden für Kinderurologie und Verbrennungen im Bürgerhospital leitete.

Schon damals habe sie mit dem Gedanken geliebäugelt, sich mit einer eigenen Kinderchirurgie-Praxis selbstständig zu machen, sagt sie. Auch deshalb, weil sie sich mit der zunehmenden Ökonomisierung in den Kliniken schwergetan habe. Und weil ihr die häufigen Bereitschaftsdienste zu schaffen machten: „Wenn man Familie hat, verpasst man so viel“, sagt die verheiratete Mutter zweier Töchter. Das Problem: Sämtliche chirurgische Arztsitze in der Region sind besetzt – „da hat man überhaupt keine Chance“.

Irgendwann kam ihr die Idee, auf Allgemeinmedizin umzusatteln. Da habe man viele Freiheiten, sagt sie – könne auch kleinere Operationen vornehmen. Und: Da gibt es noch freie Arztsitze. So absolvierte sie die entsprechende Facharztausbildung, in einer Praxis in Niederursel und auch in Kalbach, wo damals noch ihre beiden Vorgängerinnen Michaela Hohberger und Maria Bosch tätig waren. Als die beiden Ende 2021 in den Ruhestand traten, bot sich ihr endlich die Gelegenheit, den Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen. Noch dazu in einer „richtigen Landarztpraxis“ am Stadtrand, wie Phöbe Sfendonis sagt – für viele Menschen die erste Anlaufstelle bei allen möglichen gesundheitlichen Problemen. „Die Leute hier sind es gewöhnt, dass sie erst einmal zum Hausarzt gehen und nicht gleich zum Facharzt“, schildert sie.

Inzwischen nehmen sie und ihre Kolleginnen auch wieder neue Patienten auf – allerdings nur dann, wenn sie in Kalbach oder am Riedberg wohnen. Für andere reichten die Kapazitäten nicht, schränkt sie ein: „Ich finde es wichtig, dass man in seinem Stadtteil auch einen Hausarzt hat.“ Neben Hausbesuchen steht noch die Betreuung von Senioren im Bettinahof auf dem Riedberg sowie im Pfarrer-Münzenberger-Haus in Eschersheim auf ihrem Programm.

Viel zu tun, trotzdem hat sie für die Zukunft noch einiges vor. Etwa bei Behandlungen auch fernöstliche Heilmethoden zu nutzen. Vor gut zehn Jahren habe sie mit ihrer Familie einige Zeit in China gelebt, weil ihr Ehemann dorthin versetzt worden sei, erzählt sie. Die Zeit nutzte sie, um an der Universität Einblicke in Traditionelle Chinesische Medizin zu gewinnen; später vertiefte sie ihr Wissen bei einem Akupunkturkurs in Heidelberg.

Auch ihre beiden Kolleginnen sind in Akupunktur bewandert, zudem sind sie ausgebildete Yogalehrerinnen und studieren derzeit Traditionelle Indische Medizin. Gut möglich also, dass in den Kellerräumen, die zu der Kalbacher Praxis gehören, bald auch Kurse für Gymnastik, Yoga und Autogenes Training angeboten werden.

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