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Suche nach einer neuen Bleibe

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Von: Sabine Schramek

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Sie haben ein neues Zuhause gefunden: Dutt und Rosa von der Initiative „We need homes to stay at home“ leben jetzt seit einigen Wochen auf einer Brache in Kalbach. Doch schon bald droht der nächste Umzug.
Sie haben ein neues Zuhause gefunden: Dutt und Rosa von der Initiative „We need homes to stay at home“ leben jetzt seit einigen Wochen auf einer Brache in Kalbach. Doch schon bald droht der nächste Umzug. © Enrico Sauda

Die Bauwagen-Initiative aus dem Ostend kann den Standort an der Talstraße in Kalbach nur bis Ende März nutzen. In naher Zukunft wollen sie mit der Bau- und mit der Umweltdezernentin über Lösungen sprechen.

Vor Weihnachten sind die elf Bau- und Wohnwagen der Initiative „We need homes to stay at home“ vom Ostend nach Kalbach gezogen. Sie mussten einem Hotelneubau am Ostbahnhof weichen. Doch auch auf der Brache im Norden der Stadt können sie nicht dauerhaft bleiben.

Die Initiative will auf Wohnungsnot, unerschwingliche Mieten und leerstehende Gelände aufmerksam machen. Dutt (30), Rosa (23) und Lisa (27) haben gemeinsam mit weiteren Bewohner:innen Holzpaneele über die vom Regen matschige Wiese gelegt, lagern Brennholz in selbst gezimmerten Holzkästen und trinken auf der kleinen Terrasse Kaffee. Rundum stehen elf bunte Bau- und Wohnwagen. „Wir sind gleichzeitig froh, dass wir hier sein dürfen und traurig, dass es bald schon wieder vorbei ist“, sagt Dutt.

Als Übergangslösung für den Winter hatte Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) den Bewohnern die Fläche in der Talstraße 107 bis Ende März zugewiesen. Auf dem Gelände, auf dem auch der Frankfurter Verein das Trainings- und Ausbildungszentrum „taz“ betreibt, die Reha-Werkstatt Oberrad sitzt und es eine Firma für Elektrotechnik gibt, soll die Johanna-Tesch-Schule gebaut werden. „Hier ist es ruhig und ganz anders als im Ostend“, sagt Rosa. „Es kommt niemand zufällig vorbei.“

Darum sei es nicht nur wegen des kalten und nassen Wetters schwierig, Gutes für die Nachbarschaft zu tun. Am Ostbahnhof hat die Initiative regelmäßig Workshops angeboten, Filmabende gemacht, mit Nachbarn gekocht und Tauschflohmärkte organisiert. „Wenn man weiß, dass man bald wieder hier weg ist, ist der Aufwand, sozialkulturelle Projekte für den Stadtteil zu organisieren, vor allem im kalten Winter sehr hoch“, sagt Lisa.

Ideen haben sie jede Menge und die Hoffnung, doch länger bleiben zu können oder einen Platz zu finden, den sie längerfristig nutzen dürfen. Einige Bewohner:innen des Wagenplatzes waren deshalb im Planungsausschuss und bei der Ortsbeiratssitzung, um sich und ihre Art zu leben vorzustellen. Mehr als 20 neue Standorte haben sie bereits vorgeschlagen. Vom Gallus über den Frankfurter Süden, vom Ostend bis zum Europaviertel. „Wir sind offen“, sagen die Drei.

Die Initiative macht sich stark für Wohnraum für alle. Sie weise auf Wohnungsnot hin, auf Mieten, die sich viele nicht leisten können und auf andere Wohnprojekte wie ihres. „Wir wollen niemandem irgendetwas wegnehmen, sondern leerstehende Flächen so lange beleben, bis sie wieder genutzt werden, um Zeichen zu setzen, dass es theoretisch Platz gibt.“ Mit Weber und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sind sie im Austausch, um Lösungen zu finden.

Nach Angaben von Baudezernentin Weber stehe sie für eine kritische Baupolitik und soziale Liegenschaftspolitik, die sich am gesellschaftlichen Bedarf orientiere und alle Gruppen im Blick habe. Dazu zähle auch die Übergangslösung für die Bauwagen in Kalbach. Umweltdezernentin Heilig bestätigt, dass gerade ein Termin für ein gemeinsames Treffen mit Weber, den Bewohnern und ihr abgestimmt werde. „Es geht um ein faires Miteinander, und die Gespräche sind aufseiten von Sylvia Weber und mir ebenso offen wie von der Initiative selbst.“ Es käme auch auf die Kriterien an, nach denen ein „Ort gefunden wird, wo sie nicht gleich wieder weggeschickt werden“.

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