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Von links: Gudrun Köhler hilft, Claudia Spahn organisiert und Nicole Klöters mit Yael (sechs Monate) profitieren. 

Frakfurt-Riedberg

Riedberg: Ehrenamtler unterstützen Mütter im Alltag

Die Entlastung kommt gelegen, schafft Zeit fürs Aufräumen oder Papierkram. Projekt sucht dringend weitere Helfer.

Wenn Claudia Spahn von ihren vier ehrenamtlichen Helferinnen im Projekt „Wellcome“ erzählt, spricht sie gerne von „Engeln“. In den Ohren derjenigen, die von diesen Engeln unterstützt werden, dürfte das nicht übertrieben klingen: Im Fokus von Wellcome stehen Familien mit Babys, die mit der ehrenamtlichen Hilfe entlastet werden sollen. Für den Riedberg und benachbarte Stadtteile koordiniert Claudia Spahn von Familienzentrum Billabong das Projekt.

Einer ihrer Engel ist Gudrun Köhler. Seit gut zwei Monaten besucht die 63-Jährige, die am Riedberg wohnt, zweimal pro Woche Nicole Klöters und die knapp sechs Monate alte Yael. Hinter der jungen Familie liegen harte Zeiten. Als Yael wenige Wochen alt war, stand der Umzug von Bornheim nach Nieder-Eschbach an. Und: Yael war ein Schreikind. Stundenlang brüllte das kleine Mädchen ohne Unterlass, in durchdringender Lautstärke, die man dem zarten Geschöpf gar nicht zutraut, erzählt die Mutter. „Sie kriegt schon Dezibel zusammen, wenn sie schreit“, bestätigt Gudrun Köhler und hält Yael liebevoll ihren Finger hin, den das Baby vertrauensvoll umfasst.

Für Nicole Klöters, die mit der Kleinen meist allein ist, weil ihr Mann beruflich viel unterwegs sein muss, waren diese Wochen eine Tortur. Auch wegen der vielen Termine in Arztpraxen und Krankenhäusern, bis die Mediziner endlich herausfanden, dass Yael an einer Kuhmilch-Allergie leidet. Verwandte, die der Familie helfen könnten, leben weit weg. Irgendwann, erinnert sich die 40-jährige Mutter, sei sie kaum mehr zum Essen gekommen.

Das Projekt

Wellcomegibt es an rund 230 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vier davon in Frankfurt. Für den Riedberg Claudia Spahn im Familienzentrum Billabong, Tel. 069 / 98 95 77 95 und 01 76 / 71 22 75 01, Mail: riedberg@wellcome-online.de

Frankfurt-West, Iris Meyer, Evangelisches Familienzentrum Höchst, Telefon 069 / 37 00 64 07, Mail:frankfurt.west @wellcome-online.de); Frankfurt-Süd betreut Heike Nocken-Höpker, Evangelische Familienbildung, Telefon 0 69 / 60 50 04 33, frankfurt.sued@
wellcomeonline.de; Frankfurt-Nord Katrin Große-Dresselhaus, Zentrum Familie, Haus der Volksarbeit, Telefon 01 51 / 14 77 61 83, E-Mail: frankfurt.
nord@wellcome-online.de). bid

Weitere Informationenunter
www.wellcome-online.de.

Eine besorgte Kinderärztin riet ihr schließlich, sich Unterstützung zu suchen. Aber wo? Aus lauter Verzweiflung bat Nicole Klöters vor gut drei Monaten in einem sozialen Netzwerk um Hilfe. Und hatte das Glück, dass Claudia Spahn ihre Nachricht las und sich bei ihr meldete – mit dem Vorschlag, es doch mit einer Ehrenamtlichen des Projekts Wellcome zu versuchen.

So kam Gudrun Köhler zu der kleinen Familie. Jeden Mittwoch- und Freitagnachmittag besucht sie Nicole Klöters und Yael, spielt mit der Kleinen, geht mit ihr spazieren, schaut mit ihr Bilderbücher an oder versucht, sie zum Einschlafen zu bringen. Und schafft damit ein wenig Freiraum für die 40-Jährige, damit sie dringenden Papierkram oder Telefonate erledigen kann. Oder den Keller aufräumen. Oder einfach mal durchatmen. Sehr zur Erleichterung von Nicole: „Vorher war jeden Tag Krisen-Bewältigung, das war nicht schön.“ Und auch Gudrun Köhler, die alleinstehend ist und früher Seminare in der Erwachsenenbildung organisierte, freut sich auf die Besuche in Nieder-Eschbach – bei ihrer Ersatzfamilie, wie sie es nennt: „Ich hab’ Zeit, ich bin fit, und es macht Spaß.“

„Moderne Nachbarschaftshilfe“ sei das Projekt, sagt Claudia Spahn. Der Bedarf sei vor allem am Riedberg groß, schließlich leben hier viele junge Familien, die keine Verwandten in der näheren Umgebung haben. Deshalb sucht die Koordinatorin noch nach weiteren Ehrenamtlichen, die sich gerne ein- bis zweimal pro Woche um junge Familien kümmern wollen – nicht nur um die Babys, sondern zum Beispiel auch um Geschwisterkinder, damit die sich nicht vernachlässigt fühlen.

„Es wäre schön, wenn wir zehn bis 15 Leute dafür hätten.“ Sie selbst kümmere sich um die Vermittlung und die Begleitung der Helfer, zum Beispiel bei regelmäßigen Treffen, zu denen auch Referenten eingeladen werden. Nicole Klöters ist von dem Projekt begeistert. Vor allem deshalb, weil sie hier so schnell Hilfe erhalten hat, die sie so dringend gebraucht habe: „Jetzt ist das Kind entspannter und die Mama auch.“

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