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Mohamed Hadhoud blickt voller Sorge in die Zukunft des Riedbergs.  

Riedberg

Protest gegen ABG-Neubau am Riedberg

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Anwohner im Französischen Viertel sorgen sich um die Licht- und Luftzufuhr. Sie finden, die städtische Wohnbaugesellschaft weiche bei ihrem Projekt zu sehr von den Planvorgaben ab.

Seit kurzem rollen die Bagger im französischen Viertel auf dem Riedberg. An der Ecke Cézanneweg / Zur Kalbacher Höhe soll ein Mehrfamilienhaus der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG entstehen. Die Anwohner sind davon alles andere als begeistert. Sie fürchten eine weitere Verschattung sowie eine gestörte Luftzirkulation.

Obendrein passe der geplante Neubau nicht in das Konzept der Parkstadt 2000, erklärt Anwohner Mohamed Hadhoud: „Man muss die Anlage als einen Kontext sehen.“ Denn innerhalb des Quartiers, dessen Viertel sich an der Architektur Frankreichs, Italiens, Spaniens und der Schweiz orientieren, sind Häuser und Elemente aufeinander abgestimmt. Die Bewohner dürfen selbst Kleinigkeiten nicht verändern.

Nicht zum ersten Mal entsteht dort ein Gebäude, das von den Parkstadt-Plänen abweicht. Diese waren Teil der Verträge zwischen dem Bauträger CKV und den Käufern. Statt eines durchgehenden Grünzuges thront ein großer Supermarkt am Eingang des Quartiers, mit Wohnungen darüber und Parkplatz davor. Anstelle großer Abstände zwischen freistehenden Gebäuden reicht das langgezogene Discounter-Gebäude bis auf wenige Meter an die Nachbarhäuser heran. Dadurch liegen viele Grundstücke bereits ab dem frühen Nachmittag im Schatten, Wege vermoosen.

Nun entsteht auf dem angrenzenden Grundstück der Neubau der ABG. 2012 konnten die Anwohner eine Bebauung noch verhindern. Damals hatten sie argumentiert, die Fläche solle als Ausgleich für die deutlich verschlechterte Licht- und Luftzufuhr wegen des Supermarktes entweder freigelassen oder zum Jugendspielplatz umgestaltet werden. „Als Schadensbegrenzung“, sagt Hadhoud.

Der Diplom-Ingenieur kämpft mit mehreren Familien gegen das aktuelle Projekt. Es beeinträchtige das Mikroklima weiter, da die letzte freie Fläche am Eingang des Viertels zugebaut werde. Außerdem sei es höher als zulässig und zu nah an der Regenwassermulde.

Wenn Gebäude errichtet werden sollten, dann wenigstens Reihenhäuser, die „sich harmonisch in die Gesamtbebauung einfügen“. So haben es die Anwohner in mehreren Schreiben an Verantwortliche der Stadt formuliert. Für die ABG war dies jedoch keine Option: „Wir sprechen eine andere Architektursprache als die Parkstadt 2000“, teilt ABG-Chef Frank Junker auf FR-Anfrage mit.

Stadt sieht kein Vergehen

Von der Stadt fühlen sich die Anwohner übergangen. Der Ortsbeirat lehnte im Mai einen Antrag der Grünen-Fraktion mehrheitlich ab, der auf „weitere klimatische Verschlechterungen“ hinwies. Und aus den zuständigen Dezernaten hieße es, die Bebauung sei immer so geplant gewesen, berichtet Hadhoud.

Doch offizielle Pläne der Stadt, die den Anwohnern seit 2002 aufgrund eines Streites um die Regenwassermulde vorliegen, zeigen die Bebauung des Quartier-Randes tatsächlich so wie die Kataloge der Kaufverträge. Warum also weichen das Supermarkt-Areal und der geplante Neubau davon ab?

Zusammenhängen könnte das mit der Insolvenz des Bauträgers CKV, wodurch der Stadt letzten Endes Grundstücke zufielen. Hadhoud mutmaßt, die ABG bekomme als städtisches Unternehmen Baugenehmigungen, die private Firmen so nicht erhalten würden. Das weist Mark Gellert vom Planungsdezernat auf FR-Anfrage zurück: „Die Bauaufsicht entscheidet nach Recht und Gesetz.“ Es sei „nicht so unüblich, dass eine Planung über den Haufen geworfen wird“. Baugenehmigungsverfahren seien grundsätzlich nicht öffentlich, jedoch „rechtlich überprüfbar“. Wer etwas anzuprangern habe, könne juristisch gegen die Genehmigung vorgehen.

Genau das versuchen die Anwohner nun auch. Man sei in Kontakt mit einem Rechtsanwalt, sagt Hadhoud. Mehr als zwölf Familien seien betroffen, die ihr Recht auf Licht und Luft geltend machen wollen. Und durch den Bau des Supermarkt-Gebäudes sei bereits deutlich mehr Wohnraum als ursprünglich geplant entstanden. „Eine neue Wohnung zu schaffen ist gut“, sagt Hadhoud, „aber es darf nicht zu Lasten der bestehenden Wohnungen gehen“.

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