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Der erste Vorsitzende des FC Kalbach, Reinhard Vanhöfen, hat umstrukturiert.

Kalbach

Die neue Balance im FC Kalbach

Der FC Kalbach rückt das Soziale in den Vordergrund und will sich mehr um die Jugend kümmern. Die erste Mannschaft rekrutiert sich inzwischen komplett aus dem eigenen Club.

Für Vereine sind die Zeiten schwierig geworden, findet Reinhard Vanhöfen, Erster Vorsitzender des FC Kalbachs (FCK). Denn „Verein heißt immer Ehrenamt“. Aufgrund von erhöhtem Leistungsdruck, Ganztagesschulen, Freizeitstress fänden sich nicht mehr genug helfende Hände oder Interessierte für die Vereinsarbeit. Dabei sei gerade Fußball ein so wichtiges Mittel für soziale Kultur, Teilhabe und Integration. „Und das ist doch eigentlich der Sinn eines Vereins“, sagt Vanhöfen. Besonders beim Fußball gäbe es kaum Barrieren, man braucht kein Equipment. „Sobald jemand mitkickt, ist sein Name und seine Herkunft egal.“ Mit dem Alter nehme diese „Aufnahmefähigkeit“ dann leider ab, so Vanhöfen. Die „Bambinis“, die kleinste Fußballgruppe im Alter von vier bis sechs, habe beispielsweise mit den Kindern in der nahgelegenen Unterkunft für Geflüchtete am Alten Flugplatz in Bonames gekickt. Und die kleinen Fußballer tankten dabei auch Selbstbewusstsein.

„Ein Verein ist gelebte Integration und so ein wichtiges Ding! Es war schlimm für mich zu sehen, dass so wenige Menschen sich überhaupt für die Sitzungen interessieren.“ Als der FCK kurz vor dem Aus stand, plante Vanhöfen eine großangelegte Umstrukturierung. Selbst seit mehr als 40 Jahren Mitglied, ließ er sich 2018 gemeinsam mit seinem Team zum neuen Vorstand wählen. Geprägt von seiner Arbeit, hat der Unternehmensberater ein allumfassendes Zukunftskonzept verfasst – was nicht bei allen gut ankam.

Vor allem die Frage, ob ein Verein nicht eher eine soziale als eine unbedingt leistungsorientierte Aufgabe habe, wolle Vanhöfen stellen, „eine Balance finden zwischen Breitensport und Leistungssport“. Deswegen wurde die erste Mannschaft des Vereins und besonders das Budget, das ihr zur Verfügung steht, drastisch reduziert. „Eine sehr unpopuläre Entscheidung“, sagt Vanhöfen. Es gab kritische Flugblätter, laut denen er den Verein zugrunde richte und fast die komplette erste Mannschaft samt Trainer verließen den FCK.

Die neu aufgestellte erste Mannschaft, nun aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert, spielte mit dem jüngsten Kader der Gruppenliga und musste in die Kreisoberliga absteigen. „Da kamen dann gleich die Leute und sagten ,siehste mal‘“, so Vanhöfen. Er strebt auf jeden Fall eine Rückkehr in die Gruppenliga an. „Wir machen ganz ruhig, abwarten“.

Der Verein
Der Fußballclub Kalbach besteht seit 1948 und hat heute 470 Mitglieder. Im Verein arbeiten 23 Trainer mit zwölf verschiedenen Jugendmannschaften – begonnen wird schon mit den vierjährigen „Bambinis“. Trainiert wird auf dem Sportplatz, Am Hopfenbrunnen 51. Informationen und Anmeldung unter fc-kalbach.de, per Mail: vorstand@fckalbach.de oder beim Jugendleiter Markus Reul, Telefon 01 72 / 66 06 712.

Am 14. September veranstaltet der Verein ein großes Familienfest mit Hüpfburg, menschlichem Tischkicker, der Enthüllung des neuen Wahrzeichens „Kalbacher Bär“, Show- und Schnuppertraining, Abnahme des DFB-Abzeichens und mehr. saha

Denn mit den Einsparungen bei der ersten Mannschaft wurde Geld für Neues frei. Und laut dem Zukunftskonzept soll dies vor allem dem Nachwuchs und den älteren Mitgliedern dienen – den Verein generell familienfreundlicher gestalten, seine soziale Dimension stärken, ihn stabiler und attraktiver machen. Aber „die Beharrungskräfte auf dem Alten sind hoch, das ist oft hart“, sagt Vanhöfen. Einige seien etwa auch mit dem neuen Pächter des nun dauerhaft bewirtschafteten Clubhauses – einem Inder – nicht zufrieden gewesen. Doch auch die teils schlimm rassistischen Vorurteile hätten sich abgebaut, das Restaurant ist inzwischen ein Erfolg. Und auch das neue Jugendkonzept im Verein klingt vielversprechend. Die Qualität des Trainings solle verbessert, generell das alte Konzept „Der Vater ist Trainer“ abgeschafft, das Training standardisiert und pädagogisch besser versiert werden. Zwölf Trainer des Vereins sind in Ausbildung beim Hessischen Fußballbund. Und für die Investitionen in die Jugendarbeit fänden sich sogar mehr Sponsoren als zuvor. Vanhöfens weiteres Projekt ist der Umbau der Vereinsanlage, die Pläne sind fertig ausgearbeitet. Denn auf dem Platz trainierten zu viele Gruppen, vor allem, da auch ein Fußballverein vom Riedberg diesen als Übergangslösung mit nutze. Deswegen soll es neue Umkleiden, Fußballanlagen, aber auch Tischtennisplätze, ein Basketballfeld und einen Spielplatz, vielleicht ein Beachvolleyballfeld geben. „Wir wollen den Verein auch für andere öffnen.“

Außerdem hat eine Gruppe 80-jähriger Männer aus Kalbach in Eigenregie eine Boule-Bahn gebaut, die beim Familienfest am 14. September eingeweiht wird. Vanhöfen sagt, das sei eine große „Bereicherung“, denn der Verein wolle eben alle Altersgruppen ansprechen. Das Familienfest im letzten Jahr zum 70-jährigen Bestehen des Vereins, das mehr als 1000 Leute besuchten, sei „Zeichen für diesen Wandel“ gewesen, einen Familientag habe es bis dahin noch nicht gegeben.

Und Vanhöfen hat sogar die kleine Legende der Kalbacher Bären, die ihm schon seine Mutter erzählte, zum Symbol des Vereins erkoren. Die Legende erzählt von Bauern, die gemeinsam das Tier überwältigt haben sollen. Das passte für Vanhöfen. „Klugheit, Stärke, Mut und Gemeinschaftssinn brauchst du auch beim Fußball,“ Ein Bär in Holz soll künftig die Besucher am Eingang begrüßen.

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