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Krähenneste an der U-Bahn-Station Kalbach.

Kalbach

Kalbacher fordern Schutz gegen Vogelkot

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Krähen sorgen an der Haltestelle der U-Bahn seit Jahren für Unmut. Naturschützer freuen sich allerdings über die zweitgrößte Population im Stadtgebiet.

Zu hunderten leben die Saatkrähen an der U-Bahn-Station Kalbach, in den Baumkronen über dem Park-and-Ride Parkplatz. Das gefällt nicht jedem: Die Tiere machen Lärm. Ihr Kot verschmutzt Bahnsteige, Wartebereiche und Autos auf dem Parkplatz.

Deswegen hat sich der für Kalbach und Riedberg zuständige Ortsbeirat 12 in seiner vergangenen Sitzung erneut gefordert, etwas gegen die Verschmutzung zu unternehmen. Die Belastung „hat das tolerable und verantwortbare Maß überschritten“, hieß es in dem einstimmig angenommenen Antrag der CDU-Fraktion.

Dass man die Krähen nicht einfach umsiedeln oder verjagen kann, ist den Lokalpolitikern klar – im Antrag selbst wird auf die EU-Vogelschutzrichtlinie und auf das Bundesnaturschutzgesetz verwiesen. „Saatkrähen sind wie alle anderen heimischen Vogelarten besonders geschützt“, sagt Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (VSW). Viele der Vögel kämen im Winter aus Russland und den skandinavischen Ländern nach Deutschland, es entstünden regelrechte Massenschlafplätze, so der Ornithologe.

Umsiedeln nicht möglich

Doch die Kalbacher Krähen sind nicht nur im Winter an der U2-Haltestelle. Im vergangenen Jahr zählten die Vogelschützer 160 Brutpaare an der Station – die zweitgrößte Kolonie im Stadtgebiet, sagt Werner. Dabei gebe es die Vögel in Hessen eigentlich gar nicht so häufig. „Frankfurt hat eine ganz große Verantwortung für die Saatkrähe“, findet der Ornithologe.

„Eigentlich werden von den Vögeln keine Krankheiten übertragen“, fährt Werner fort. Doch er bestätigt, dass es an den Brutplätzen sehr laut werden kann. „Da ist es belebt, sage ich mal.“ Dagegen kann man allerdings wenig tun.

„Das klassische Umsiedeln geht bei Vögeln nicht“, erklärt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Frankfurt. Der Verschmutzung könne man ganz einfach mit einer Überdachung entgegenwirken, so Rothenburger. Eine Lösung, die der Ornithologe Werner ebenfalls gutheißt.

Auch in dem Ortsbeiratsantrag waren Überdachungen oder Segel sowie häufigere Reinigung als mögliche Mittel angeführt. Schließlich sei das Problem inzwischen seit mehreren Jahren bekannt. Weswegen die Politiker zum wiederholten Mal auf eine Lösung drängen: „Die klare, uneingeschränkte Akzeptanz des Vogelschutzes kann den Magistrat nicht von seiner Verantwortung entlasten, diesen ÖPNV-Knotenpunkt in einem hygienisch unbedenklichen Zustand zu halten.“

Von Jonas Wagner

Die Kalbacher Linke-Politikerin Filiz Akbas erhält immer wieder nächtliche Anrufe, regelmäßig ist ihr Klingelschild verschmiert

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