Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ulrike Neißner mit ihren Hunden Bella und Carla im Freizeitpark Kalbach. renate hoyer
+
Ulrike Neißner mit ihren Hunden Bella und Carla im Freizeitpark Kalbach. renate hoyer

Das Jahr im Ortsbeirat 12

Kalbach-Riedberg: „Schon jetzt werden teilweise die Gullydeckel hochgedrückt“

Ortsvorsteherin Ulrike Neißner über Verkehr, Klima und Lärmschutz.

^Frau Neißner, wegen der Pandemie muss der Ortsbeirat 12 abwechselnd in Bonames und der Nordweststadt tagen, da es im Ortsbezirk keinen ausreichend großen Raum gibt. Das erschwert den Kontakt zu den Bürger:innen. Wie stellen Sie sicher, dass trotzdem alle erreicht werden?

Während der Pandemie sind wesentlich weniger Menschen zu den Sitzungen gekommen. Das liegt zum Teil auch an der begrenzten Anzahl an Plätzen. Ab der nächsten Sitzung wird auch die 3G-Regel gelten. Das hat uns die Stadt empfohlen. Ich habe versucht, das aufzufangen, indem ich eine Bürgersprechstunde angeboten habe. Außerdem habe ich alle Vereine und Schulen angeschrieben und bei Problemen Hilfe angeboten. Auf meiner neu eingerichteten Facebookseite poste ich aktuelle Informationen, Sitzungsniederschriften und Tagesordnungen. Im kommenden Jahr könnte es außerdem Spaziergänge durch die einzelnen Quartiere geben, um mehr mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Eines der wichtigsten Themen des vergangenen Jahres war die Umgestaltung des Riedbergplatzes. Im November hat das Grünflächenamt die Pläne vorgestellt. Wie geht es weiter?

Die Planung wurde einstimmig angenommen, jetzt ist das Grünflächenamt am Zug. Das Umweltdezernat hat für das Projekt 500 000 Euro zugesagt, das wird voraussichtlich aber nicht reichen. Wir rechnen mit einem Baubeginn Ende 2022 oder Anfang 2023. Für uns gilt: je schneller, desto besser.

Ein zweites großes Thema ist der Neubau eines zweiten Sportgeländes, der schon seit 2010 geplant ist. Im August 2021 wurde das Konzept vorgestellt. Was hat den Bau weiter verzögert?

Im August war ich drei Wochen lang fast täglich damit beschäftigt, eine Unterkunft für den Zirkus zu finden, der sich dort Anfang Winter 2020 niedergelassen hat und coronabedingt nicht weiterziehen konnte. Zusammen mit der Diakonie, dem Amt für Straßenbau und Erschließung und der Polizei haben wir einen Platz gefunden, der auch für die Menschen angenehm ist. Auf dem Park-and-Ride-Platz in Bonames haben sie jetzt eine Duldung für ihre Tiere, Wohnwagen und Autos und können erstmal bis zum Frühjahr bleiben. Jetzt hoffen wir natürlich, dass dem Sportgelände nichts mehr im Wege steht und dass die Arbeiten im Frühjahr beginnen können. Bevor gebaut werden kann, muss aber – wie immer auf dem Riedberg – erst der Kampfmittelräumdienst kommen, um die Existenz von Fliegerbomben ausschließen zu können.

Viele Anträge des Ortsbeirats beschäftigten sich mit der Verkehrssituation. Welche Probleme bestehen weiterhin?

Da der neue Koalitionsvertrag der Stadtregierung für dicht besiedelte Wohngebiete Tempo 40 vorsieht, haben wir dies jetzt auch für den Riedberg beantragt. Häufig stehen die Lieferdienste des Riedbergzentrums auf den Parkstreifen, deshalb hat die Stadt nun eine offizielle Ladezone eingerichtet. Ein großes Problem ist weiterhin, dass Autos die Fahrradstreifen zuparken.

Sie bekommen auch viele Beschwerden von Schulleitungen und Elternvertretungen, weil die sogenannten Elterntaxis vor den Schulen eine Gefahr für die Kinder darstellen. Was wollen Sie dagegen tun?

Zur Person

Ulrike Neißner ist seit 2008 Mitglied der Grünen in Frankfurt und seit 2021 Vorsteherin des Ortsbeirats 12. Seit 1991 baute sie die Schulklinderbetreuung an verschiedenen Frankfurter Schulen auf.

Der Ortsbeirat ist zuständig für den Stadtteil Kalbach-Riedberg, in dem rund 22 000 Menschen wohnen.

Stärkste Fraktion ist die CDU mit sechs Sitzen, gefolgt von den Grünen mit fünf. Die SPD kommt auf drei Mandate, die FDP auf zwei, über je einen Sitz verfügen Volt, Linke und BFF.

Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am Freitag, 21. Januar, um 19.30 Uhr im Saalbau Nidda, Harheimer Weg 18–24, in Bonames statt.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. kiki

Der Idealfall wären mehr Kontrollen und eine Ahndung der Verkehrsverstöße, aber die dünne Personaldecke der Stadt stellt ein Problem dar. Wir haben jetzt eine Taskforce beantragt. Das heißt, dass die Ordnungsbehörden alles, was sie zu bieten haben, für eine Woche bündeln und dabei die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, angehalten und belehrt werden.

Die Überflutungen im Ahrtal haben auch den Ortsbeirat 12 aufgeschreckt. Welchem Risiko könnte der Stadtteil durch möglichen Starkregen ausgesetzt sein?

Das können wir noch nicht genau einschätzen. Im Oberurseler Feld nördlich der A 5 gibt es ein Retentionsbecken, das zirka zwei Fußballfelder groß ist. Die Frage ist, ob das ausreicht, damit bei Starkregen nicht das ganze Wasser in das extrem schmale Bett des Kalbachs reinfließt. Wir haben darum gebeten, dass das geprüft wird. Schon jetzt werden teilweise unterhalb der Bachstraße die Gullydeckel hochgedrückt. Gegebenenfalls muss das Retentionsbecken vergrößert oder ein neues angelegt werden. Denkbar wäre das etwa südlich der A 5.

In einer Stellungnahme des Magistrats heißt es, die Hochwassersicherheit am Kalbach sei vergleichsweise hoch. Eine Erhöhung des Schutzes sei deshalb nicht vorgesehen. Wie werden Sie weiter vorgehen?

Da die Stellungnahme erst kurz vor den Weihnachtsfeiertagen angekommen ist, kann ich dazu noch nichts sagen. Das müssen wir innerhalb des Ortsbeirates noch diskutieren.

Seit 35 Jahren schon setzt sich das Stadtteilgremium für Lärmschutzmaßnahmen ein. Was hat sich 2021 getan?

Zuletzt haben wir den Magistrat aufgefordert, Grundstücke entlang der Autobahn aufzukaufen, um den Lärmschutzwall endlich zu bauen. Jetzt hoffen wir natürlich, dass das nicht noch einmal 35 Jahre dauert. Temporär wäre zumindest ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern wünschenswert, denn sowohl auf der A 661 als auch auf der A 5 gilt in diesem Streckenabschnitt volle Fahrt.

Welche Projekte haben 2022 Priorität?

Die Schulen sind natürlich extrem wichtig. Der Bau des neuen Schulgebäudes in der Gräfin-Dönhoff-Straße verzögert sich immer noch. Wir hoffen, dass die Judith-Kerr-Schule im Sommer endlich an den jetzigen Standort der IGS umziehen kann. Außerdem haben wir einen großen Mangel an Betreuungsplätzen für Krippenkinder. Das liegt zum einen an den fehlenden Flächen, aber noch viel mehr an den fehlenden Erziehern. Abgesehen davon muss über ÖPNV und nachhaltige Mobilität gesprochen werden. Wir drängen stark darauf, dass öffentliche E-Ladestationen gebaut werden. Glücklicherweise gibt es immer mehr E-Autos, aber nicht jeder hat die Möglichkeit, sich zu Hause eine Wallbox zu installieren. Ideal wäre das zum Beispiel auf Sportparkplätzen, weil dort nur wenige Stunden lang geparkt wird und die Ladestationen danach wieder frei werden.

Interview: Kiki Bruder

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare