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Frankfurt-Kalbach: Wagenplatz-Initiative bleibt bis April

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Da logierte die Initiative noch am Ostbahnhof.
Da logierte die Initiative noch am Ostbahnhof. © christoph boeckheler*

Die CDU im Frankfurter Ortsbeirat 12 sorgt sich, das könnte womöglich den Bau der Johanna-Tesch-Schule verzögern.

Die Initiative „We need homes to stay at home FFM“ hat mit der Stadt Frankfurt einen Zwischennutzungsvertrag über die brache Fläche auf der Kalbacher Hauptstraße 107 unterzeichnet. Im Sommer 2020 hatte die wohnungspolitische Gruppe ein Grundstück am Ostbahnhof mit Wohnwagen besetzt. Im Dezember 2021 musste sie das Gelände, das der Hotelkette Premier Inn gehört, verlassen. Der Eigentümer möchte dort ein Hotel bauen.

Als Übergangslösung für den Winter hatte Bildungs- und Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) der Gruppe die Fläche in Kalbach zugewiesen.

Bei der CDU im Ortsbeirat 12 erzeugt das ein Gefühl der Unsicherheit. Das besagte Grundstück ist für den geplanten Bau der Johanna-Tesch-Schule vorgesehen. In einem Antrag äußerte Ortsbeirätin Carolin Friedrich (CDU) Sorgen, dass der Bau durch den Aufenthalt der Initiative in irgendeiner Form verzögert oder gar unmöglich werde.

Um sich vorzustellen und damit etwaigen Ängsten entgegenzuwirken, war eine der derzeit acht Wagenbewohner:innen bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats am Freitag anwesend. „Wir wollen auf die Wohnungsnot in Frankfurt aufmerksam machen, denn jeder Mensch braucht ein Zuhause.“

Während ihres Aufenthalts dürften sie nach Schulbetrieb die Duschen der Grundschule Kalbach nutzen. Bezüglich des Antrags der CDU versichern sie, dass sie zumindest den Bau der Johanna-Tesch-Schule nicht verzögern wollten. „Wir stehen in engem Austausch mit Sylvia Weber und wollen vor dem Frühjahr eine innerstädtische Alternative finden.“ Dabei gehe es jedoch nicht darum, einen dauerhaften Standort zu finden. Es gehe um das Symbol.

„Wir wollen niemandem Platz wegnehmen, sondern lediglich leerstehende Flächen beleben, bis sie wieder genutzt werden“, sagt die Aktivistin.

Im Ostend hätte die Gruppe häufig in Zusammenarbeit mit dem Neuen Frankfurter Garten verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, um das Viertel soziokulturell zu beleben: etwa eine Kinoreihe zum Thema Gentrifizierung oder Workshops für Upcycling oder Siebdruck. Und wenn es nur ein Abend ist, an dem die Menschen gemeinsam gemütlich am Lagerfeuer zusammen kommen. Vieles sei pandemiebedingt nur im Freien möglich. Deshalb hätten sie für ihre kurze Zwischenstation in Kalbach vorerst keine Pläne.

„Ich finde es gut, dass Sie hier sind“, bedankte sich Ortsbeirat Ronald Bieber (Grüne) am Freitag. „Ängste und Unsicherheit entstehen ja manchmal durch fehlendes Verständnis.“ Carolin Friedrich (CDU) ergänzte, der Antrag sei vor allem aus Informationsbedarf entstanden. Eine schriftliche Auskunft vom Magistrat hätte ihre Fraktion trotzdem gerne.

„Ich finde die Begründung des Antrags absolut unerhört formuliert“, sagte Ortsbeirat Nils Müller (Grüne). Darin wird beschrieben, dass die Wagenbewohner:innen am Ostbahnhof immer unerwünscht gewesen seien. „Bei dem Eigentümer der Fläche waren wir nicht so gern gesehen, das stimmt. Aber von der Nachbarschaft wurde unser Dasein total positiv aufgenommen. Die Menschen waren eher traurig, dass wir gehen mussten“, sagte die Aktivistin. Der Ortsbeirat stimmte schließlich mit neun Stimmen von SPD, Grünen und Linke gegen den Antrag der CDU. (Kiki Bruder)

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