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Mistoura (6) und ihre Schwester Irfane (1) auf dem Verkehrsparcours.

Kalbach

Kampf dem Bewegungsmangel

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Festival „Schulkids in Bewegung“ soll Sport unter Grundschülern fördern. Übungsleiter sehen großen Bedarf bei Erstklässlern.

Eigentlich wollte die achtjährige Leyan „noch den Bullen reiten“, doch da sei die Schlange zu lang gewesen. Macht nichts: Ihr Stempelheft, mit dem sie gleich an einer Tombola teilnehmen wird, ist auch ohne das Rodeo gut gefüllt. Gerade erst hat sie sich einen weiteren Abdruck beim „elektronischen Stoßkissen“ geholt.

Was das ist? Ein Art Zieltafel mit fünf Feldern, erklärt Martin Niemczyk von der Fechtabteilung des Frankfurter Turnvereins 1860. Leuchtet eines der Felder rot auf, gilt es schnell zuzustechen, denn die Zeit läuft mit. Kinder können dabei ihre Reflexe und ihr Fingerspitzengefühl trainieren.

Egal ob Eintracht, Skyliners oder der kleine Stadtteilverein: Sie alle sind an diesem Sonntagnachmittag ins Sport- und Freizeitzentrum Kalbach gekommen. Dort steigt zum achten Mal das Festival „Schulkids in Bewegung“ (SKIB) mit zahlreichen Mitmachangeboten. Ziel des SKIB-Projekts von Stadt und Sportkreis ist es, Grundschulkinder im Alter von fünf bis acht Jahren zu mehr Bewegung zu animieren – ohne, dass der Spaß zu kurz kommt.

Um das zu erreichen, gehen die im Sportkreis organisierten Vereine an die Schulen: Ihre Übungsleiter ergänzen den regulären Sportunterricht. Teils ist der Besuch freiwillig, überwiegend aber ist das SKIB-Angebot in den Stundenplan integriert und damit Pflicht für alle.

Schulkids in Bewegung

Seit zehn Jahren  gibt es das gemeinsame Projekt von Sportkreis und Stadt an 32 Frankfurter Grundschulen, wo Vereine zusätzliche Sportangebote organisieren.

Wissenschaftlich begleitet  wird SKIB vom Fachbereich Sportpädagogik der Goethe-Universität, der die Kinder testet und anschließend geeignete Sportarten empfiehlt. msö

Ob eine Schule an SKIB teilnimmt, wird auf Basis der Einschulungsuntersuchungen entschieden. Kriterien seien vermehrte Bewegungsmängel, motorische Störungen oder Fettleibigkeitsfälle, sagt der Sportkreisvorsitzende Roland Frischkorn. Ist das der Fall, werden gleich alle Grundschulen eines Stadtteils in das Projekt aufgenommen, um Stigmata zu vermeiden.

Laut Michaela Stubenrecht und Ilona Kolata von der Turnerschaft Griesheim ist der Bedarf groß. Beide Übungsleiterinnen organisieren seit Jahren zusätzliche Sportangebote an der Eichendorffschule. Viele Erstklässler hätten eine „grottenschlechten Motorik“, sagt Kolata.

Als „wirklich erschreckend“ empfindet Stubenrecht es, wenn Kinder nicht mal mehr entlang einer geraden Linie rückwärts laufen können oder mit Seilspringen nichts anzufangen wissen. Immerhin: Bislang hätten sie es jedes Jahr geschafft, am Ende des Schuljahres mit allen eine Runde Brennball zu spielen.

„Unser Wunsch wäre es, alle Schulen abzudecken“, sagt Frischkorn. Aktuell gebe es SKIB an rund 60 Prozent der Frankfurter Grundschulen. 17 Vereine seien beteiligt, deren Übungsleiter ein Honorar erhalten und sich kostenlos weiterbilden können. Die Stadt finanziert das mit 200 000 Euro jährlich, hinzu kommt Geld aus der Privatwirtschaft.

Besonders wichtig ist es Frischkorn, auch diejenigen Kinder zu erreichen, „die mit Sport nichts zu tun haben“. Auf Leyan, die in die zweite Klasse der Münzenbergerschule in Eckenheim geht, trifft das nicht zu: Schon im Kindergartenalter fing sie beim Turnverein Preungesheim an, aktuell macht sie mindestens zweimal pro Woche Sport. „Fand ich gut“, sagt sie über das Festival, zu dem weit mehr als 400 Kinder gekommen sind.

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