Riedberg

Bangen um das Fachärztezentrum

  • vonJonas Wagner
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Der Ortsbeirat will wissen, wie es weitergeht – und kritisiert die Kommunikation.

Die Fachärztezentrum Frankfurt GmbH (FÄZ) zieht sich vom Riedberg zurück. Zum 30. September steige man als Betreiber des Ärztezentrums am Riedbergplatz aus, teilte Geschäftsführerin Rafaela Korte den Patienten Ende April in einem Schreiben mit. Grund sei ein „Zukunftskonzept“ des Unternehmens, durch das es zu einer „strategischen Neuausrichtung“ der Standorte kommen solle. Noch ist ungewiss, wie es mit dem Riedberger Ärztehaus weitergeht, in dem zwei Neurologinnen, zwei Gynäkologinnen, ein Kinderarzt und eine Psychotherapeutin praktizieren.

„Es soll einen nahtlosen Übergang geben, bei dem die ärztliche Versorgung vollumfänglich erhalten bleibt“, versichert Brigitte Ziegelmayer, Sprecherin der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist (STHHG), zu welcher die FÄZ gehört. Man verhandele aktuell mit Kaufinteressenten und der für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung verantwortlichen Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Denkbar sei auch eine Übernahme des Ärztezentrums durch einige der dort praktizierenden Mediziner in Eigenregie, so Ziegelmayer weiter. „Wir sind guter Dinge, das Ganze in gute Hände abzugeben.“ Alexander Kowalski, ein Sprecher der KVH, bestätigt auf FR-Anfrage, dass aktuell „mit allen Beteiligten“ Gespräche liefen.

Der Ortsbeirat Kalbach-Riedberg befürchtet nun, es könne zu einer „Lücke in der Versorgung“ kommen. Gemessen an den 20 000 Einwohnern des Stadtteils sei die Ärzteinfrastruktur „schon sehr schlecht“, erzählt Sven Moulden (SPD) der FR. „Das ist ein strukturelles Problem.“ Sollte beispielsweise die Kinderarztpraxis des Fachärztezentrums schließen, gäbe es am Riedberg keinen einzigen Kinderarzt mehr, berichtet der Sozialdemokrat.

Kapazitäten ausgelastet

Seine Fraktion fordert deshalb in einem Antrag, die momentan vorhandene Ärzteversorgung durchgehend aufrechtzuerhalten. Denn die Kapazitäten vieler vorhandener Mediziner seien bereits ausgelastet, heißt dort weiter. Dementsprechend sorge die ungeklärte Zukunft des Ärztezentrums bei betroffenen Patienten für „große Unruhe“. „Die Ärzteinfrastruktur soll in erster Linie dazu da sein, den Bedarf zu decken“, findet Moulden. Er befürchtet, dass es sich bei der „strategischen Neuausrichtung“ der FÄZ um die Suche nach profitableren Standorten handle, etwa in Innenstadtlage.

Am vergangenen Freitag haben die Lokalpolitiker des Stadtteilgremiums in einer Onlinebürgerfragestunde zudem das Vorgehen der Betreiberfirma kritisiert: Den Ärzten des Fachärztezentrums sei seitens des Betreibers „wohl erst mal gekündigt worden“, berichtet Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU) von Gesprächen mit Medizinern. Auch kommunikativ scheint die FÄZ GmbH sich nicht mit Ruhm bekleckert zu haben: Die Ärzte hätten erst zum gleichen Zeitpunkt wie die Patienten vom Ausstieg der Betreiberfirma erfahren, erzählen mehrere Ortsbeiratsmitglieder.

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