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Über Wochen haben die Schüler das Huhn präpariert und balsamiert. Nun gehört es zum Grundstein der neuen Schule.

Kalbach-Riedberg

Kalbach-Riedberg: Hühnchen in Beton

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Schüler der IGS stiften ein im Unterricht mumifiziertes Federvieh. Arbeiter haben es am Montag im Grundstein für den Schulneubau versenkt.

Nicht alle Tage wird einem Supermarkthühnchen so viel Aufmerksamkeit zuteil. Kinder der IGS Kalbach-Riedberg haben es 2018 nach altägyptischer Sitte mumifiziert. Am Montag haben das Amt für Bau und Immobilien (ABI) und die Hessenagentur das präparierte Geflügel als Zeitkapsel ins Fundament des neuen IGS-Gebäudes an der Gräfin-Dönhoff-Straße betoniert. Zusammen mit einer Ausgabe des pädagogischen Konzepts der Schule.

Das ist recht modern. Die Kinder lernen jahrgangsübergreifend, in Fachbüros oder Projekten, bei vielen Dingen dürfen sie mitbestimmen. Und das alte Ägypten ergründen die Schüler eben nicht nur aus Büchern. Die zwölfjährige Jenny findet das zwar „ein bisschen eklig“, aber schnell vergessen wird sie die Lerneinheit sicher auch nicht. „Wir haben das Huhn mit der Zahnbürste geputzt“, sagt sie, die Innereien ausgenommen und den Vogel mehrmals täglich mit Natron eingeträufelt.

Abgegeben haben die Kinder ihren Vogel bereits beim Spatenstich Anfang Mai, luftdicht verpackt in einer Plastikdose. Seitdem ruhte die Mumie bei ABI-Mitarbeiter Michael Will im Büroschrank. Klar hätten die Kollegen ein bisschen gefrozzelt erzählt Will auf der Baustelle. Aber im Grunde hätten sie es gut behütet.

Nun ruht das Hühnchen im Fundament, dort wo später die Aula sein wird. „Hoffentlich geht der Geist der neuen Schule auf die Baustelle über und damit die Kreativität unserer Kinder“, sagt Schulleiterin Susanne Gölitzer feierlich. Die Arbeiten sind zumindest im Plan, versichert Michael Will. Im August 2021 kann die IGS einziehen. 600 Schüler sollen Platz finden auf dem 14 000 Quadratmeter großen Grundstück direkt an der U-Bahnstation Riedberg. Und jeden Quadratmeter des 47 Millionen Euro schweren Projekts sehnt die Schulgemeinde herbei. So groß ist die Vorfreude, dass selbst Lehrerinnen bei der Grundsteinlegung auftauchen, die an diesem Tag eigentlich frei haben.

Zur Zeit campiert die Einrichtung sehr beengt in den Holzpavillons an der Carl-Hermann-Rudloff-Allee. Nicht nur das moderne Konzept lässt sich dort schwer umsetzen, die Kinder haben kaum Platz auf dem Hof. Dazu ist es in den Sommermonaten recht heiß. „Wir haben keine automatische Lüftungsanlage“, erklärt Elternbeiratsvorsitzende Stefanie Minten. Nachts lüftet die Schule mit Brettern vor den Fenstern, damit niemand einsteigen kann. Das lässt allerdings auch nur wenig Luft durch. Tagsüber ist schlecht lüften, weil da die benachbarte Baustelle rumort und staubt. „In der Pause müssen die Kinder raus“, sagt Minten.

Schon länger hat die Schulgemeinde darum einen sehnsüchtigen Blick auf die Streuobstwiese hinter dem Grundstück geworfen und dort auch bereits die Kinder – unter Aufsicht – die Pausen verbringen lassen. „Aus der Not heraus“, sagt Minten. Allerdings stehen dort schützenswerte Bäume, moniert das Grünflächenamt. Dennoch sollen die Kinder zumindest einen Teil der Fläche auch offiziell und dauerhaft zugewiesen bekommen. „Wir denken da nicht nur an uns“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende. Wenn die IGS in zwei Jahren umzieht, soll die Grundschule Drei in den Holzpavillons unterkommen. „Jüngere Kinder haben noch viel mehr Bewegungsdrang“, sagt Minten.

Das sieht auch die Stadt so. „Doch so einfach ist das nicht umzusetzen“, sagt ABI-Sprecher Günter Murr. Es bedürfe einer ganzen Reihe von Genehmigungen. Einmal, weil eine Streuobstwiese nun einmal Landschaftsschutzgebiet ist. Aber auch, weil es sich bei besagter Wiese um eine Ausgleichsfläche handelt. Was eine weitere Genehmigung erforderlich mache. „Das dauert einfach“, bittet Murr um Geduld.

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