Reinhard Vanhöfen will neue Wege gehen – auch gegen Rassismus und Ausgrenzung.  
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Reinhard Vanhöfen will neue Wege gehen – auch gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Kalbach

Kalbach: Mit Fußball ein Zeichen setzen

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Der FC Kalbach spielt am Freitag in aller Freundschaft gegen die Ahmadiyya-Gemeinde, um sich gegen Rassismus zu positionieren.

Ein Zeichen, sagt Reinhard Vanhöfen, „kann jeder im Kleinen setzen“. Der 1. Vorsitzende des FC Kalbach meint damit Zeichen gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung, gegen Diskriminierung. Und geht mit seinem 1948 gegründeten Verein voran. Am morgigen Freitag trägt die Alte-Herren-Mannschaft des FC Kalbach ein Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl der Ahmadiyya-Gemeinde aus, die ihren Hauptsitz im benachbarten Bonames hat.

Die Idee eines freundschaftliches Vergleichs beider Mannschaften ist dabei nicht neu. Schon zwei, drei Mal habe man gegeneinander gespielt, sagt Vanhöfen, der seit März 2018 den Verein anführt. Spieler aus der 1. Mannschaft, die auch Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde seien, hätten das einst initiiert, der Verein sie sofort unterstützt.

Am 22. April startet der FC Kalbach erstmals ein Angebot außerhalb des Fußballs. 


Beim Boot Camp geht es um Training an der frischen Luft. Unter Anleitung einer Personal Trainerin werden die Muskeln gekräftigt, die Ausdauer trainiert und Kalorien verbrannt. Zum Einsatz kommen neben dem eigenen Körpergewicht auch Autoreifen, Medizinbälle oder Seile.

Bis zum Sommer sind 20 Termine angesetzt, jeweils mittwochs (19 bis 20.30 Uhr ) und freitags (20 bis 21.30 Uhr) auf der Sportanlage des Vereins, Am Hopfenbrunnen 51.

Anmeldungen sind per E-Mail an bootcamp@fc-kalbach.de möglich, alle Infos gibt es online unter www.fc-kalbach.de. bö

Doch das Spiel am Freitag steht unter besonderen Vorzeichen. „Nach den Ereignissen von Hanau war mir klar, dass das nicht einfach nur ein Freundschaftsspiel sein kann“, so Vanhöfen. Und so steht das Spiel unter dem Motto „Sport vereint! Gemeinsam gegen Rassismus.“ Wobei es dem FC Kalbach um mehr gehe, so der Vorsitzende. „Ich bin immer lieber für etwas als dagegen. Das Spiel soll also auch ein Zeichen für Zusammenhalt und für das Miteinander sein.“

Sogar den Hanauer Oberbürgermeister habe man eingeladen, doch der habe keine Zeit. Dafür hoffe man, sagt Vanhöfen, dass er die Einladung zum Sommerfest annehme.

Aber nicht nur der Anschlag von Hanau beschäftigt Reinhard Vanhöfer. Es sei auch die generelle gesellschaftliche Entwicklung, die ihm Sorge bereitet. Das fange im Kleinen an, wenn „auf der Kerb nach dem 15. Apfelwein rassistische Äußerungen fallen. Da ist jeder gefordert, einzugreifen.“

Und das gehe in seinem eigenen Verein und Umfeld weiter. Als Vanhöfen 2018 – nach rund 40 Jahren im Verein – das Amt des Vorsitzenden übernahm, krempelte er vieles um. Das Budget der ersten Mannschaft wurde radikal gekürzt, das Aufstiegsrecht in die Verbandsliga nicht wahrgenommen. Stattdessen gab es neue Angebote. Für manch altgediente Mitglieder schwer nachvollziehbare Schritte. Es gab Anfeindungen gegen den Vorstand.

Das wiederum stellt Vanhöfen in einen größeren Zusammenhang. Fußball sei etwas sehr Traditionelles, gerade in Deutschland. Da würden Veränderungen immer erst einmal auf Skepsis stoßen. Aber gerade das Vereinswesen, das gerne auch mal als antiquiert dargestellt werde, sei „wichtiger als zuvor“. Man biete den jüngeren Mitgliedern – von aktuell 457 seien knapp die Hälfte jünger als 18 Jahre – „ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, abseits von Playstation und Netflix“.

Fußball sei da einfach die geeignetste Sportart, „weil sie so barrierefrei ist“, sagt Vanhöfen. Man brauche nicht viel, um es zu spielen. Genau das machen die beiden Mannschaften am Freitag. Spielen. Und dabei ein Zeichen setzen.

Das Spiel beginnt am Freitag um 19.30 Uhr auf dem Sportplatz des FC Kalbach, Am Hopfenbrunnen 51. Der Eintritt ist frei.

Von Jonas Wagner

Die Kalbacher Linke-Politikerin Filiz Akbas erhält immer wieder nächtliche Anrufe, regelmäßig ist ihr Klingelschild verschmiert.

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