Kalbach

Kalbach: Buslärm vor dem Klassenzimmer befürchtet

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Um eine Haltestelle barrierefreie umzubauen, müsste man sie direkt vor eine Grundschule verlegen. Das stößt auf Widerstand.

Komplett barrierefreier Ausbau für Fahrgäste oder ungestörter Unterricht für Grundschulkinder? Diese Frage stellt sich aktuell in Kalbach, denn die Bushaltestelle „Schule Kalbach“ soll barrierefrei werden. Dafür möchte der Magistrat den in der Straße „An der Grünhohl“ gelegenen Stopp ein Stück in Richtung Süden verlegen.

Dieser Plan stößt im Ortsbeirat des Stadtteils allerdings auf Widerstand. Denn die neue Position wäre genau vor den Fenstern zweier Klassenräume der Grundschule. „Dies bedeutet dann im Schnitt alle fünf Minuten einen haltenden Bus mit laufendem Dieselmotor und anschließendem lauten Anfahren“, so hatte es das Stadtteilgremium bereits im Mai in einer Anregung an den Magistrat formuliert. „Die ein- und aussteigenden Fahrgäste, das ist natürlich eine Ablenkung für die Kinder“, berichtet auch Dierk Noltemeyer, neuer Schulleiter der Bildungseinrichtung, auf FR-Anfrage. Die geplante Haltestelle befände sich auf der Gegenseite exakt auf der Höhe der Schule, deren Erdgeschoss obendrein auch noch unterhalb des Straßenniveaus liege. Dies mache die beiden Klassenzimmer nicht mehr richtig nutzbar – eine Herausforderung für die sowieso schon überlastete Schule.

„Da wo die Bushaltestelle jetzt ist, stellt sie für uns kein Problem dar“, berichtet Noltemeyer, der auch bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung zugegen war und seine Bedenken zum Ausdruck brachte. Doch an der jetzigen Position kann der Stopp nicht bleiben, wenn er gänzlich barrierefrei umgebaut werden soll. Dies hatte der Magistrat in einer Anfang September veröffentlichten Stellungnahme deutlich gemacht.

Nur durch eine Verlegung könne man einen „vollwertigen barrierefreien Ausbau“ ermöglichen – ein Umbau an der jetzigen Position sei eine „aus Sicht des Magistrats unbefriedigende Variante“. Darüber hinaus verzögere sich das Vorhaben um mindestens drei Jahre, sollte der Ortsbeirat sich für den verkürzten Ausbau der derzeitigen Haltestelle entscheiden. Denn dann müsste neu geplant werden, der Umbau würde im Ausbauprogramm weiter nach hinten rücken.

Ortstermin erwünscht

Auch müsste die Stadt gegebenenfalls auf Fördermittel des Landes verzichten, das den barrierefreien Ausbau bezuschusst. „Hessen Mobil stellt gewisse Anforderungen“, erklärte Nora Pullmann, Pressesprecherin der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, auf Nachfrage der FR. Verkürzte Haltestellen würden normalerweise nicht genehmigt.

Um einer Lösung näherzukommen, soll ein Ortstermin mit allen Beteiligten vereinbart werden. Einen entsprechenden Antrag hat der Ortsbeirat, der eine Verbesserung der Bedarfshaltestelle an der derzeitigen Stelle vorschlägt, bereits verabschiedet. Möglicherweise sei das Problem gar nicht in Gänze bekannt, da bei „Google Street View“ keine Fotos des Schulneubaus enthalten seien, heißt es dort.

Darüber hinaus könne man sich bei einem Ortstermin „ein gemeinsames, differenziertes Bild“ machen. Einem solchen Treffen steht auch Traffiq offen gegenüber: Ein Ortstermin könne ein geeignetes Forum für Detailfragen sein, so Pressesprecherin Pullmann. Ein konkretes Datum dafür gibt es allerdings noch nicht. Wo, wann und wie die neue Bushaltestelle entsteht, ist also noch lange nicht geklärt.

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