Stefan Ruppel und Mitarbeiterin Cinzia Scholz in der Filiale an der Talstraße.  
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Stefan Ruppel und Mitarbeiterin Cinzia Scholz in der Filiale an der Talstraße.  

Kalbach

Kalbach: Brötchen backen in vierter Generation

  • vonJonas Wagner
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Die Bäckerei Ruppel trotzt seit mehr als 100 Jahren dem Trend des lahmenden Einzelhandels. Meister Ruppel beschäftigt insgesamt 25 Angestellte.

Die Hektik der Großstadt scheint im Kalbacher Zentrum weit weg zu sein, in der Bäckerei Ruppel an der Talstraße 3 ist es ruhig. Vereinzelt kommen Kunden in den Laden, kaufen Pflaumenkuchen, Brot oder Baguette – doch von einem großen Andrang zu sprechen wäre übertrieben.

Das liege auch an der Parkplatzsituation, erklärt Bäckermeister Stefan Ruppel. Die sei im Zentrum Kalbachs sehr schlecht. Am Wochenende jedoch, wenn die Leute nicht arbeiten müssten und zu Hause seien, fielen die Parkplätze nicht so ins Gewicht. „Am Samstag haben wir den Laden voll“, sagt der 56-Jährige.

Der Laden der „Bäckerei-Konditorei Josef Ruppel“, so der vollständige Name, das ist ein kleiner Verkaufsraum. Das Schaufenster ziert saisonale Deko, in der Thekenauslage konkurrieren süße Stückchen und Kuchen um die Blicke der Kunden, vor der holzvertäfelten Wand dahinter sind Brote und Brötchen aufgereiht.

Nicht nur Brot und Brötchen gehören zum Sortiment. Die Ruppels beschäftigen auch fünf Konditoren.

Seit 1902 existiert die Bäckerei. Stefan Ruppel leitet das Familienunternehmen in vierter Generation, vor 19 Jahren übernahm er es von seinem Vater Josef. „Das war früher ja eher ein Bauernhof.“ Den Grundstein für die Bäckerdynastie legte sein Urgroßvater, „dann hat mein Vater Konditor gelernt“. Die Erweiterung des Sortiments sowie die Sonntagsöffnung hätten zum Erfolg und zur Expansion des Betriebes beigetragen. Heute leitet Ruppel neben der Stammfiliale in Kalbach eine weitere in Kronberg sowie eine in Bonames. Dort, im benachbarten Stadtteil, arbeiten auch die fünf Konditoren, die die Süßwaren für alle Ruppel-Standorte herstellen.

Ihm sei das Bäckerhandwerk quasi in die Wiege gelegt worden, sagt Ruppel. „Du kannst Bäcker oder Konditor werden“, habe sein Vater gesagt, „aber dein Bruder ist schon Konditor“. Also fing Ruppel mit 16 eine Lehre zum Bäcker an, und während der Bruder eine Konditorei am Hauptfriedhof betreibt, ist Stefan Ruppel in Kalbach geblieben.

Im Gegensatz zu damals kauften die Leute heute lieber alle Lebensmittel bei einem Supermarkt, anstatt verschiedene Einzelhändler abzuklappern. „Das ist halt Bequemlichkeit“, sagt Ruppel. Bitter klingt er dabei nicht, das Geschäft läuft. Das liege auch an der Lieferkundschaft – Cafés, Kantinen, Metzgereien, Kioske und die Messe –, die ungefähr die Hälfte des Umsatzes ausmache. So beschäftigt Ruppel insgesamt 25 Angestellte, darunter drei Fahrer, die mehrmals am Tag zwischen den einzelnen Filialen und Lieferkunden hin- und herfahren. Bäcker zu sein, das bedeutet, einen Tagesablauf fernab typischer Büro-Arbeitszeiten zu haben. So kommt Stefan Ruppel jeden Tag um 1 Uhr in der Frühe in die Bäckerei, bevor eine halbe Stunde später seine Mitarbeiter ihren Dienst antreten.

Die Frankfurter Messe bezieht Gebäck vom Kalbacher Betrieb.

„Ab zwei geht’s dann los“, so Ruppel. Für das Herstellen der Brote und Brötchen steht den sieben Bäckern in der Backstube, wo auch die Produkte für die anderen beiden Filialen gebacken werden, ein Arsenal an Maschinen zur Verfügung. Hinter dem Verkaufsraum, wo einst ein Kuhstall war, stehen heute Öfen, Kühlhäuser, Teigmaschinen und weitere Gerätschaften. 800 Brötchen könnten im Heißluftofen gleichzeitig gebacken werden, in 22 Minuten, erklärt Ruppel. Einige der Öfen schalten sich zudem automatisch an, noch bevor die Bäcker ihren Arbeitstag beginnen. Eine gute Sache, denn „Zeit entzerrt die Hektik am Morgen“.

Wenn die Bäckerei dann um 6 Uhr öffnet – an sieben Tagen die Woche – hat Stefan Ruppel schon beinahe die Hälfte seines Arbeitstages hinter sich. Gegen 13 Uhr geht er zum Schlafen nach Hause, um ab halb sieben am Abend wieder in sein Geschäft zu kommen und sich um Bestellungen und Lieferscheine zu kümmern. Viel Ware vom Tag wegwerfen muss Ruppel nicht: Mit Hilfe der App „Too Good To Go“ würden liegengebliebene Waren häufig abends noch Abnehmer finden, erzählt er, und der Rest werde größtenteils an die Hühner verfüttert, die Ruppel über seiner Backstube hält. Viele Möglichkeiten also, die Produkte vor dem Müll zu bewahren. Das freut den Kalbacher Bäckermeister: „Wegwerfen, das tut ja auch im Herzen weh“.

Von Jonas Wagner

Die Kalbacher Linke-Politikerin Filiz Akbas erhält immer wieder nächtliche Anrufe, regelmäßig ist ihr Klingelschild verschmiert

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