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Einwegbecher

Hintergrund

Kaffeetrinker im Aufbruch

Die Pendlerhauptstadt Frankfurt sucht nach Lösungen für das Einwegbecher-Problem.

Montagmorgen am Mainufer: Nach einem sonnigen Wochenende haben hier wieder Tausende Menschen gepicknickt und gefeiert. Trotz der zahlreichen Abfalleimer, die in Frankfurt aufgestellt wurden, sind die Grünflächen übersät mit Verpackungsmüll. Dabei immer wieder sichtbar: Kaffee-Einwegbecher.

Frankfurt ist Pendlerhauptstadt. Viele Kaffeeliebhaber trinken ihren Kaffee unterwegs: am Hauptbahnhof oder eben mal schnell in der Mittagspause, bevor sie nach Feierabend wieder ins Frankfurter Umland fahren. In der Bankenmetropole werden jährlich schätzungsweise 25 Millionen Kaffee-Becher weggeworfen.

„Besorgniserregend ist dabei das achtlose Wegwerfen der Becher in die Natur, kurz als Littering bezeichnet“, erzählt Stefan Röttele von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Eine Studie der Humboldt-Universität in Berlin in Zusammenarbeit mit der FES belegt, dass eine der Hauptursachen für das Littering der immense Verpackungsüberfluss sei, insbesondere durch den Gebrauch von Take-away–Verpackungen.

„Durch den Konsumwandel der letzten zehn Jahre hat der Verbrauch von Kunststoff- und Verpackungsmüll stark zugenommen“, erklärt Röttele. Doch nicht nur die Menge ist ein Problem. Das Recycling der Einwegbecher ist nahezu unmöglich, da diese aus zwei unterschiedlichen Materialien bestehen, die von einer Sortieranlage nicht getrennt werden können.

An dem Projekt „Umwelt macht Schule“ nehmen Schülerinnen und Schüler aus 30 weiterführenden Schulen und zehn Tageszeitungen in ganz Deutschland teil. Die Frankfurter Rundschau ist eine dieser Partnerzeitungen.

Die teilnehmenden Klassen setzen sich unter pädagogischer Anleitung mit aktuellen Umweltthemen auseinander. Als Ergebnis des Projekts finden Sie die von den Schülerinnen und Schülern selbst recherchierten und verfassten Artikel in Ihrer Zeitung.

Doch Frankfurt hat reagiert. Die gemeinnützige Initiative cup2gether hat ein Pfandsystem ins Leben gerufen, um die enorme Zahl an Wegwerfkaffeebechern zu reduzieren (siehe Interview). In den Stadtteilen Bornheim und Nordend haben sich bereits zahlreiche Café-Betreiber dem Pfandsystem angeschlossen. Auch die Kundschaft hat das Projekt wohlwollend angenommen.

In der Frankfurter Innenstadt zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild, wie eine statistische Erhebung im Rahmen des Projekts „Umwelt macht Schule“ ergibt: Von 105 Café-Betreibern nutzen gerade mal vier das Pfandsystem. Hier tummeln sich viele Touristen oder Besucher von außerhalb, die beim Shopping nicht auf den Einwegbecher verzichten wollen.

Dies könnte sich bald ändern. Die FES hat nun beschlossen, mit dem cup2gether-Modell ein stadtweites Mehrwegbecher-Pfandsystem aufzubauen.

Im Stadtteil Sachsenhausen hat sich das Pfandsystem zwar noch nicht durchgesetzt, aber auch im Süden Frankfurts gehen Cafés das Problem an. Die Reaktionen der Kundschaft sind unterschiedlich. „Letzte Woche hat eine Mutter mit Kinderwagen wutentbrannt meinen Laden verlassen, nachdem ich ihr erklärt habe, dass wir keine Einwegbecher mehr rausgeben“, erzählt die Besitzerin vom „Oheim“.

Es besteht also nicht nur die Gefahr, Stammgäste zu verlieren, sondern die Umstellung stellt besonders für kleine Betriebe einen Kostenfaktor dar, weil die Anschaffung nachhaltigerer Mehrwegbecher noch immer teurer ist als die vergleichsweise günstigen Einwegbecher.

Dennoch stellt Sven Wörth vom Café „underpressure“ einen verstärkten Bewusstseinswandel bei seinen Gästen fest: „Die Nutzung von Mehrwegbechern hat zugenommen. Die Menschen machen sich mehr Gedanken über die Umwelt und ihr Konsumverhalten.“ Erkennbar sei dies auch an vielen Kunden, die ihren eigenen Becher von zu Hause mitbringen und dafür einen Rabatt erhalten.

Dieser Erfolg lässt sich insbesondere auf die Initiative „BecherBonus“ vom hessischen Umweltministerium zurückführen. Ein Preisnachlass von mindestens zehn Cent soll die Konsumenten dazu motivieren, einen eigenen Mehrwegbecher mitzubringen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) plant zudem, dass Einwegbecher für Hersteller künftig teurer werden, damit sich der Konsument verstärkt für Alternativen entscheidet.

Von der Klasse 8d der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt.

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