Menschen mit Behinderung

Käufer für den Cebeef gefunden

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Der Club Behinderter und ihrer Freunde (Cebeef) wird von der Berliner Firma „Pflegewerk“ übernommen.  

Der Club Behinderter und ihrer Freunde (Cebeef) wird voraussichtlich relativ schnell von der Berliner Firma „Pflegewerk“ übernommen. Wie die Geschäftsführerin des Clubs, Sabine Eickmann, mitteilte, sei die Entscheidung des Gläubigerausschusses einstimmig ausgefallen. In dem Ausschuss sitzen Vertreter der Agentur für Arbeit, der Banken und der Belegschaft. Die Frankfurter Lebenshilfe, die sich ebenfalls um eine Übernahme beworben hatte, kam nicht zum Zug.

Wie Eickmann ausführte, werde das Pflegewerk mit seinem Inhaber Georgios Giannakopoulos alle Leistungen des Cebeef erhalten und die 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen. Der Cebeef musste im Jahr 2016 wegen Zahlungsunfähigkeit eine sogenannte Eigeninsolvenz anmelden. Auch war es in der Vergangenheit immer wieder zu Ungereimtheiten gekommen: Die Stadt zahlte dem Club für seine Angestellten Tarifgehälter, die aber bei den Beschäftigten nicht in voller Höhe ankamen. Zuletzt wurde das Weihnachtsgeld für 2018 gestundet.

Auf dem Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes hatten Gewerkschafter und Politiker die Überführung des Cebeef in einen städtischen Eigenbetrieb gefordert – eine Initiative, die ins Leere lief. Immer wieder war der Cebeef Gegenstand im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung. Zuletzt hatte Stadträtin Daniela Birkenfeld vor einer Woche berichtet, dass beide Bieter, das Pflegewerk und die Lebenshilfe, die Tarifbindung nicht in Frage stellen. Sie hatte ferner erklärt, dass das Pflegewerk „von einer sofortigen Übernahme spätestens zum 1. Mai“ ausgehe, die Lebenshilfe jedoch erst eine Übernahme ab August in Aussicht gestellt habe. Da sich in der Zwischenzeit die Liquiditätslage des Cebeef nicht signifikant verbessern werde und auch noch die Kosten für das Insolvenzverfahren anfielen, liege es auf der Hand, dass die Gläubiger „so schnell wie möglich eine Lösung“ wollten.

Die Lebenshilfe, die ähnlich wie der Cebeef aus einer Selbsthilfe-Vereinigung hervorgegangen ist, bedauerte die Entscheidung des Gläubigerausschusses. Es habe in den letzten Wochen „gute inhaltliche Gespräche“ mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem Betriebsrat gegeben, wie die sozialen Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung stabilisiert und weiterentwickelt werden können, so Volker Liedtke-Bösl vom Lebenshilfe-Vorstand.

Dem Berliner Pflegewerk wünschte er „ein gutes Ankommen in Frankfurt“. Liedtke-Bösl bot der Firma „jederzeit unsere Unterstützung und Zusammenarbeit an“. Gleichzeitig kündigte er an, die Assistenz in der Schule für behinderte Kinder auszubauen, ebenso wie die Angebote im ambulant betreuten Wohnen. Außerdem soll es ein neues inklusives Wohnangebot für Menschen mit schweren Behinderungen geben.

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