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Kämpferin für das Erbe

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Claudia Dillmann im Filmmuseum.
Claudia Dillmann im Filmmuseum. © christoph boeckheler*

Claudia Dillmann, Direktorin des Filmmuseums, erhält das Bundesverdienstkreuz. Sie will noch mehr für die 130 Kinos im Land Hessen tun.

Alles beginnt in einem kleinen Kino im Rheingau, dem „Lindentheater“ in Geisenheim. In ihrem Geburtsort steht Claudia Dillmann als Mädchen „staunend vor den Schaukästen“, die vor ihr die Welt des großen Ausstattungs-Films ausbreiten. „Vom Winde verweht“ natürlich, „Lawrence von Arabien“ oder „Dr. Schiwago“. Hier wurzelt in den 60er Jahren ein lebenslanges Engagement für den Film. „Ich war verzaubert und gefangen.“ Am morgigen Mittwoch erhält die 62-jährige Claudia Dillmann als Direktorin des Deutschen Filmmuseums das Bundesverdienstkreuz, aus den Händen des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU).

Noch vor der Eröffnung des Filmmuseums 1984 am Schaumainkai arbeitet die Filmwissenschaftlerin am Konzept der ersten Dauerausstellung mit. 1992 wird sie stellvertretende Direktorin des Hauses: „Ich war damals die einzige Frau in leitender Funktion am Museumsufer.“ 1997 übernimmt sie die Führung des Deutschen Filminstituts und 2006 dann des Museums selbst.

Längst ist die Arbeit Dillmanns auch ein Kampf um das Erbe geworden. Etwa 130 Kinos gibt es nur noch in ganz Hessen, auch das „Lindentheater“ in Geisenheim hat das große Sterben überlebt. Aber auf dem Lande, außerhalb der großen Städte, sind nur noch wenige Standorte übriggeblieben. „Die Kinos erfüllen neben der kulturellen Funktion auch eine soziale“, sagt die Direktorin – nämlich die eines Treffpunkts.

Das Museum stützt Kinos im ganzen Land

Das Deutsche Filmmuseum stützt längst die Kinos im ganzen Land – etwa, wenn es während der alljährlichen Schulkinowochen 80 bis 85 Lichtspieltheater mit Filmen versorgt. Sehr wichtig für das Überleben des Kinos ist auch die Digitalisierung vieler Werke, an denen das Frankfurter Museum mit großem Nachdruck arbeitet. Seit wenigen Tagen hält Dillmann eine gute Nachricht in Händen: Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, hat für 2017 mehr Geld für die Digitalisierung von Filmen bereitgestellt.

„Es gibt jetzt insgesamt zwei Millionen Euro statt bisher einer Million“, so Dillmann. Und damit erhält auch das Filmmuseum, das bisher 250.000 Euro bekam, eine höhere Summe. Die Direktorin will künftig mehr der digitalisierten Filme als bisher „den Kinos auf dem Lande anbieten.“

Die frühere Redakteurin der Frankfurter Rundschau sieht sich mit ihrem gesamten Team so im Einsatz „für die Kinokultur“. Sie sitzt in den Jurys vieler Festivals und gehört zu den Gutachtern der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden. Nach dem grundlegenden Umbau des Museums und der Wiedereröffnung 2011 mit einer neuen Dauerausstellung konnte die Besucherzahl von vorher 125.000 im Jahr erheblich gesteigert werden.

Das Jahr 2016 wird das erfolgreichste Jahr des Deutschen Filmmuseums werden – am zurückliegenden Wochenende wurde die Marke von 200.000 Besuchern überschritten. Dafür sorgt die Ausstellung über das Animationsstudio Aardman („Shaun das Schaf“), die viele Kinder und Jugendliche ins Haus lockt. Das „Lindentheater“ in Geisenheim hat Claudia Dillmann lange nicht mehr besucht – zu wenig Zeit.

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