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Applaus für Preisträger Cem Özdemir (Mitte), der neben Aminata Touré und Ida Bubis (von rechts) sitzt.

Auszeichnung

Frankfurt: Ignatz-Bubis-Preis für Cem  Özdemir

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Der Grünen-Politiker Cem  Özdemir erhält den renommierten Ignatz-Bubis-Preis der Stadt Frankfurt.

Für sein politisches Engagement ist der Grünen-Politiker Cem Özdemir am Sonntag in der Paulskirche mit dem Ignatz-Bubis-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. Der Preis für Verständigung im Geiste von Ignatz Bubis (1927-1999) wird seit 2001 alle drei Jahre verliehen und ist mit 50 000 Euro dotiert. Zuletzt erhielt ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der Vorschlag, Cem Özdemir den Preis zu verleihen, sei auf Ida Bubis, die Witwe von Ignatz Bubis, zurückgegangen, sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

„Ignatz Bubis hat einen Platz in meinem Herzen; er hat mein politisches Leben stark geprägt“, sagte Preisträger Özdemir. Nach dem rechtsextremen Mordanschlag von Solingen am 29. Mai 1999, bei dem fünf Menschen türkischer Abstammung starben, habe Bubis im Fernsehen Worte gefunden, mit denen sich die türkische Community in Deutschland identifizieren konnte. „Er sprach uns aus dem Herzen“, sagte Özdemir, der als einer der ersten Bundestagsabgeordneten mit türkischen Eltern seit 1994 im Bundestag sitzt. Der Mordanschlag von Solingen und Ignatz Bubis hätten seinen Gang in die Bundespolitik geprägt.

Mit Bubis sei er in der Folge immer wieder bei Veranstaltungen aufgetreten, etwa beim Projekt „Schulen ohne Rassismus“, was für Özdemir angesichts der Laufbahn und des Lebenswerks von Bubis „ein Ritterschlag“ gewesen sei. Bubis Vater und Geschwister wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet. In Frankfurt baute Bubis die jüdische Gemeinde auf, war deren Vorsitzender und seit 1992 Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auch prägte er Debatten in der Stadt, etwa bei der Besetzung der Theaterbühne im Jahr 1985 gegen die Aufführung des Stücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder. Dabei wurde der Vorwurf des Antisemitismus erhoben, wegen der Darstellung eines Immobilienspekulanten als „reichen Juden“ . Auf der anderen Seite standen die Verteidiger der Kunstfreiheit; daran erinnerte Oberbürgermeister Feldmann in seiner Begrüßung ebenso wie an die Debatte über Martin Walsers Aussage in der Paulskirche im Jahr 1998 zur „Moralkeule Auschwitz“, die es zu überwinden gelte, was Bubis als „geistige Brandstiftung“ bezeichnete. „Einen wie Ignatz Bubis könnten wir heute noch gebrauchen“, sagte Özdemir. „Er war ein Vorbild“, sagte Feldmann.

Für die Rechte von Minderheiten  stark gemacht

Aminata Touré (Grüne), Abgeordnete im schleswig-holsteinischen Landtag, hob in ihrer Laudatio den Ignatz-Bubis-Preisträger als einen Politiker hervor, der sich trotz täglicher Anfeindungen für die Rechte von Minderheiten und Schwachen stark mache. So habe sich Özdemir solidarisch mit einem homosexuellen Kriegsdienstverweigerer in der Türkei gezeigt, die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel gefordert und den Völkermord an den Armeniern in der Türkei zur Zeit des Ersten Weltkriegs thematisiert. „Ich habe ihn gefragt, wie hältst Du den Hass als täglichen Begleiter aus“, worauf Özdemir geantwortet habe, er lasse sich in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft nicht vorschreiben, worüber er zu sprechen habe. „Menschen, die eine solche Haltung haben, sollten aufstehen und sprechen“, sagte Touré. Özdemir sei auch Vorbild für Menschen mit Migrationsgeschichte. „Du machst der Mehrheitsgesellschaft deutlich, dass wir ein Teil dieser Gesellschaft sind“, sagte Touré, deren Eltern aus Mali stammen.

Angesichts des Mordes an Walter Lübcke in Kassel, des Attentats auf einen Eritreer in Wächtersbach und des Angriffs auf den Rabbiner Yehuda Teichtal in Berlin müssten Menschen, die die Demokratie verteidigen wollten, sich stark machen gegen Rassismus und Antisemitismus, sagte Touré.

Die Aussage der AfD, der Nationalsozialismus sei nur ein „Vogelschiss in der Geschichte“, bediene Positionen von Rechtsextremen, den Feinden der Demokratie, sagte Özdemir. Die Aufarbeitung von „dunklen Flecken“ in der Geschichte mache eine Gesellschaft stark, nicht schwach.

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