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Dennis Lipowski könnte sich vorstellen später mal in die Politik zu gehen.

Porträt

Kämpfer für die Schülerrechte

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Landesschulsprecher Dennis Lipowski findet regulären Unterricht in Corona-Zeiten wichtig. Er will zudem, dass die Schule ein demokratischerer Ort wird.

Dennis Lipowski freut sich, dass die Schule wieder startet. Wirklich. „Ich bin der letzte G8-Jahrgang an meiner Schule. Viele von uns hatten Angst um unseren Abschluss, deshalb sind wir sehr glücklich, dass wir jetzt wieder regulären Unterricht haben“ , sagt der 17-jährige Groß-Gerauer. Der Gymnasiast besucht die zwölfte Klasse der Prälat-Diehl-Schule.

Seit Juni ist Lipowski zudem einer der beiden Landesschulsprecher. Dass Schülerinnen und Schüler in Hessen ab diesem Montag in Zeiten der Corona-Pandemie in den Pausen und auf den Gängen Maske tragen müssen, findet er richtig. „Als Landesschülervertretung war unser oberstes Ziel, dass die Schule wieder laufen muss. Der verpasste Schulstoff muss wegen des Lockdowns wieder nachgeholt werden. Deshalb ist das kurze Tragen von Masken in den Pausen absolut vertretbar.“ Im Unterricht hingegen fände er es schwierig. „Wenn man stundenlang die Maske tragen muss, kann man sich nicht großartig konzentrieren. Und gerade jetzt wo, wir viel Stoff aufholen müssen, wäre es ein-fach eine zusätzliche Schwierigkeit, die das Lernen ineffektiver machen würde.“

Hat Lipowski Angst, sich mit Covid-19 in der Schule anzustecken? „Nein, statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich als junger, gesunder Mensch schwer erkranke, sehr gering. Aber klar, das Risiko ist da. Vor allem möchte ich aber meine 81 Jahre alte Oma, die ich sehr gerne habe, nicht anstecken.“ Deswegen achte er auch bei Treffen mit Freunden möglichst auf den Mindestabstand und meide „Saufgelage mit Hunderten von Leuten“.

Früher sei er wöchentlich zum Bogenschießen und Klettern gegangen. „Aber die Arbeit in der Landesschülervertretung ist extrem zeitaufwendig. Also ist Sport deutlich weniger geworden.“ Seine Leistungskurse sind Physik sowie Politik und Wirtschaft, zudem ist Lipowski auch stellvertretender Schulsprecher. Gilt es aber eigentlich als cool, Landesschulsprecher zu sein? „Die meisten wissen gar nicht, dass es Landesschulsprecher gibt und was sie machen. “ Meistens laufe das Gespräch dann so ab: „Aha, du bist Landesschulsprecher, interessant. Und das bringt jetzt genau was, weil?“ Daraufhin antworte er dann: „Weil ich dich vertrete und ich mich dafür einsetze, dass du beispielsweise auch in der Oberstufe hitzefrei bekommst.“ Eines der Ziele der Landesschülervertretung.

Sein Hauptanliegen sei es aber, Schüler über ihre Rechte aufzuklären. „Die Schule wird als Diktat der Lehrer wahrgenommen, aber die Schule könnte ein viel demokratischerer Ort werden, wenn die Schüler ihre Rechte kennen würden.“ Und wie will er das erreichen? „Wir planen, Youtube-Tutorials zu drehen, um Dinge zu erklären wie: Was sind die Rechte eines Klassensprechers oder Stadtschulsprechers? Wir wollen so die Leute, die die Schüler vertreten, stärken, aber auch direkt die Schüler ansprechen: „An wen wende ich mich, wenn ich mich von meinem Lehrer ungerecht behandelt fühle?“

Er selbst habe lange auch nicht gewusst, dass es so etwas wie einen Landesschulsprecher gebe. Und wie ist er dann einer geworden? „Ich habe mich immer in der Klasse eingebracht, sah aber lange nicht die Notwendigkeit, mich als Schülervertreter wählen zu lassen.“ Dann, in der zehnten Klasse, stellte er sich doch zur Wahl als Klassensprecher auf. „Das klingt jetzt unheroisch, aber, ich entschloss mich erst dazu, als auch Freunde von mir antraten.“

Er gewinnt die Wahl. „Später habe ich dann von so einem dubiosen Ding namens Kreisschülerrat gehört und dachte: ‚Ach, das klingt doch ganz witzig. Das ist noch eins drüber. Das schaust du dir mal an‘“, sagt er. „Ich merkte aber schnell, dass dieser leider sehr inaktiv war und das fand ich sehr schade. Schülervertretung ist eine wichtige Sache. Wir haben Anspruch auf eine Meinung.“ Er ließ sich erst in den Kreisschülerrat, dann in den Landesschülerrat und dann zum Kreisschulsprecher wählen. „Das war eine recht steile Karriere.“

Der Landesschülerrat war auch Teil einer Konzeptgruppe des Kultusministeriums. „Da wurden die verschiedenen Pläne, wie die Schulen nach den Sommerferien öffnen könnten, besprochen. Da haben wir viel mitgewirkt. Aber manchmal wurde unsere Meinung komplett ignoriert. Als es etwa um den möglichen Plan ging, dass alle Klassen in feste Gruppen eingeteilt werden könnten, um Infektionsketten zu vermeiden. Aber in der Oberstufe mit einem Kurssystem würde das nicht funktionieren.“

„Meine größte Angst ist, dass jetzt, wo die Infektionszahlen wieder steigen, wieder ein Lockdown kommt. Das wäre katastrophal, weil der digitale Unterricht immer noch sehr abhängig ist von den jeweiligen Lehrern und nicht jeder Schüler einen guten und günstigen Internetzugang oder einen Rechner hat.“ Den geplanten kostengünstigen Internetanschluss für Schüler (Zehn-Euro-Flatrate), den Kultusministers Alexander Lorz (CDU) am Freitag angekündigt hat, gehe in die richtige Richtung, aber hätte schon wie die Investition in die Digitalisierung der Schulen viel früher und zahlreicher kommen müssen, findet er.

Und will Dennis Lipowski auch später in die Politik? „Ich will Jura studieren. Jurist fände ich spannend. Ob ich damit in die Politik gehe, weiß ich noch nicht.“ Sein Leistungskurs Physik sei aber eigentlich eine gute Basis für einen Politiker. „Das bringt noch einen analytischen Ansatz mit rein. Angela Merkel ist ja auch Physikerin. Ob ich es bis zum Bundeskanzler schaffe, wage ich aber trotzdem erst mal zu bezweifeln. Aber wenn doch, dann können Sie diesen Artikel am Tag meiner Wahl gerne noch mal drucken“, sagt er und lacht.

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