+
Gar nicht so einfach, die Balance zu halten.

Mainfest

Mainfest in Frankfurt: Kämpfen um besten Marktstand

  • schließen

Das Fest zu Ehren der Frankfurter „Lebensader“ hat das Fischerstechen am Wochenende zum Leben erweckt.

Frankfurt ohne Main? Undenkbar! Schon Jahrhunderte feiern Frankfurter dem Fluss zu Ehren das Mainfest. Auch in diesem Jahr lockte das Volksfest zwischen Römer und Eisernem Steg die Menschen an die Frankfurter „Lebensader“. Wild ging es nicht nur beim Autoscooter, sondern auch beim traditionellen Fischerstechen zu.

Fünf Mann, mittelalterlich gekleidet, auf einem Boot. Ein zweites Boot, ebenso besetzt, naht. Manuel Klein steht barfuß auf dem Bug, balancierend. Mit einer Lanze fest in beiden Händen versucht er, seinen Widersacher am Kopf des gegnerischen Bootes in den Fluss zu werfen. Und dabei selbst nicht von Bord zu gehen, denn der Gegner hat das Gleiche vor. Hunderte Menschen drängen sich am Mainufer und fiebern vom Eisernen Steg aus mit. Eine Szene wie aus vergangenen Zeiten – wären da nicht die rote Sonnenbrille und die Ansagen aus den Fahrgeschäften, die das Jahrhundert verraten.

„Heute ist das Fischerstechen ein Schaukampf“, erklärt der Moderator. „Früher ging es um die Existenz.“ Im Publikum feuert auch Cornelia Klein ihren Favoriten an. Als ihr Vorfahre, Jakob Klein, im 15. Jahrhundert seine Fische feilbieten wollte, war das, was heute Spaß ist, bitterer Ernst. „Wer als Letzter noch auf dem Boot stand, hatte den besten Marktstand gewonnen“, weiß sie von der Tradition zu berichten. Ihre Familie bestreitet seit Jahrhunderten ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei. Heute ist Cornelia Klein das langjährigste Mitglied in der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft, die das traditionelle Fischerstechen am gestrigen Sonntagnachmittag gemeinsam mit dem Schaustellerverband Frankfurt/Rhein-Main ausrichtete. Heute gibt es einen Wanderpokal.

Ein Feuerwerk beschließt das Mainfest am heutigen Montag um 22 Uhr.

Als 1340 die Dreikönigskirche geweiht wurde, fand das erste Mainfest statt. Fischer und Schiffer schlossen sich an, um den Main als „Lebensader“ zu feiern und für seine Gaben zu danken. Seit der Eröffnung des Neubaus der „Alten Brücke“ vor einem knappen Jahrhundert gibt es das Volksfest am Main wieder – mittlerweile mit Plüschtiere-Angeln statt Gänsefangen und Burger statt Ochs am Spieß.

Das Fischerstechen sei eine erhaltenswerte Tradition, findet Manuel Klein. „Das ist anstrengender, als man es sich vorstellt“, sagt er im Anschluss am Apfelweinstand. „Die Lanze ist ganz schön schwer und dann das Gleichgewicht halten.“ Seit drei Jahren kämpft Manuel Klein – kein Fischer, Lieblingsfisch: Lachs – um den Sieg. „Jedes Jahr, wenn ich dann auf dem Boot stehe, denke ich: Eigentlich hätte man sich auch mal vorbereiten können.“ Für den Sieg hat es bei ihm in diesem Jahr dennoch gereicht.

Huckepack beobachten mehrere Kinder – und ein Mann – den Kampf auf dem Main. Auf den Schultern seines Kumpels sitzt David Lecuyen. Die Franzosen besuchen eigentlich das Mainfest, am Fischerstechen sind sie „einfach so vorbeigekommen“ und wollten sehen, was die Leute beobachten. „Wir vertreiben uns hier die Zeit, das Fischerstechen ist unterhaltsam mitanzusehen“, sagt eine Frau aus Bornheim, die mit ihrem Mann gezielt zum Traditionskampf gekommen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare